Tagelang hielt das Raubtier die Anwohner im norddeutschen Reinbek (Kreis Stormarn) in Atem: Ein Serval war aus einem privaten Gehege ausgebüxt und streifte durch die Gärten. Kein Einzelfall, wie zwei Neuzugänge im Dortmunder Zoo zeigen.
Mit ihren langen Beinen und großen Ohren sind Servale eigentlich auf die Jagd im hohen Gras der afrikanischen Savanne spezialisiert. Ihre Instinkte konnten auch Dera und Komani vermutlich noch nie ausleben. Die beiden weiblichen Wildkatzen wurden als Haustiere gehalten, ehe sie in die Obhut von „Animal Advocacy and Protection“ (AAP Deutschland) gegeben wurden.
Tierschützer warnen: Servale sind keine Haustiere
Die Tierschutzorganisation brachte sie zunächst in einer Auffangstation in den Niederlanden unter. Kürzlich konnten sie nun nach Dortmund umziehen und leben im Serval-Gehege hinter der großen Afrika-Anlage.
„Leider landen immer wieder Servale aus furchtbaren Haltungsbedingungen bei uns. Die Vermittlung ist dann oft echt problematisch“, schreibt die Organisation unter einem Facebook-Post des Dortmunder Zoos: „In den meisten Fällen führt die Haltung zu Problemen für die Tiere und/oder die Besitzer. Servale sind nicht domestiziert, brauchen sehr viel Auslauf und zeigen in Gefangenschaft mitunter irrationale Aggressivität. Natürlich sind Servale unheimlich schön, aber als Haustiere sind sie leider nicht geeignet.“
Die Raubkatzen werden bis zu 18 Kilogramm schwer, jagen in freier Wildbahn mehrere Stunden täglich, markieren und verteidigen dort ein Revier von mehr als sechs Quadratkilometern. In geschlossenen Räumen kann das dazu führen, dass die Tiere die Wohnungseinrichtung zerlegen, andere Haustiere töten, wildpinkeln und ihre Halter v.a. bei der Futtergabe als Konkurrenten betrachten, der bezwungen werden muss.
+++ WochenDOsis – hier der WAZ Dortmund auf Facebook, Instagram und TikTok folgen +++
„Ernsthafte Verletzungsgefahr“ für Tierhalter
In den Sozialen Netzwerken häufen sich Accounts, die das vermeintlich harmonische Leben mit verschmusten Serval-Katzen in Wohnräumen zeigen. Doch der Schein trügt, wie die APP auf ihrer Webseite ausführt: „Servale agieren nachweislich unvorhersehbar in Gefangenschaft. Sie können Menschen schwer verletzen und mit hochriskanten Krankheiten infizieren. Zusätzlich stellen sie hohe Ansprüche an Ernährung, Unterbringung und Temperatur, die nicht erfüllt werden.“ Das liegt nicht zuletzt an explodierenden Kosten: Eine Serval kostet beim Züchter bis zu 8000 Euro, verursacht durch ihre Ansprüche zudem enorme Folge- und Pflegekosten.
Beliebt bei „Petfluencern“ sind zudem Hybrid-Züchtungen, wie die sogenannten Savannah-Katzen. Diese entstehen durch die Kreuzung von Servalen und Hauskatzen und werden mit bis zu 15.000 Euro pro Tier gehandelt. Je nach Verwandtschaftsgrad zum Wildtier, erben diese jedoch nicht nur das schöne, gepunktete Fell, sondern auch für die Heimhaltung problematische Verhaltensweisen.
Mehr aus Dortmund
- Bittere Pille für Anwohner: Wut und Tränen wegen Drogenraum
- „Viel Schrott dabei“: Familien auf der verzweifelten Suche nach einem Haus
- Bank-Experte rät: So finde ich das passende Eigenheim in Dortmund
- „DOppelt schmeckt besser“: Das „Nansen“ im Check
- Parteiausschluss von Helferich: Was heißt das für den Dortmunder Rat?
Ist die Haltung von Servalen und Savannahs in Deutschland legal?
In Bayern und Hessen ist die Haltung von Servalen komplett verboten. In den übrigen Bundesländern muss diese erst vom Veterinäramt genehmigt werden. Den Katzen muss dafür ein mindestens 50 Quadratmeter großes Außengehege zur Verfügung stehen, außerdem eine Schwimmmöglichkeit. Auch für Savannahs gelten besondere Bestimmungen, sofern nicht mindestens vier Generationen zwischen der Züchtung und der reinrassigen Serval liegen.