Die Fahrer und Fahrerinnen von Lieferando in Dortmund haben am Dienstagmittag (5.8.) ihre Arbeit niedergelegt. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) hat sie zu einem dreitägigen Streik aufgerufen. Wer sich also in den kommenden Tagen sein Essen über den beliebten Lieferdienst nach Hause oder ins Büro bringen lassen will, der wird vermutlich lange warten.

Zum Auftakt gegen 12 Uhr ist Gewerkschaftssekretär Samir Boudih zufrieden. Er geht von etwa 50 Teilnehmenden aus. „Die Schicht, die eigentlich jetzt anfangen würde zu arbeiten, müsste komplett lahmgelegt sein.“ Damit wollen NGG und die sogenannten Rider, die Essensauslieferer bei Lieferando, Druck auf das Unternehmen machen. Die Streikenden ziehen von der Geschwister-Scholl-Straße bis vors Fußballmuseum, legen dabei zeitweise den Verkehr auf einem Teil des Walls lahm.

Lieferando-Streik in Dortmund, 5.8.2025. Im Bild Gewerkschaftssekretär Samir Boudih
Gewerkschaftssekretär Samir Boudih beim Streik der Lieferando-Beschäftigten in Dortmund am Dienstag (5.8.). Es geht um einen Tarifvertrag und drohenden Stellenabbau. © heske | Stephanie Heske

Gewerkschaft: Lieferando stelle „sich tot“

Seit Jahren fordert die Gewerkschaft einen Tarifvertrag für die rund 9000 Beschäftigten in Deutschland. Doch das Unternehmen „stelle sich tot“, so Boudih. Der Lieferando-Mutterkonzern „Just Eat Takeaway“ habe sich bislang noch bei jeder Anfrage „weggeduckt“.

„Wir brauchen definitiv mehr Lohn“, sagt Imran Topouz, der seit fünf Jahren für Lieferando Essen an die Haustür bringt. Mit dem, was man aktuell verdiene, komme man kaum über die Runden. 15 Euro Mindestlohn fordert die NGG deshalb unter anderem.

Order-Boni fallen für Fahrer weg

Eine Tarifvereinbarung eilt auch deshalb, weil ab diesem Monat sogenannte „Order-Boni“ wegfallen sollen, die den Kraftfahrern bislang mehrere Hundert Euro im Monat einbrachten. Also den Auslieferern, die mit Auto statt Fahrrad unterwegs sind. Das betrifft laut Gewerkschaft etwas weniger als die Hälfte der Kuriere. Aus einem Bundestagsgutachten geht hervor, dass diese Boni zu riskantem Verhalten im Straßenverkehr verleiten. 

Lieferando-Streik in Dortmund, 5.8.2025. Hussam Refayi (li.) und Safe Aljayari sind Rider bei dem Essenslieferdienst.
Lieferando-Streik in Dortmund, 5.8.2025. Hussam Refayi (li.) und Safe Aljayari sind Rider bei dem Essenslieferdienst. © heske | Stephanie Heske

Zwei, die auf diese Zusatzzahlungen angewiesen sind, sind Safee Aljayari und Hussam Refayi. Beide arbeiten seit zwei Jahren für Lieferando in Dortmund. Bislang habe er meist 300 bis 400 Euro im Monat durch die Boni zusätzlich verdient, sagt Aljayari. „Das ist meine halbe Monatsmiete.“ Und die, so der 42-Jährige, sei zuletzt auch noch erhöht worden.

Angst um Jobs geht auch in Dortmund um

Die beiden haben auch Angst um ihre Jobs. Denn Lieferando hat Mitte Juli verkündet, bis Jahresende rund 2000 Vollzeitstellen in Deutschland streichen zu wollen. Der Lieferdienst will seine eigene Flotte samt festangestellter Fahrer abbauen und künftig verstärkt auf Subunternehmer setzen. Es fühle sich an, als würde der Arbeitgeber ihn „einfach wegschmeißen“, ärgert sich Aljayari. „Das geht doch so nicht!“

+++ WochenDOsis – hier der WAZ Dortmund auf Facebook, Instagram und TikTok folgen +++

Die NGG fordert deshalb nun auch Verhandlungen über einen flächendeckenden Sozialtarifvertrag für die vom Personalabbau betroffenen Mitarbeitenden. Denn nur an den wenigstens Standorten gebe es einen Betriebsrat, so die Gewerkschaft. Gleichzeitig kritisiert die NGG den Aufbau eben jener „Schattenflotte“ und fordert Lieferando auf, jede Fremdvergabe an Dienstleistungsunternehmen sofort zu stoppen.

500 Arbeitsplätze in Berlin abgebaut

Nach Angaben der Gewerkschaft würden Beschäftigte schon seit Monaten davon berichten, dass das Unternehmen verstärkt auf Dienstleister wie „Fleetlery“ setze. Allein in Berlin seien in den letzten Monaten rund 500 Arbeitsplätze abgebaut worden. Oftmals würden die gekündigten Beschäftigten zeitnah durch die Subunternehmen kontaktiert. Ihnen werde ein neuer Vertrag angeboten, jedoch zu deutlich schlechteren Konditionen, teilt die NGG mit.

Wir wollen uns mit euch austauschen! Du willst dabei sein? Dann tritt hier unserer Community bei. (Hinweis: Bei WhatsApp gelten die Datenschutzbestimmungen von WhatsApp)

In Dortmund sind nach Gewerkschaftsangaben derzeit 140 Männer und Frauen bei Lieferando angestellt. Wie viele von ihnen sich in den kommenden Schichten am Streik beteiligen werden, ist unklar. „Wir haben die Hoffnung, eine möglichst große Wunde zu reißen“, sagt Corinna Abel von der NGG. Streikende ist Freitag, 11 Uhr.

+++ Mehr Nachrichten aus Dortmund lesen Sie hier +++