Der Bochumer Johannes Happel, der mit einer Flotille in Richtung Gaza unterwegs und vom israelischen Militär festgenommen wurde, ist wieder in Deutschland gelandet. Das geht aus einer Videobotschaft auf Instagram hervor, die auf dem deutschen Kanal der Flotille gepostet wurde. Etwa 72 Stunden hatte das israelische Militär ihn festgehalten. Happel war Teil der „Global Sumud Flotilla“ – einem Zusammenschluss aus Aktivisten, die mit mehr als 50 Schiffen in Richtung Gaza unterwegs waren. Sie wollten nach eigenen Angaben humanitäre Güter abliefern.

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Das israelische Militär stoppte die Boote vor der Ankunft in Gaza und nahm die Besatzungsmitglieder, darunter Happel, fest. Die Mitglieder wurden mittlerweile, dies hat die israelische Regierung bestätigt, abgeschoben.

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Bochumer Aktivist am Düsseldorfer Flughafen gelandet

Inzwischen ist der Bochumer wieder in Deutschland gelandet. Laut dem deutschen Instagram-Kanal der Flotille ist Happel am Flughafen Düsseldorf angekommen und empfangen worden. „Das waren aufregende sechs Wochen“, sagt er in der Aufnahme. „Gerade die 72 Stunden in israelischer Geiselhaft waren sehr anstrengend und sehr fordernd.“ Happel spricht von einem unglaublichem „Unrechtssystem“. Der Umgang habe nichts mit Menschenwürde zu tun.

„Ich hatte das Glück zu wissen, durch meine deutsche Staatsangehörigkeit ist das temporär. Also ich wusste, alles, was da so vor sich geht, ich komme wieder raus“, sagt Happel. „Diese Gewissheit hat mich da durchgebracht.“ Ihn schmerze vor allem, die Vorstellung, dass tausende palästinensische Geiseln, unter denen auch Kinder sein sollen, ebenfalls entführt worden sein sollen.

„Ohne Rechtsstaatsystem, ohne Richter, einfach irgendwo weggepflückt und reingesperrt und die wissen, nicht, ob sie morgen rauskommen, ob sie ihr Leben da drin verbringen. Dieser Gedanke, der ekelt mich an“, heißt es weiter. Gleichzeitig sei er „unheimlich froh“, wieder in Deutschland zu sein. Er bedankt sich für die Unterstützung.

Nach der Haft meldet sich Bochumer in erster Videobotschaft zu Wort

In einer ersten Videobotschaft, ebenfalls auf dem deutschen Instagram-Kanal der Flotille, drei Tage zuvor, sagt er nach der Haft: „Mir geht es gut, den Umständen entsprechend.“ Er ergänzt: „Das waren die härtesten 72 Stunden, die ich in meinem Leben durchmachen musste.“ Und weiter: „Wir hatten Nahrung an Bord, keine Waffen. Dann hast du diese bewaffneten Kommandos, die dein Boot stürmen.“

Die kurze Zeit im Gefängnis sei hart gewesen. „Wir wurden misshandelt, wir wurden geschlagen, meine Sachen wurden gestohlen. Wir wurden gefoltert“, sagt Happel. Im zweiten Video am Düsseldorfer Flughafen sagt er das erneut.

Unabhängig überprüfen lassen sich seine Angaben nicht.

Allerdings hat ein Video internationale Kritik hervorgerufen. Es zeigt den israelischen Sicherheitsminister Itamar Ben-Gvir, wie er eine israelische Flagge schwenkt – das alles zwischen den gefesselten und knienden Flottille-Aktivisten. Die Bundesregierung verurteilt Ben-Gvirs Verhalten als inakzeptabel.

Happel vor der Fahrt nach Gaza: „Wusste worauf ich mich einlasse“

Das Auswärtige Amt gibt auf Nachfrage keine Auskunft über einzelne Personen. Aus dem Amt ist nur zu hören, dass sich eine niedrig zweistellige Zahl deutscher Staatsangehöriger, die Teil der Flottille waren, in Gewahrsam israelischer Behörden befand.

Diese Redaktion hat versucht, Johannes Happel zu kontaktieren. Bislang ohne Erfolg. Vor zwei Wochen hat er bereits mit der WAZ gesprochen, damals befand er sich auf dem Boot kurz vor der griechischen Insel Kreta. „Ich wusste, worauf ich mich einlasse“, sagte er da.

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Zur „Global Sumud Flotilla“ gehören Aktivistinnen und Aktivisten aus über 80 Nationen, so heißt es. Mit ihren Booten wollen sie nach eigenen Angaben die israelische Seeblockade des Gazastreifens durchbrechen. Israel nennt das eine Provokation, die Aktivisten halten die Blockade für völkerrechtswidrig.