Das Gefühl kennt wohl jeder: Die Currywurst war zu scharf, der Wein zu sauer oder die Pommes zu fettig – und schon kommt einem sprichwörtlich die Galle hoch. Sodbrennen, Aufstoßen, ein unangenehmes Brennen in der Brust. Was viele als lästiges Ärgernis nach dem Essen abtun, ist für Millionen Menschen Alltag. Und kann im Zweifel richtig gefährlich werden.

Bochum: WAZ-Medizinforum: Wenn die Röhre brennt – Sodbrennen und Refluxerkrankungen
Standen beim WAZ-Medizinforum zum Thema Sodbrennen Rede und Antwort: Prof. Ali Canbay, Priv.-Doz. Oliver Götze und Prof. Andreas Schnitzbauer (von links).© FUNKE Foto Services | Uwe Ernst

Doch wie erkennt man, was dahintersteckt, wenn die Magensäure einfach nicht unten bleiben will, und welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es? Darüber klärten die Experten Dr. Oliver Götze und Prof. Andreas Schnitzbauer beim WAZ-Medizinforum in der prall gefüllten Cafeteria des Knappschaftskrankenhauses in Bochum-Langendreer auf.

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Eine eindeutige Diagnose ist oft schwierig

„Dass man ab und an mal Sodbrennen hat, ist völlig normal“, stellte Götze gleich zu Beginn seines Vortrags klar. „Wenn es aber häufiger vorkommt, ist es gar nicht so leicht, herauszufinden, woran das liegt.“ Götze muss es wissen. Er ist stellvertretender Klinikdirektor und im Knappschaftskrankenhaus ausgewiesener Fachmann für Magen-Darm-Erkrankungen. Zwar gebe es bestimmte Alarmsignale – etwa Schluckbeschwerden, ungewollten Gewichtsverlust oder häufiges Erbrechen –, die auf eine ernste Erkrankung hindeuten und unbedingt abgeklärt werden müssten. Dennoch sei eine handfeste Diagnose oft knifflig.

Dass man ab und an mal Sodbrennen hat, ist völlig normal. Wenn es aber häufiger vorkommt, ist es gar nicht so leicht, herauszufinden, woran das liegt.

Bochum: WAZ-Medizinforum: Wenn die Röhre brennt – Sodbrennen und Refluxerkrankungen
Priv.-Doz. Oliver Götze

„Bei vielen Patienten zeigen die typischen Untersuchungen von Magen und Speiseröhre einfach keine Schäden. Man findet nichts“, so Götze. Kein Wunder. Schließlich seien die möglichen Ursachen für das Sodbrennen vielfältig. Neben den üblichen Verdächtigen wie falscher Ernährung, Rauchen oder Übergewicht könnten etwa auch ein Reizmagen oder eine Allergie für das häufige Aufstoßen verantwortlich sein.

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Viele Ärzte würden dann einfach zu Säureblockern oder Magenschutzmitteln greifen, ohne dass es den Patienten etwas bringt. Die möglichen Folgen: Schäden an Speiseröhre und Zähnen, Schluckstörungen, chronischer Husten und im schlimmsten Falle Krebs. „Man darf auch nicht die Kosten aus dem Blick verlieren, die durch häufige Arztbesuche, überflüssige Untersuchungen und falsche Medikamente entstehen“, sagt Götze.

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Daher setze man im Knappschaftskrankenhaus bei unklaren Fällen auch auf eine sogenannte Manometrie. „Das ist ein Verfahren, bei dem wir der Speiseröhre mithilfe einer Sonde bei der Arbeit zusehen können. Die Patienten schlucken etwas und wir schauen, wie sich das Organ verhält. So können wir feststellen, ob an irgendeiner Stelle eine Funktionsstörung vorliegt“, erklärt der Mediziner. „Die Speiseröhre wird bei den normalen Untersuchungen nämlich häufig vernachlässigt.“

Bochum: WAZ-Medizinforum: Wenn die Röhre brennt – Sodbrennen und Refluxerkrankungen
Die Cafeteria des Krankenhauses in Langendreer war beim ersten WAZ-Medizinforum des Jahres 2026 gut gefüllt.© FUNKE Foto Services | Uwe Ernst

Experte aus Bochum über Sodbrennen: Bis zu 40 Prozent der Menschen betroffen

Wie wichtig die richtige Diagnose ist, weiß auch Götzes Kollege Andreas Schnitzbauer. Er ist Leiter der Chirurgie am Knappschaftskrankenhaus und wird gerufen, wenn Medikamente nicht mehr weiterhelfen. „Das ist manchmal wie ein Krimi, weil so oft unklar ist, was die eigentliche Ursache für die Probleme ist“, sagt er.

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Trotzdem gab er gleich am Anfang seines Vortrags Entwarnung. „Es leiden zwar zwischen zehn und zwanzig Prozent der Menschen an chronischem Sodbrennen, aber nur in extrem seltenen Fällen führt das zu einer ernsthaften Erkrankung wie Krebs“, sagt er. Dennoch handele es sich bei den Beschwerden klar um ein gesellschaftliches Problem. „Bis zu 40 Prozent der Bevölkerung haben damit zu kämpfen.“

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Von den chirurgischen Methoden, um das nervige Aufstoßen loszuwerden, sei die sogenannte Fundoplicatio heutzutage der Goldstandard. Dabei werde ein Teil des Magens wie eine Manschette um die Speiseröhre gelegt, um diese zu verengen und so den Säurefluss nach oben zu verhindern. „Das läuft bei uns alles minimalinvasiv ab, sodass die Patienten nach der OP wieder möglichst schnell auf die Beine kommen“, erklärt Schnitzbauer. „Bei Speiseröhrenkrebs setzen wir auch einen Roboter ein, mit dem wir noch schonender und präziser arbeiten können.“

Dennoch sei es wichtig, dass Patienten sich vor einer Operation unbedingt eine zweite Meinung einholen und sich über Alternativen aufklären lassen. „Glauben Sie mir, am Ende ist es immer besser, wenn man den Chirurgen erst gar nicht braucht“, so der Experte.