Vonovia-Chef Luka Mucic ist gerade einmal zehn Monate im Amt, da muss er bereits die erste Gewinnwarnung herausgeben. Die Begründung überrascht: Der Bochumer Dax-Konzern leidet nicht nur unter hohen Zinsen, sondern auch unter weniger stark steigenden Mieten. Das bestätigen auch Zahlen von Wirtschaftsforschern.

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Am Mittwoch, 4. November, will Vonovia eine Zwischenbilanz für die ersten neun Monate ziehen. Die Zahlen sind offenbar etwas schlechter ausgefallen als erwartet. Deshalb sah sich der Vorstand am späten Mittwochabend gezwungen, seine Prognose für das Gesamtjahr zu „präzisieren“. Das Unternehmen erwartet nun, dass das Ergebnis vor Abzug von Zinsen, Steuern und Abschreibungen (adjusted Ebitda) „in der unteren Hälfte“ der Spanne von 2,95 bis 3,05 Milliarden Euro liegen werde.
Hohe Zinsen bremsen Wohnungsverkäufe
Vonovia-Chef Mucic bemüht sich, ein beruhigendes Signal an die Adresse seiner Aktionäre zu senden. „Das operative Kerngeschäft von Vonovia bleibt stabil“, betont er und listet die Gründe auf, die seine Geschäfte belasteten - an erster Stelle die hohen Zinsen. Mucic hat sich zum Ziel gesetzt, die hohe Verschuldung von Vonovia herunterzufahren. Dafür will er unter anderem größere Wohnungsbestände verkaufen. Angesichts der hohen Zinsen zeigten die Transaktionsmärkte aber nur „begrenzte Anzeichen einer Erholung“, teilt Vonovia mit. Soll heißen: Aktuell bringen Verkäufe wenig ein.
Die hohen Finanzierungs- und Baukosten haben aber auch Einfluss auf den Neubau von Wohnungen, den Vonovia gerade erst wieder hochgefahren hatte. Nun will das Unternehmen seine Investitionen in Wohngebäude, die es nach Fertigstellung behalten will, wieder kürzen. Konkrete Zahlen werden nicht genannt. Das Geld soll stattdessen in den Wohnungsbestand fließen. „Vonovia wird gezielte Investitionen fortsetzen, die die Qualität der Immobilien sichern, die Dekarbonisierung voranbringen und die operative Leistungsfähigkeit unterstützen. Zugleich werden Tempo und Zusammensetzung der Investitionen an die jeweiligen Marktbedingungen angepasst“, kündigt der Dax-Konzern an.
IW: Mieten in Essen und Dortmund stagnieren
Was für Mieterinnen und Mieter eine gute Nachricht ist, bringt die Kalkulation des größten deutschen Vermieters ins Wanken: Vonovia kann im laufenden Jahr nur noch einem organischen Mietwachstum von rund 3,8 Prozent rechnen. Bislang war der Vorstand von 4,0 Prozent ausgegangen. Als Gründe nennt der Dax-Konzern insbesondere „eine etwas weniger dynamische Entwicklung von Mietspiegeln“, die in den Städten Obergrenzen bei Mieterhöhungen festlegen.
Den Trend bestätigt auch das arbeitgebernahe Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) in seinem „Wohnindex“ für das dritte Quartal. Danach stiegen die Angebotsmieten in den untersuchten zehn größten deutschen Städten, in denen auch Vonovia stark vertreten ist, gemessen am Vorjahr „deutlich“. Im Vergleich zum zweiten Quartal fanden die Forscher aber heraus, dass die Neuvertragsmieten in Essen, Dortmund und Frankfurt am Main stagnierten, in Leipzig und Köln sogar gesunken seien. „Kräftige Zuwächse“ seien mit plus 2,7 und 2,2 Prozent allein in Hamburg und Stuttgart zu messen gewesen.
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Das IW spricht von einem „bemerkenswerten Trend“. Vor allem „die sehr hochpreisigen Standorte – mit Ausnahme von Hamburg - weisen im Vergleich geringere Mietzuwächse aus“.




