Letzter Akt des Trauerspiels: Leere Regale, leere Käfige, leere Blicke. Und das nicht nur bei Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Duisburg. Zoo Zajac – das ist seit Freitag, 14. März 2025, Geschichte. „Es fühlt sich an wie auf einer Beerdigung“, sagt Sören Kunde, der mit seiner Frau Christiane aus Plettenberg angereist ist. „Unser Nachname hat ja bis jetzt gepasst“, sagt der Sauerländer. „Wir sind zum ersten und heute natürlich zum letzten Mal hier, wirklich traurig.“

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Die beiden haben einen Ringelhechtling und einen Wels erstanden und schieben einige Säcke Rindenmulch im Einkaufswagen Richtung Auto. Von dem riesigen Plakat „Zoo Zajac - Treffpunkt aller Tierfreunde“ blickt der 2022 verstorbene „Zoodirektor“ Norbert Zajac Richtung Parkplatz – eine Schlange auf dem Kopf und ein kleines Reptil in der Hand. „Es fühlt sich schrecklich an“, sagt Christiane Hohmann, die mit vielen Familienmitgliedern aus Castrop-Rauxel gekommen ist. Sie hat mit Tochter Lisa und ihren beiden Enkeln zwei Kaninchenställe gekauft. Was jetzt zum Glück noch fehlt, sind die Hoppelhasen, die den Familienverbund erweitern sollen.

Der Zoodirektor: Norbert Zajacs Traum, Zoo Zajac in Duisburg, hat seine Türen für immer geschlossen.
Der Zoodirektor: Norbert Zajacs Traum, Zoo Zajac in Duisburg, hat seine Türen für immer geschlossen.© FUNKE Foto Services | STEFAN AREND

Zoo Zajac in Duisburg für immer geschlossen: „Ein Stück Heimat“

„Der Rabatt von 60 Prozent ist ja schon toll, aber dass ausgerechnet dieses Geschäft schließt … Man kann es eigentlich nicht glauben“, sagt Christiane Hohmann. Nicht nur für diese Familie war der Duisburger Super-Store ein Stück Heimat, ein Anlaufpunkt, ein kostenloser Zoobesuch. Vor allem für die Kinder. „Ich war schon mit meinen beiden Mädchen hier“, erzählt die Castroperin. „Und jetzt mit den Töchtern und Enkeln.“ Auch Tochter Melanie ist mit den drei Kindern hier am Abschiedstag, genauso wie der Mann von Tochter Lisa, Leonardo Facciorusso.

Alles muss raus: Die Stühle aus dem Restaurant von Zoo Zajac wurden schon am letzten Tag des Fachgeschäfts abgeholt.
Alles muss raus: Die Stühle aus dem Restaurant von Zoo Zajac wurden schon am letzten Tag des Fachgeschäfts abgeholt.© FUNKE Foto Services | STEFAN AREND

Trauer und Ratlosigkeit überwiegen bei weitem die Freude über die Schnäppchen, die sie heute machen können. „Es ist komisch, dass ein so großes Geschäft schließen muss“, sagt Natalia Furgoll, die mit Ehemann Christoph und dem fünfjährigen Sohn Maximilian gekommen ist. Die Duisburger haben erst seit kurzem eine Katze und wollten Spielzeug für den Vierbeiner kaufen. Aber Fehlanzeige. Es guckten sie nur noch leere Regale an. „Ich war schon vor zehn Jahren mit meiner Nichte gerne hier, auch für unseren Sohn war es immer spannend, die vielen Tiere zu beobachten. Man kann es nicht fassen.“ Sie verstauen die Säcke mit Katzenstreu und nehmen Abschied.

Die erste Ratte kam von Zoo Zajac

Eher selten trifft man am heutigen letzten Tag Duisburger. Die Autokennzeichen reichen von den Niederlanden, Köln, Siegen, Essen, Recklinghausen, Mülheim, Bochum bis nach Kleve und Wesel. Aus Gelsenkirchen kommen Lea Fiedler und Vater Jens, für die Zoo Zajac seit 22 Jahren Heimathafen in Bezug auf ihre Fische ist. „Wir waren in den vergangenen Jahren mindestens einmal im Monat hier“, sagt der Vater. Und die längst erwachsene Tochter erzählt wehmütig: „Hier hab ich vor vielen Jahren mein allererstes Tier bekommen, eine Ratte.“

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Im vergangenen Monat waren sie mindestens einmal in der Woche hier im einst weltgrößten Tiergeschäft. Einen Wels haben sich die beiden heute noch mitgenommen. Der wird ihren Gelsenkirchener „Privatzoo“ bereichern. Zu dem gehörten oder gehören Ratten, Reptilien, Schildechsen, Nagetiere, Hunde und natürlich Fische. Die beiden sind entsetzt über die Entwicklung und rätseln, was hinter dem Niedergang steckt. „Wenn der Norbert das noch mitbekommen hätte …“ Sie mögen es sich nicht ausdenken. Auch den Fischverkäufer kennen sie seit über 20 Jahren. Zoo Zajac – ein Stück Heimat verschwindet aus dem Blickfeld, aber nicht aus der Seele.

Zoo Zajac geschlossen: „Einen Ersatz haben wir noch nicht“

Ebenfalls mit großer Tüte und kleinem Fisch verlassen Milica (35) und Ehemann Filip Seidel (32) das Geschäft. Ihre vier Kinder haben nicht mehr viel zu gucken, die Eltern nicht mehr viel zu lachen. Aus und vorbei. Der Zoo, der der ganzen Familie über Jahre so viel Unterhaltung und Freude geschenkt hat, er ist Vergangenheit. „Es war hier immer so toll, weil es für Erwachsene und Kinder viel Spannendes geboten hat“, sagt Milica Seidel. „Einen Ersatz haben wir noch nicht.“

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An Erdmännchen, Goldfische, Hühner, Fasane, Pfauen und Vogelspinnen Anfang der 2000er Jahre bei Zoo Zajac erinnert sich der Herner Pascal Bönsch-Szymyslik (42) noch sehr genau. Mit seiner Frau Stefanie (37) und Töchterchen Shawna (10) hält die Tierliebhaber-Familie zwei Hunde, zwei Pferde und acht Aquarien. „Wenn wir hierhin gekommen sind, war das wie eine Zoofamilie. Unfassbar schade. Man rätselt ja über die Hintergründe. Das Geschäft hätte ja kleiner weitergeführt werden können. Was wirklich dahinter steckt, man weiß es nicht.“

„Das mit dem Welpenverkauf war wirklich nicht in Ordnung“

Der Herner erinnert sich an die Zeiten, als er 2003 bis 2006 eine überbetriebliche Ausbildung als Maler und Lackierer absolvierte. „Damals haben wir öfter hier bei Zoo Zajac gegessen.“ Diese Erlebnisse sind tief verwurzelt mit Ausbildung und dem Zajac-Unternehmen. Nur wenige bringen an diesem Freitag Kritik an. „Ja, das mit dem Welpen-Verkauf war wirklich nicht in Ordnung“, hört man immer wieder. „Aber das Unternehmen war mutig, spannend und inspirierend. Und das Team toll.“

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Freitagabend, 14. März 2025, 18.30 Uhr. Schicht im Schacht bei Zoo Zajac, der einst weltgrößten Tierhandlung mit Eintrag im Guinessbuch der Rekorde. „Niemals geht man so ganz, irgendwas von mir bleibt hier. Es hat seinen Platz immer bei dir.“ Treffender und trauriger hätte Schauspielerin Trude Herr in ihrem Song „Niemals geht man so ganz“ das Ende von Zoo Zajac nicht beschreiben können.