Regelmäßig kommt Horst Jendrossek bei seiner Wanderung durch Ruhrort und schaut sich dabei die Beton-Boote an, die am Ufer des Vinckekanals liegen. „Die gammeln dort seit Jahren vor sich hin. Könnte man die nicht mal wieder anmalen?“, fragt Jendrossek.
Bei den Kanus handelt es sich um ein Kunstwerk der Bildhauerin Susanne Windelen, das zwischen 1993 und 1995 beim Bildhauersymposium „Binnen-Hafen-Zeit“ entstanden ist. Das Kunst-Festival fand im Anschluss an den 275. Hafengeburtstag statt. Allerdings ist Windelen, die heute eine Professur für Bildhauerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart hat, mit der Präsentation der Arbeit nicht mehr zufrieden. Im Gespräch mit unserer Zeitung erklärt sie: „Ich weiß nicht, in welchem Zustand die Arbeit momentan ist, die Stadt hat sich leider sehr fahrlässig gegenüber meinem Urheberrecht verhalten. Deshalb habe ich mehr oder weniger meine Autorenschaft abgegeben.“ In der Tat ist auf der Internetseite der Stadt über Kunst im öffentlichen Raum genau das zu lesen. „Die Stadt hat ohne meine Zustimmung bereits vor Jahren meine Arbeit so verändert, dass sie nicht mehr viel mit meiner Idee und meiner künstlerischen Umsetzung zu tun hat“, sagt Susanne Windelen verärgert. Sie blickt zurück in die 1990er Jahre: „Ich habe damals in Duisburg gelebt und für diese Arbeit vor Ort recherchiert, um zu entscheiden, welche Idee ich realisieren wollte Die gestrandeten Boote in der industriellen Hafenumgebung einer Stadt, die sich gerade mitten im Strukturwandel befand, gefiel mir sehr gut. Die Boote sind aus pigmentiertem Beton gegossen , „und sollen deshalb natürlich nicht überstrichen werden. Die blasse Farbigkeit steht für verblassende Erinnerungen“. Gegen eine behutsame Reinigung des Kunstwerk spreche aber nichts. Die Idee der Installation sei es, dass die Kanus wie gestrandet oder kurz liegengelassen aussehen. Im Winter verschwinden sie mit dem Ansteigen der Ruhr und tauchen im Frühjahr wieder auf. „Es war eine poetische Arbeit, die mit der Vorstellung umgeht, dass sich Erinnerungen und Gebrauchsspuren der Boote in das Außen der gegossenen Körpern übertragen.“
Künstlerin rügt Reparatur an Boot
Allerdings habe die Stadt eigenständig einen Schaden an der Bootsspitze erneuert. „Das sieht schäbig aus und wäre von mir so nicht genehmigt worden.“ Die Stadt betont allerdings, dass das Kulturbüro, das für Kunst im öffentlichen Raum zuständig ist, stets Rücksprache mit den Künstlern halte – sofern möglich.
Horst Jendrossek kannte die Auseinandersetzung zwischen Stadt und Künstlerin nicht. Er hat nur einen Wunsch: Es sollte etwas getan werden. Bei einer Hafenrundfahrt habe sich der Kapitän nämlich neulich über die „gammeligen“ Boote lustig gemacht.
Stadt betreut mehrere hundert Kunstwerke
Kunstwerke im öffentlichen Raum werden vom Kulturbüro der Stadt Duisburg betreut. „Die Bewirtschaftung umfasst mehrere hundert Skulpturen, soweit diese erfasst sind“, sagt Gabi Priem, Sprecherin der Stadt.
„Bei Kenntnisnahme von Verschmutzungen oder Vandalismus werden Art und Höhe des Schadens festgestellt und unter Einbeziehung des Künstlers die Wiederherstellung in Auftrag gegeben“, heißt es weiter. Im Falle der Boote sind allerdings aktuell keine Vandalismus-Schäden bekannt.