1970 hat Ali Yakar seinen ersten Arbeitsvertrag bei Krupp in Rheinhausen unterschrieben, einige Jahre später stand er als Gewerkschafter auf der Brücke der Solidarität. Heute sind seine Zeiten als Eisenbahner und Arbeitskämpfer vorbei. Yakar hat sich anderen Dingen verschrieben, zu vielen, um sie in einem Satz zu erzählen. Deswegen drückt er die Gedanken über sein Lebenswerk am liebsten in Gedichten aus – und veröffentlicht sie in Bänden.

Täglich (außer Samstag)
Duisburg-Newsletter: Jetzt kostenlos anmelden!
Jeden Abend die wichtigsten News und exklusive Storys aus Duisburg – persönlich, mit Angeberwissen, Event- und Gastro-Tipps.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Jetzt hat der 75-Jährige seinen 14. Lyrikband herausgegeben. Den stellt er am 24. April in der Duisburger Zentralbibliothek im Beisein von Oberbürgermeister Sören Link vor. Sein neues Werk heißt „Umuda yolculuk“, zu deutsch: „Reise der Hoffnung“.
Duisburger veröffentlicht 14. Lyrikband – Hoffnung ist wichtiges Thema
„Das ist auch mein durchgängiges Thema in den Gedichten, denn ich will die Hoffnung nicht aufgeben, dass ein friedliches Miteinander unter allen Menschen, egal welcher Staatsangehörigkeit oder Glaubensrichtung, möglich ist“, sagt Yakar, der sich zeitlebens für eine friedvolle Gesellschaft eingesetzt hat.

Sein Buch ist auch eine Reise in die Vergangenheit, an seinen Geburtsort in der Türkei. Ali Yakar wurde 1950 in einem Dorf bei Corum geboren und lebte in seiner späten Jugend elf Jahre in der Metropole Istanbul. Daraus ist das Gedicht „Ich bin wie Istanbul“ entstanden. Es heißt darin: „Ich bin müde wie Besiktas, marode wie Sirkeci, voller Unheil wie Metris.“
Yakar meint dazu: „Ich habe versucht, die menschlichen Stimmungen mit den unterschiedlichen Stadtteilen der Millionenstadt zu vergleichen, und gemerkt, welche menschlichen Züge Istanbul dabei annehmen kann.“
Ali Yakar sammelt Fotos und Zeitungsartikel
1968 kam er aus der Türkei ins Ruhrgebiet. Über 50 Jahre lebt er nun schon in Rheinhausen. Natürlich reflektiert er in den Gedichten daher auch das Leben in Deutschland. „Ich lebe hier und habe hier lange gearbeitet. Ich habe dem Land viel zu verdanken, so ist es meine erste Heimat geworden“, erzählt Yakar.
Wie viel der 75-Jährige erlebt hat, bezeugen jede Menge Dokumente und Bilder in seinem Wohnzimmer. „Da war ich mit dem Ministerpräsidenten Johannes Rau bei einem Treffen im Rheinhauser Arbeitskampf“, erzählt Ali Yakar und zeigt auf ein Foto in seinem Aktenordner. Daneben ein Bild von ihm mit Herbert Schnoor, dem damaligen NRW-Innenminister.

Fein sortiert, hinter Klarsichtfolie, befinden sich in der Sammelmappe mehr als 100 Artikel aus vergangenen Zeiten, die er entweder selbst als Journalist für verschiedene Zeitungen verfasst hat oder die über ihn geschrieben wurden.
Daneben liegen goldene Plaketten, die ihn für sein Engagement für die Völkerverständigung ehren und noch aus der Zeit der Oberbürgermeister Josef Krings und Adolf Sauerland stammen. Etwas ferner befinden sich Urkunden, die ihm das türkische Generalkonsulat für besondere Verdienste zugeeignet hat.
Ein wichtiges Element seiner Lyrik: „Jeder Mensch verdient Respekt“
Neben seiner Heimat behandelt Yakar auch die Themen Liebe, Glaube, Zugehörigkeit, Nachbarschaft und Respekt eindringlich in den Gedichten. 50 Stück hat er jetzt in Deutsch verfasst, der Rest ist auf Türkisch geschrieben.
Respekt ist ein wichtiges Element seiner Lyrik. „Ohne Respekt ist ein soziales System nicht funktionsfähig, es ist dabei egal, woher du kommst, jeder Mensch verdient Respekt“, beschwört Yakar die Werte, die auch im deutschen Grundgesetz auf ähnliche Weise festgeschrieben sind. Dabei sind seine Gedichte nie politisch.
Er fordert gerade die Jugend dazu auf, aufeinander zuzugehen und den Dialog zu suchen in diesen Zeiten. „Nur so kannst du erfahren, was dein Freund, Nachbar, Arbeitskollege oder Mitschüler wirklich denkt.“
Lesen Sie auch diese Artikel aus Duisburg-Rheinhausen:
- Urige Kult-Kneipe ist zurück: Jetzt sogar mit großem Biergarten
- 8000 Mieter in Rheinhausen: So blickt der Adler-Nachfolger auf kaputte Wohnungen
- Leerstand in der Fußgängerzone: Expertin kämpft für „Cafés und süße Orte“
- Neue Kitas in Rheinhausen: Stadt nennt Details zu 11 wichtigen Projekten
- Probleme in beliebter Einkaufszone: Das stört Rheinhauser wirklich
>> „Umuda yolculuk“: Hier gibt‘s das Gedichtband zu kaufen
- Ali Yakar kam 1968 nach Deutschland. Er arbeitete ab 1970 bei der Krupp Stahl AG in Rheinhausen. Im Arbeitskampf schrieb er für verschiedene türkische Zeitungen und auch für die WAZ und NRZ zu den aktuellen Geschehnissen.
- Er setzte sich als SPD-Mitglied für die Völkerverständigung zwischen Türken und Deutschen in der Stadt ein und engagiert sich in der Alevitischen Gemeinde Rheinhausen.
- Yakar ist Ehrenbürger der Stadt Duisburg und durfte sich 2019 ins Goldene Buch Rheinhausens eintragen.
- Sein Lyrikband heißt „Umuda yolculuk“ und ist mit einer Auflage von 5000 Stück erschienen.
- Wer sich für das Buch interessiert, kann es bei Ali Yakar für 15 Euro kaufen. Er ist telefonisch erreichbar unter 0157 85 07 46 55.
- Am 24. April liest er in der Zentralbibliothek Duisburg ab 15 Uhr aus seinem Werk vor.




