Die Zahl der Verkehrsunfälle auf Duisburgs Straßen steigt seit 2020 kontinuierlich an. Wie es aus dem Verkehrsbericht der Polizei für 2024 hervorgeht, hat es im vergangenen Jahr rund 49 Mal pro Tag gekracht. Insgesamt waren es 17.873 Unfälle – 95 mehr als im Bericht für 2023 und sogar ein Plus von 1810 Unfällen im Vergleich zu 2020. Ob die Menschen in den Corona-Jahren mit Kontaktbeschränkungen weniger Auto gefahren sind und sich dadurch die Unfallgefahr automatisch reduziert hat, lässt sich nur spekulieren.

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Dafür hat es 2024 im Vergleich zum Vorjahr 50 Prozent weniger Verkehrstote in Duisburg geben: Zwei Fußgänger und ein Pedelec-Fahrer kamen in Folge von Unfällen ums Leben. Im Fünfjahresvergleich ist dies der zweitniedrigste Wert. Die tödlichen Unfälle im Detail.

Polizei Duisburg: Drei Verkehrstote im Jahr 2024

18. Januar, Alt-Homberg: Auf der Lauerstraße ist ein Peugeot-Fahrer (29) abends in Richtung Laar unterwegs und übersieht einen Fußgänger (77), der in Höhe einer Lidl-Filiale die Straße im Bereich einer Verkehrsinsel überqueren will. Es kommt zu einem ungebremsten, frontalen Zusammenstoß bei Tempo 50. Der 77-Jährige erliegt drei Tage später seinen Verletzungen im Krankenhaus.

Rund zwei Monate machen Anwohner ihrem Ärger gegenüber der Redaktion Luft: Die Lauerstraße sei in diesem Bereich ein Unfallschwerpunkt. Oft werde gerast. Immer wieder komme es zu brenzligen Situationen. Der Ruf nach Maßnahmen wird laut. Die Stadt reagiert und schlägt vor, die kaum genutzte Fußgängerbrücke am Bürgermeister-Wendel-Platz zurückbauen zu lassen. Eine Ampel soll stattdessen her und die Raser ausbremsen. Die Politik gibt grünes Licht. Passiert ist bisher aber noch nichts.

Mit Kopfverletzungen ins Krankenhaus

24. Januar, Hamborn: Ein Opel-Fahrer verlässt am frühen Mittag die Grundstücksausfahrt einer Sparkassen-Filiale an der Duisburger Straße und übersieht offenbar einen Fußgänger (90) auf dem Gehweg. Der 90-Jährige wird frontal erfasst, stürzt und kommt mit Kopfverletzungen ins Krankenhaus. Dort verschlechtert sich sein Zustand. Er verstirbt eine Woche nach dem Unfall.

21. November, Buchholz: Auf der Großenbaumer Allee fährt ein Pedelec-Fahrer (89) morgens unvermittelt auf die Straße. Eine Opel-Fahrerin (74) kann nicht mehr bremsen und erfasst den Senior. Der 89-Jährige stürzt und kommt schwer verletzt in eine Klinik. Dort stirbt er wenige Tage später in der Nacht zum 25. November.

Insgesamt 1761 Menschen wurden laut Polizei im vergangenen Jahr bei Unfällen verletzt (2023: 1754) – darunter wie im Vorjahr 198 Kinder bis 14 Jahre, 73 Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren (2023: 88) und 210 Senioren (200). Wichtig: Unfälle auf Autobahnen fließen in die Daten nicht ein.

Starker Anstieg bei Unfällen mit E-Scootern

Autofahrer waren wieder am häufigsten an Unfällen mit Verletzten beteiligt – insgesamt 524 (2023: 500). Danach kommen Rad- und Pedelec-Fahrer (437/2023: 415), gefolgt von Fußgängern (236/255) und motorisierten Zweiradfahrern (134/150). Auffällig: Bei 108 Unfällen mit Verletzten waren E-Scooter beteiligt – ein Anstieg um rund 24 Prozent gegenüber 2023 (82).

Bei 108 Unfällen mit Verletzten in Duisburg waren E-Scooter beteiligt – ein Anstieg um rund 24 Prozent gegenüber 2023 (82).
Bei 108 Unfällen mit Verletzten in Duisburg waren E-Scooter beteiligt – ein Anstieg um rund 24 Prozent gegenüber 2023 (82).© FUNKE Foto Services | Kerstin Kokoska

Bei 167 Unfällen waren 2024 Alkohol und andere berauschende Mittel der Grund. Dies ist zwar ein leichter Rückgang um etwa zwei Prozent im Vergleich zum Vorjahr, aber dennoch weiter eine der Hauptursachen für Unfälle in Duisburg.

Alkohol gehört weiter zu den häufigsten Unfallursachen

Das sind laut Polizei die weiteren häufigsten Unfallursachen in Duisburg:

  • Nicht angepasste Geschwindigkeit oder Überschreiten der zulässigen Höchstgeschwindigkeit
  • Nichtbeachten der Vorfahrt oder des Vorranges
  • Fehler beim Abbiegen
  • Ungenügender Sicherheitsabstand
  • Fehler beim Überholen oder Spurwechsel
  • Falsches Verhalten von und gegenüber Fußgängern, Fahrradfahrern sowie motorisierten Zweiradfahrern

Darüber hinaus gehörte auch 2024 der Kampf gegen die Raser-, Poser- und Daterszene zu den Aufgaben der Polizei. Demnach gab es entsprechende Treffen auf Parkplätzen von Schnellrestaurants, großen Einkaufscentern oder Parkhäusern beziehungsweise Parkplätzen zw. Parkflächen – insbesondere im Bereich der L1 im Duisburger Norden. Zur Bekämpfung dieses Phänomens reagierte die Polizei mit vier Präventionsaktionen und insgesamt sechs groß angelegten Kontrollen, teils mit Kooperationspartnern.

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Dabei hat sie ihre Taktik geändert, weil die Szene als Reaktion auf die Großeinsätze ihre Treffpunkte inzwischen verlagert. So fiel 2024 der „Car-Freitag“, der große Saisonauftakt der Raser- und Poserszene, in Duisburg nahezu komplett aus. So waren statt Kräften der Einsatzhundertschaft zivile Beamte im Stadtgebiet unterwegs, die nicht nur am Karfreitag, sondern am ganzen Osterwochenende kontrollierten.

>> VERKEHRSBERICHT DUISBURG: VERWUNDERUNG ÜBER EINIGE ZAHLEN

  • Die Polizei bestätig auf Nachfrage der Redaktion, dass im Verkehrsbericht für 2024 versehentlich falsche Zahlen zu Unfallfluchten aufgeführt sind. Diese sollen überarbeitet und korrigiert werden.
  • Auffällig ist im aktuellen Bericht außerdem, dass die Polizei die Zahl der Unfälle für 2023 nun insgesamt auf 18.051 beziffert. Im Vorjahresbericht war ursprünglich von 17.778 die Rede. Auch die Zahl der bei Unfällen verletzten Personen ist leicht gestiegen – von 1754 auf 1771.
  • Eine Polizeisprecherin erklärt dies mit Nachmeldungen, weil die Verkehrsberichte auf Daten mit Stand von Mitte Februar basieren.
  • Unfälle müssen, so die Sprecherin, spätestens nach 90 Tagen abschließend bearbeitet sein. Passieren diese gegen Jahresende, können sie deshalb womöglich nicht in den aktuellen, sondern erst in den folgenden Verkehrsbericht miteinfließen.