Zusammenfassung
- Beim Absturz eines Ultraleichtflugzeugs in Duisburg im Jahr 2022 kamen der Pilot und ein Passagier ums Leben.
- Erst 2025 veröffentlichte die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung ihren Abschlussbericht. Er benennt mehrere mögliche Einflussfaktoren für den Absturz.
- Manches bleibt unklar, da viele Wrackteile durch den Brand stark zerstört wurden.
Vor vier Jahren entging Duisburg nur knapp einer Katastrophe. Ein Flugzeug stürzte ab und verfehlte ein voll besetztes Zirkuszelt nur um wenige Dutzend Meter. Bei dem Absturz des Ultraleichtflugzeugs starben der Pilot und ein Fluggast.

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Erst drei Jahre später enthüllte ein Abschlussbericht, warum das Flugzeug am 4. September 2022 auf Autos krachte, die am alten Güterbahnhof vor dem Zirkus Flic Flac geparkt hatten, und in Flammen aufging. Die Nachmittagsvorstellung lief gerade an, sodass kaum noch Menschen auf dem Parkplatz unterwegs waren.
Die Feuerwehr Duisburg konnte den Brand, der auf acht Autos übergriff, schnell löschen. Die Leichname der Insassen wurden am späten Abend aus dem Wrack geborgen. Mitarbeiter der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BfU) aus Braunschweig waren wenige Stunden nach dem Unglück vor Ort, um Spuren zu sichern. Akribisch sammelten sie alles, was Aufschluss über das Unglück geben könnte, vom Schotterparkplatz und von den zerstörten Autos auf.
Warum die zuständige Staatsanwältin die juristischen Ermittlungen einstellte und was aus ihrer Sicht ursächlich für den Absturz war, lesen Sie hier.
Abschlussbericht nach Flugzeugabsturz in Duisburg liegt jetzt vor
Im November 2022 wurde ein erster Zwischenbericht veröffentlicht, der vor allem detailliert Fakten zusammenträgt: vom Wartungszustand des Flugzeugs (zuletzt 2021 geprüft) über die Wetterbedingungen (top) bis zur Expertise des Piloten (routiniert, mit Lehrerfahrung). Zur Ursache verloren die Experten damals kein Wort.

Das ist bei dem Abschlussbericht nicht anders. Er stammt aus Juli 2024, wurde aber erst im April 2025 veröffentlicht. Mit der Untersuchung solle kein Verschulden festgestellt, sondern vor allem künftige Unfälle vermieden werden, betont die BfU. Es gibt also keine Schlussfolgerungen oder Analysen. Die Beschreibungen geben aber zumindest Hinweise, warum das Flugzeug abgestürzt sein könnte.
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Flugzeug flog deutlich tiefer, als es Mindestflughöhen vorgeben
Im Kurzbericht der Prüfer heißt es: „Bei einer Kurve in geringer Höhe verlor der Pilot die Kontrolle über das Ultraleichtflugzeug. Es kippte über die linke Tragfläche ab. Beim Aufprall auf den Boden entstand ein Brand.“ So zeigen es kurze Videos, so schilderten es Augenzeugen.
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In der ausführlichen Version wird klarer, dass es einige Auslöser für den Kontrollverlust gegeben haben könnte. So dokumentieren die Experten, dass das Flugzeug laut Zeugen über dem Fußballstadion kaum 50 Meter hoch flog. Im Bereich des Zirkus war es nur noch 30 Meter über Grund.
Die Prüfer zitieren, welche Mindestflughöhen bei Flügen nach Sichtflugregeln gelten. Demnach müssen über Städten, dicht besiedelten Gebieten oder Menschenansammlungen „nicht weniger als 300 Meter“ über dem höchsten Hindernis eingehalten werden.

Ein „nicht statthaftes“ Autopilot-System war im Flugzeug verbaut
Warum der Pilot so viel niedriger unterwegs war, bleibt Spekulation. Das Flugzeug selbst, eine CT SW Baujahr 2005, hatte nach Schätzung des Halters am Unfalltag noch 20 bis 25 Liter Kraftstoff im Tank.
An Bord war auch ein Autopilot-System, das im Ausrüstungsverzeichnis aber nicht aufgeführt war. Chatverläufe belegen, dass der Pilot diesen Autopiloten kannte, schreibt die BfU. In Ultraleichtflugzeugen sei der Einbau laut Luftfahrtbundesamt jedoch „nicht statthaft“. Ob der Autopilot eine Rolle beim Absturz spielte, ist unklar. Bei den Teilen, die die Prüfer vom Wrack sichern konnten, ist das System nicht aufgeführt. Das Triebwerk fanden sie auf dem eingedrückten Dach eines Autos, aber „die Matrix der Faserverbundstruktur des Flugzeuges war vollständig verbrannt“. Die Hitzeentwicklung war so groß, dass „auch zahlreiche Metallbauteile zerstört wurden“.
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Überleben konnte man den Absturz wegen der „hohen Aufschlagenergie“ und dem Brand nicht, heißt es im Bericht. Laut Obduktion starb der Pilot infolge eines Verbrennungstraumas und der Fluggast an einem Polytrauma.
Offen bleibt nun auch die Frage, warum kein Rettungsgerät zum Einsatz kam, also ein Notfallschirm, der einen Absturz auffangen kann. Der biete grundsätzlich „auch in geringen Höhen noch gute Rettungsmöglichkeiten“, schreibt die BfU. Experten hatten allerdings damals schon gesagt, dass für das Auslösen selbst in 300 Metern Höhe oft nur Sekunden bleiben, um den Hebel zu ziehen.

>>DIE BUNDESSTELLE FÜR FLUGUNFALLUNTERSUCHUNG
- Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung in Braunschweig untersucht Flugunfälle, die in Deutschland passieren oder auch weltweit, wenn deutsche Linien, deutsche Designs oder deutsche Halter betroffen sind.
- Durch die Auswertung solcher Unglücke sollen Erkenntnisse gewonnen werden, mit denen künftige Unfälle verhindert werden können. Es geht um Erkenntnisse für die Sicherheit der Luftfahrt.
- Die BfU hat nicht den Auftrag, das Verschulden aufzuklären oder Argumente für Regressansprüche zu sammeln. Rein personell ist das auch nicht möglich: Rund 2000 Unfällen pro Jahr steht ein Team von 38 Mitarbeitenden gegenüber.
- Weitere Infos stehen auf der Webseite www.bfu-web.de
Dieser Artikel erschien erstmals am 4. April 2025.






