• Bei den Hotspot-Impfungen in Marxloh und Rheinhausen haben rund 3400 Impfwillige einen Pieks bekommen.
  • Zeitgleich fehlt im Impfzentrum und in den Hausarztpraxen Unmengen an Impfstoff. Viele Berechtigte warten verzweifelt auf einen Termin.
  • In der NRZ-Redaktion Duisburg gibt es dazu unterschiedliche Meinungen.

Pro: Jeder Pieks hilft, die Pandemie weiter einzudämmen

Rund 2400 Impfungen bei der Hotspot-Impfung in Marxloh, rund 1000 kamen in Rheinhausen dazu: Das ist ein gutes Zeichen. Jeder Pieks hilft, der Pandemie Schritt für Schritt den Garaus zu machen. Natürlich könnte man die Impfungen in Hotspot-Gebieten kritisch hinterfragen. Ist es wirklich fair, dass Menschen, die zum Teil in keine Priorisierungsgruppe gehören, noch vor aktuell Berechtigten eine Impfung kriegen? Ist es fair, dass sie nichts weiter tun müssen, als sich in einer Schlange anzustellen? Klare Antwort: Nein.

NRZ-Redakteur Diego Tenore.
NRZ-Redakteur Diego Tenore. © FUNKE Foto Services | Michael Gottschalk

Aber: Es geht hier nicht um Fairness, sondern um das große Ganze. Jeder zerschlagene Hotspot hilft auch der ganzen Stadt. Was haben die Stadtteile mit sehr niedrigen Inzidenzen davon, wenn aufgrund von Hotspots wie Marxloh und Rheinhausen die Inzidenz der gesamten Stadt hoch bleibt? Nichts. Oft ist der Vorwurf zu hören: „Die halten sich alle nicht an die Regeln und kriegen jetzt eine unkomplizierte Impfung.“ „Die“ gibt es aber nicht. Bei der Pandemie ist ein „Wir“ entscheidender denn je. Natürlich wird es in den Hotspots auch Menschen geben, die sich nicht an Regeln halten. Wie in jedem anderen Stadtteil auch. Aber das zu pauschalisieren ist nicht richtig.

Es ist logisch, dass Inzidenzen dort höher sind, wo viele Menschen auf engerem Raum wohnen. Das hat nicht zwingend was mit mangelnder Selbstdisziplin zu tun. Daher ist die Idee einer extra Hotspot-Impfung lobenswert. Wenn auf einer Straße alle Häuser in Flammen stehen, macht es Sinn, den Brandherd zu löschen, um das Feuer unter Kontrolle zu kriegen. Anderenfalls entflammt das Feuer immer wieder von vorne.

Contra: Der Impfstoff fehlt im Impfzentrum

Der Impfstoff ist knapp. Auch gut ein halbes Jahr nach dem Impfstart sind nicht einmal alle Duisburger geimpft, die laut der Prioritäten-Liste einen Anspruch haben. Über 60-Jährige, Menschen mit Vorerkrankungen, die in der Gruppe 3 dran kommen sollten, versuchen noch immer vergeblich online oder auch telefonisch einen Termin zu bekommen. Sie werden an ihre Hausärzte verwiesen. Vielen von ihnen muss es mittlerweile wie ein schlechter Scherz vorkommen. Denn auch dort sind längst kaum noch Termine zu bekommen. Es sei denn, man hat Glück, kennt jemanden, der jemanden kennt, der weiß… Längst ist ein Impftourismus ausgebrochen.

NRZ-Redakteurin Rosali Kurtzbach
NRZ-Redakteurin Rosali Kurtzbach© WAZ FotoPool | Volker Herold

Der kerngesunde Bekannte fährt die Tage mit seinem Sohn, gerade 18 geworden, in eine Arztpraxis im Bergischen Land zur Impfung. Er hatte Glück, als er das Internet nach Hausärzten, die freie Termine haben, durchforstete. Zurück bleiben aber viele Impfwillige, die nur ratlos in der Impfhotline hören: Sie brauchen Geduld.

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Impfungen in Hotspots sind sinnvoll, keine Frage – aber nur dann, wenn es genügend Impfstoff für alle Impfwilligen der Prio-Gruppe 3 geben würde. Gibt es aber nicht. Wo bleibt hier die bislang so oft beschworene Solidarität? Sie bedeutet auch: a.) Vordrängeln ist nicht und b.) die Regeln an einen Impftermin zu kommen, gelten für alle. Auch für die Bewohner in Marxloh oder anderen Hotspots in Duisburg. Die Sorge vieler Ü60-Jährigen oder Vorerkrankten, dass sie noch weiter nach hinten rutschen, wenn die Priorisierung am 7. Juni fällt, ist berechtigt. 3400 Impfdosen, die diese Woche in Duisburger Hotspots verimpft wurden, fehlen dem Impfzentrum.