Michael Strüver lebt seit vielen Jahren mit Prostatakrebs. 2012 entdeckten Ärzte bei dem damals 54-Jährigen einen winzig kleinen Tumor. Und obwohl der Krebs so früh erkannt wurde, hat er sich als nicht heilbar herausgestellt. Trotzdem sagt der heute 67-Jährige: „Die Krankheit hat mein Leben nicht dominiert. Ich habe sie zur Kenntnis genommen, mehr nicht. Ich habe ganz normal weitergemacht und lebe gut damit.“

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Operiert wurde der Duisburger damals an der Uniklinik in Essen. Für die Nachsorge hat der ehemalige Controller sich schon 2012 für das Urologicum Duisburg entschieden. Immer, wenn der Krebs neu in Erscheinung tritt, wird er in der Röttgersbacher Praxis behandelt. „Michael Strüver gehört zu den etwa sieben Prozent der Prostatakrebs-Patienten, bei denen es zu einem Rückfall kommt“, erklärt seine Ärztin Dr. Eva Hellmis. „Ob das passiert, hängt von Größe und Aggressionsgrad des Tumors ab.“
Urologicum Duisburg nimmt an klinischen Studien teil: „Chance für Patienten“
Hormonspritzen, Chemo, Bestrahlung: Strüver hat schon verschiedene Therapien hinter sich. Damit haben die Ärzte den Krebs jedes Mal wieder für eine Zeitlang in den Griff bekommen. „Die Dynamik herausnehmen“, nennt das die Ärztin und erklärt: „Immer, wenn der Krebs wieder auftritt, müssen wir die Art des Angriffs ändern.“
Der Duisburger sagt, dass er alle Behandlungen gut vertragen hat: „Ich hatte nur für meine OP einen Krankenschein. Danach nie wieder.“ Ja, das sei möglich, bestätigt seine Ärztin: „Die Therapien sind deutlich besser verträglich als früher. Und gegen viele Nebenwirkungen haben wir wirksame Medikamente.“ Ein Ziel einer modernen Therapie sei, dass der Patient möglichst normal leben kann: „Wir haben dabei immer die Lebensqualität im Blick.“
Ziel ist, den Krebs zu einer chronischen Erkrankung zu machen
Was beim Brustkrebs schon an der Tagesordnung sei, wolle man auch beim Prostatakrebs erreichen: „Wir wollen die Patienten möglichst individuell behandeln und nicht wie mit der Gießkanne. Am Ende geht es darum, den Krebs zu einer chronischen Krankheit zu machen.“ Das gilt vor allem bei Betroffenen mit Metastasen, denn dann ist Prostatakrebs nicht mehr heilbar.
Um aktiv am medizinischen Fortschritt mitzuarbeiten und „neue Erkenntnisse für Patienten umzusetzen“, nimmt das Urologicum an klinischen Studien teil. Mit denen werden neue Therapien gegen bösartige urologische Tumore in Niere, Blase oder Prostata getestet. „Damit sind wir die einzige Praxis in Duisburg. Die nächsten Ärzte, die diesen riesigen Aufwand betrieben, arbeiten an den Unikliniken in Essen, Düsseldorf, Münster und Köln“, betont Hellmis.

Für Patienten sei die Teilnahme an Studien eine echte Chance: „Sie bekommen die neuesten Therapien und werden engmaschig betreut.“ Trotzdem hätten einige Patienten Vorbehalte und die Befürchtung, Versuchskaninchen der Wissenschaft zu sein. „Das ist völlig unbegründet. Seit dem Contergan-Skandal sind die Regeln für Studien sehr streng.“
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Michael Strüver hat auch schon drei Jahre lang an einer Studie teilgenommen und sich „sehr gut aufgehoben gefühlt“. Zwei Jahre hat der Krebs danach Ruhe gegeben. Er kann anderen Betroffenen nur den Rat geben, die Chance zu nutzen, wenn sie sich bietet. Aktuell sind die sechs Ärzte des Urologicums an mehr als vier Studien beteiligt. „Allerdings eignet sich nicht jeder Patient. Es kommt auf die Vorerkrankungen und die Lebensumstände an“, ordnet Dr. Hellmis ein.
Auch bei der Diagnostik dreht sich das Rad weiter. „Inzwischen wissen wir, dass es für die Männer von großem Vorteil ist, wenn vor der Gewebeentnahme ein sogenanntes multiparametrisches MRT der Prostata gemacht wird.“ Das wurde inzwischen auch in die Leitlinien der Fachgesellschaften zur Behandlung von Prostatakrebs aufgenommen, nach denen sich Ärzte richten müssen. „Aber noch nicht alle Kassen kommen für die Kosten von mehr als 500 Euro auf.“
Einige Männer entscheiden sich, die Untersuchung selbst zu zahlen, andere stellen einen Kostenantrag: „Ein riesiger Aufwand und es dauert länger“, bedauert die Ärztin. Bisher wurde vor der Biopsie ein Ultraschall gemacht, um die Zellveränderungen zu lokalisieren. „Ultraschall hat eine Findequalität von 50 Prozent, ein MRT von 85 bis 90 Prozent. Das kann man dem Patienten nicht zumuten.“ Hellmis ist überzeugt, dass bald alle Krankenkassen das MRT bezahlen werden.
>> Das Urologicum Duisburg ist ein Studienzentrum – was die verschiedenen Phasen bedeuten
- Für die Behandlung von Blasen-, Nieren- und Prostatakrebs sind die Urologen und Urologinnen zuständig und nicht, wie oft vermutet, Onkologen. Dr. Hellmis rät Patienten, immer eine Zweitmeinung einzuholen. Das Urologicum Duisburg ist Zweitmeinungszentrum.
- Die Uro-GmbH Nordrhein, die 300 Urologen vertritt, bietet eine Zweitmeinung per Videoschalte an. Informationen gibt es hier.
- Das Urologicum-Studienzentrum nimmt in der Regel an klinischen Studien der Phasen zwei bis vier teil. Auf der Webseite der Praxis wird das genauer erklärt:
- Phase zwei und drei bedeutet: Es wird die Wirkung von noch nicht zugelassenen Medikamenten oder Verfahren gegen die Standardbehandlung getestet. Oft werden auch unterschiedliche Dosierungen auf Sicherheit und Wirkung geprüft.
- Teilnehmer können damit in den Vorteil einer wirksamen, verträglichen Behandlung mit einer neuen Substanz kommen, die noch nicht verschrieben oder von den Kassen bezahlt werden. Bedingung ist, dass keine wirksamen Standardbehandlungen vorliegen oder die Nebenwirkungen zu belastend sind.
- Phase vier bedeutet: Die Sicherheit und Verträglichkeit eines bereits zugelassenen Medikamentes werden nachuntersucht.





