Ein paar Tage behielt Karin Runde ihren Sensationsfund für sich: Denn was die Mitarbeiterin der Dortmunder Universitätsbibliothek beim Archivieren der jüngsten Literatur-Sammlung des US-Politikers George McGovern entdeckt hatte, verschlug ihr kurz die Sprache: Unter den mehr als 4.000 Bänden nordamerikanischer Literatur, die der Amerikanist Walter Grünzweig der Dortmunder Uni schon 2021 überlassen hatte, fand sich in einem Buch eine Widmung des weltberühmten Physikers Albert Einstein aus dem Jahr 1952. „Die Kollegin war sehr nervös und nach Bekanntwerden war die Aufregung hier bei uns natürlich groß“, schildert Alexander Lückel, stellvertretender Leiter von Sammlung und Archiv der TU Dortmund.

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Seit 2021 ist die Uni damit beschäftigt, die jüngste Schenkung zu archivieren und die jeweilige Literatur ins System einzupflegen. Die Widmung des Nobelpreisträgers fand sich demnach in einem recht unscheinbaren Sachbuch, das Grünzweig im Juli 1993 in einer bekannten Antiquariats-Buchhandlung in New York erstanden hatte – für 35 Dollar, wie das noch immer auf der Buch-Innenseite klebende Preisschild zeige. Auf einem Vorsatzblatt der Bandes „Socialism and American Life” (Sozialismus und amerikanisches Leben) fanden sich die handgeschriebene Worte des Entdeckers der Relativitätstheorie. „Walter Grünzweig hatte ursprünglich eine Lehrveranstaltung zum Thema Sozialismus in den USA anbieten wollen. Das kam jedoch nicht zustande und in das Buch schaute er danach nicht mehr hinein“, schlussfolgert Lückel.

Einsteins Zeilen waren an seinen Freund und späteren Nachlassverwalter Otto Nathan gerichtet. Nach Uni-Angaben lautet die Widmung: „Dem lieben Otto Nathan / Dem Freund und Heiligen / Dies Buch über die Irrfahrten seiner Kollegen. A. Einstein 1952.” Nathan, ein deutsch-amerikanischer Wirtschaftswissenschaftler (1893–1987), sei nach 1933 in die USA emigriert und habe bis 1935 in Princeton (New Jersey) gelehrt, wo er Einstein kennenlernte. Auch Einstein hatte Deutschland nach der Nazi-Machtergreifung verlassen und forschte in den USA. 

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Ist die Widmung denn wirklich echt?

Da Grünzweig, emeritierter Professor für amerikanische Literatur und Kultur an der TU Dortmund, Tagebuch führt, konnte er den Kauf des Buches genau zurückverfolgen. An der Echtheit der Widmung gibt es keine Zweifel: „Wir haben ,unsere‘ Widmung mit verschiedenen digital zur Verfügung stehenden Widmungen, Eintragungen und Autographen Einsteins verglichen und können sie anhand dessen klar als Original bewerten”, so die Leiterin des Universitätsarchivs, Stephanie Marra. Es soll sich um das einzige bislang bekannte Buch handeln, „dass Otto Nathan von Albert Einstein mit einer Widmung erhalten hat”, hieß es weiter.

Die Uni-Bibliothek freut sich über einen Überraschungsfund. (Handout)
Die Uni-Bibliothek freut sich über einen Überraschungsfund. (Handout) © TU Dortmund/dpa | Martina Hengesbach

Wer die Einstein-Widmung sehen möchte, hat zum Beispiel am Donnerstag, 18. Juni, Gelegenheit dazu: Dann stellt Grünzweig selbst die McGovern-Sammlung vor, aus ausgewählten Büchern wird gelesen. Anschließend erläutert Stephanie Marra den Fund der rätselhaften Einstein-Widmung. Die Veranstaltung ist Teil eines umfangreichen Programms aus Ausstellungen, Konzerten und Lesungen, das TU und Stadt Dortmund zum 250. Jahrestag der USA aufgelegt haben. mit dpa

Beginn ist um 18 Uhr in der Bibliothek der TU Dortmund, Emil-Figge-Straße 50. Die Lesung findet auf Deutsch statt und ist kostenlos. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, der Eintritt ist frei.