Wer in diesem Viertel Gemeinschaft sucht, braucht kein Ticket, muss nichts konsumieren, sondern einfach nur vorbeischauen: im Nachbarschaftstreff Unionsalon. Der offene Raum liegt an der Siegfriedstraße im Unionviertel. Seit zweieinhalb Jahren löst er dort ein zentrales Problem.
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Wohnzimmer-Feeling im Dortmunder Unionviertel
„Uns ist aufgefallen, dass es hier ganz viele kleine Wohnungen gibt. Also gibt es auch ganz viel Vereinsamung“, erzählt Kim Deutschmann. Die 25-Jährige arbeitet eigentlich in einer Werkstatt für Menschen mit Assistenzbedarf – engagiert sich aber ehrenamtlich im Salon.

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„Unser Ziel war es, die Anonymität hier im Viertel abzubauen, ohne dass eine Konsumpflicht herrscht. Niemand muss hier etwas dazugeben. Jeder kann geben, was er möchte.“ Hinter dem Salon steht ein gemeinnütziger Verein, die Finanzierung läuft ausschließlich über Spenden. Insgesamt 25 Ehrenamtliche sind hier aktiv.

Jahre nach der Eröffnung hat sich der Unionsalon genau nach Plan entwickelt. Hier gibt es nun regelmäßige Veranstaltungen wie das Union-Quiz, einen Brettspieltag, Lauf- und Mädchentreff. „Das Projekt ist sehr partizipativ: Wenn du jetzt Lust auf gemeinsames Singen hast, kannst du schauen, wann der Raum frei ist, und selbst das Event veranstalten“, sagt Kim, die selbst direkt neben dem Salon wohnt. Von Nachbarn für Nachbarn. Die Grundvoraussetzung: Es muss kostenlos sein, damit es für möglichst viele Dortmunder zugänglich ist.
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Mit den großen Teppichen, warmen Farben und gemütlichen Sitzecken kann der Salon zu Recht von sich behaupten, einen „Wohnzimmercharakter“ zu haben. „Wir haben hier keinen Anspruch an die Leute und es ist irgendwie selbstverständlich und natürlich, dass Gespräche und Verbindungen entstehen. Ein wenig so, wie wenn man jemanden besucht und dort ins Wohnzimmer kommt. Zumindest ist das unser Ziel.“

„Man braucht einen Ort, an dem man zusammenkommen kann“
„Mir fällt das jetzt auf Festen auf, wie viele Leute man kennt und wie viele sich auch mittlerweile untereinander kennen.“ Für die 25-Jährige sei es sehr schön zu sehen. Schließlich sei das Unionviertel kein reiches Viertel. Preise, Unzufriedenheit und Ängste würden hier gleichzeitig auch steigen. „Gerade dann, wenn man das Gefühl hat, man wird von der Politik nicht aufgefangen, dann wird Selbstorganisation und Selbsthilfe umso wichtiger.“
Doch vielen gelingt das nicht im eigenen Umfeld. Oft auch, weil es ein solches Umfeld nicht gibt. „Man braucht einen Ort, an dem man zusammenkommen kann, wo man sich über Probleme austauschen kann. Einen Ort zum Vernetzen“, ergänzt Kim. Die gegenseitige Hilfe, das Miteinander – das funktioniere im Unionsalon, in dem natürlich nicht nur Nachbarn aus dem Viertel willkommen seien.

„Wir haben schon Leute, die regelmäßig kommen, die ein paar Straßen weiter wohnen. Aber wir machen keine Ausweiskontrolle, es gibt kein Kriterium, um hier dazuzugehören.“ Viele Leute seien bereits aus anderen Vierteln gekommen, weil ein solcher Ort in ihrer Nähe fehlt.
Kim erinnert sich an einen „Stammgast“, der leider vor Kurzem verstarb. „Er war schon über 70 und hat im Alter das Kuchenbacken als Hobby für sich entdeckt. Jeden Freitag ist er mit selbstgebackenen Kuchen aus dem Kreuzviertel hergekommen“, schwelgt sie in Erinnerungen. „Er war ein ganz toller Mensch.“
Femizid erschüttert die Nachbarschaft – der Salon fängt sie auf
Der Salon mit der auffällig strahlend blauen Holzfassade liegt direkt an einem Spielplatz. Auch im Inneren warten eine Spielecke mit Buntstiften und eine Spielküche. „Uns ist es unfassbar wichtig, dass wir familienfreundlich sind“, erzählt Kim. „Weil gerade unter den steigenden Problemen und Preisen Familien noch einmal besonders leiden und gerade dann ist es besonders schwer, ein Angebot zu finden, was man sich als Familie noch leisten kann …“

Für Frauen gibt es zudem ein besonderes Angebot: den Raum „Lyra“. „Wir wollten gerne einen Raum haben, wo wir als Frauen zusammenkommen können. Es ist einfach ein anderes Miteinander und erfordert eine andere Art von Selbstorganisation unter Frauen.“ Zum Mädchentreff kommen viele Jüngere aus der Nachbarschaft, die so ein anderes Miteinander erleben, wenn sie mal nicht nur in Kontakt mit ihren Brüdern sind. Auch ein Frauenfrühstück gibt es.
Einmal im Monat gibt es im Unionsalon eine Gesprächsrunde für Frauen, die von Gewalt betroffen sind. „Für die Frauen möchten wir einen sicheren Raum schaffen. Auch wenn wir uns schwer tun mit dem Begriff ‚Safe Space‘. Es klingt immer wie eine Garantie, die wir aber nicht gewährleisten können.“
Dann erzählt Kim mit melancholischer Stimme: „Vor anderthalb Jahren gab es hier in der Straße einen Femizid. Sarah wurde von ihrem Ex-Mann ermordet.“ Das habe die Frauen im Viertel umso mehr beschäftigt. „Wir haben dann ein Bündnis gegründet und diesen Prozess begleitet, waren im engen Austausch mit der Familie.“ Der Unionsalon organisierte Kundgebungen, Gedenkveranstaltungen und Gesprächsrunden. „Für uns war es schön, dass wir gemerkt haben: Wir können gemeinsam etwas bewegen.“
Aktuelle Informationen zu Veranstaltungen und Öffnungszeiten gibt es auf der Website des Unionsalons.





