Drei Mini-Alben (EPs genannt) mit wenig mehr als 20 Songs hat Zartmann seit 2022 veröffentlicht. Das darf als überschaubar gelten, reichte jedoch, um dem Berliner den Weg zu einem der erfolgreichsten Sänger unserer Zeit zu ebnen. Dabei ist „Zarti“, wie er sich selbst nennt, auch auf der Bühne zum Bestseller avanciert: 5000 Fans füllten am Mittwochabend den Bochumer Ruhrcongress.

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Lockenpracht, Melancholie im Blick, Emotionen in der tiefen Stimme, Songs von Sehnsucht und Alltagsflucht, Liebesleid und Lebenslust: Irgendwo zwischen Annen May Kantereit, Cro und Philipp Poisel lässt sich Zartmann (der es als Künstler bei seinem Nachnamen belässt) verorten. Die Gen Z hat ihn binnen zwei Jahren zum Topstar erkoren. Drei 1Live-Kronen, ein Bambi, 140 Millionen Streams bei Spotify mit der Nummer-1-Single „Tau mich auf“, Charts-Spitze mit der dritten EP „Schönhauser“, gemeinsamer Auftritt mit Ed Sheeran in Stuttgart: Mehr geht kaum.

Zartmann bezieht klar Stellung gegen die AfD

Live war Zartmann noch 2024 im Vorprogramm der Dresdner Rapper 01099 unterwegs. In diesem Frühjahr ist er der Topact. Für seine Tour mit 15 Shows in Deutschland, Österreich und der Schweiz wurden 80.000 Tickets verkauft. Der Ruhrcongress war wie die meisten Hallen seit Monaten ausverkauft.

Diese Texte haben viele Menschen interessiert

Ist Zartmann, der sein Alter geheim hält, mehr als nur eines von ungezählten Internet-Phänomen, temporär auf den Markt geworfen, bevorzugt für Mädels im Teenie-Alter? Der erste Song gibt eine erste Antwort. „Fick die AfD“ prangt zu „Meinen die uns“ in roten Lettern auf dem Vorhang. Er müsse Morddrohungen und Hetze für dieses politische Statement einstecken, sagte Zartmann in einem Interview. Trotzdem, nein: Genau deshalb zeigt er klare Kante und singt (ver)zweifelnd: „Ich frag mich wirklich, wer die wählt.“ 5000 junge Menschen singen beseelt mit. Tut gut in diesen Zeiten.

Zartmann begeistert mit Genre-Vielfalt und mitreißender Show

Musikalisch überzeugt Zartmann als Wanderer zwischen den Welten. Knallharter Rock, eingängiger Pop, Indie, Rap und immer wieder gefühlvolle Balladen: Der Genre-Mix ist bemerkenswert, die Texte treffen den Zeitgeist der U-25-Zielgruppe. Drei Konzert-Höhepunkte entfalten besondere Wucht: „Wie du manchmal fehlst“, ein Titel, der mit Ski Aggu zum Hit wurde, „Dafür bin ich frei“, produziert mit Bausa, und – natürlich – „Tau mich auf“, den sich Zartmann für die erste von drei Zugaben aufhebt.

100 Minuten dauern die vom Publikum hymnisch gefeierten Zarti-Festspiele samt spektakulärer Lightshow am Stadionring. Zwei Lieder intoniert er in cooler Lederjacke mitten im Publikum, illuminiert von tausenden Handy-Lichtern.

Zartmann setzt auf strikte Bildkontrolle bei Konzerten

Das hätte die WAZ gern gezeigt. Doch externe Fotografen waren (nicht nur) bei der Bochumer Show unerwünscht. Nur genehme Bilder des Tour-Fotografen sollen in den Medien erscheinen. Das zeugt von einer sattsam geölten Marketing-Maschinerie, der sich auch ein Freigeist wie Zartmann offenbar nicht widersetzen kann oder will.

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Das Internet katapultiert Nobodys in kürzester Zeit ganz nach oben. Entsprechend tief ist der Fall. „Es kann morgen vorbei sein“, sinniert Zartmann auf der Bühne im Zwiegespräch mit seinen Bandkollegen. Bodenständigkeit ist gefragt. So lang ist es noch nicht her, dass Zartmann bei seinen Auftritten für jeden Fotografen dankbar gewesen wäre.