Kaum zu glauben, dass es tatsächlich schon 25 Jahre her ist, seit Frank Goosen seinen ersten Roman veröffentlichte. Zuvor vornehmlich als eine Hälfte des Kabarett-Duos Tresenlesen bekannt, katapultierte sich Goosen mit seinem Debüt „Liegen lernen“ (erschienen Ende Januar 2001) in die erste Liga deutschsprachiger Autoren. Zwei Jahre später kam die Geschichte um eine Liebe in Zeiten der Kohl-Ära sogar ins Kino und rührte dort ein Millionenpublikum.

Bochumer Autor Frank Goosen veröffentlicht mit „Lovely Rita“ seinen neuen Roman

„Man denkt immer, das wäre alles gestern passiert, aber das stimmt natürlich nicht“, erinnert sich Goosen. Acht weitere Romane sind dem 59-jährigen Autor in der Zwischenzeit aus der Feder geflossen. Der neueste trägt den Titel „Lovely Rita“ und erscheint am Donnerstag, 12. Februar.

Auch interessant

Der Titel ist clever gewählt: „Lovely Rita“ bezieht sich auf den legendären Song, der jedem Beatles-Fan direkt im Ohr klingelt. Frank Goosen ist bekanntlich einer von ihnen. Doch heißt seine Hauptfigur nur deswegen Rita, um den Beatles-Hit vorn auf dem Buchcover zitieren zu können? „Absolut nicht“, sagt er. „Ich habe ewig nach einem Titel gesucht.“ Auf seinem Computer trug das Buch in der ersten Fassung nur schlicht den Dateinamen „Kneipenroman“.

Goosen lässt mit „Lovely Rita“ die Kneipenkultur aufleben

Die Kneipe als aussterbendes Biotop: Davon erzählt Goosen auf knapp 250 Seiten gewohnt warmherzig und humorvoll. Im fiktiven Haus Himmelreich, in dessen Beschreibung viele Kneipen, die Goosen in seinem Leben besucht hat, eingeflossen sind, kreuzen sich Dutzende kleiner Geschichten.

Kult-Wirtin Elfriede Fey leitet das Haus Fey in Hamme über Jahrzehnte. Hier besuchte Frank Goosen sie für die Dokumentation „Mein Revier“ im WDR.
Kult-Wirtin Elfriede Fey leitet das Haus Fey in Hamme über Jahrzehnte. Hier besuchte Frank Goosen sie für die Dokumentation „Mein Revier“ im WDR.© WDR | Clemens Gersch

Am Tresen dieser typischen Ruhrgebiets-Eckkneipe wird gesoffen, gestritten, gelacht und lamentiert. Die Stammgäste heißen Willi, Käpt’n und der Lange, es geht ums Knobeln, ums Herrengedeck, um die Blume auf dem Pils – und darum, wer die nächste Runde zahlt.

Lesen Sie auch

Was durchaus überrascht: Trotz dieses Settings sind die interessanten Figuren allesamt Frauen, darunter Gastwirtin Gisela, die Gräfin, Chris und Kneipenchefin Rita Urbaniak, die eigentlich mal etwas ganz anderes machen wollte. „Die Herren im Roman sind nicht die hellsten Kerzen auf der Torte“, erzählt Goosen. „Da fand ich es interessant, ihnen eine Reihe zupackender Frauen entgegenzusetzen, die lernen mussten, sich in dieser von Männern dominierten Welt durchzusetzen.“

+++ Aus Bochum, für Bochum! Abonnieren Sie hier „Deep im Westen“, unseren kostenlosen Newsletter aus der Redaktion +++

Warmherziges Loblied auf die Kneipe

Goosens Loblied auf die Kneipe als Schnittpunkt der Gesellschaft besitzt durchaus persönliche Züge. Vor allem in den späten 80er und in den 90er Jahren verbrachte er viel Zeit an diversen Bochumer Tresen. „Mein Vater hat mich als Kind schon mitgenommen“, sagt er. „Danach war ich vor allem im Sportfreund am Ostring. Da war das Publikum bunt gemischt. Es gab das Stammtischpublikum, Leute vom Basketball-Team des VfL, von unserer Schule oder der Jugendgruppe der Propstei. Zum letzten Abend Anfang der Neunziger kamen langjährige Gäste aus ganz Deutschland.“

Tresenlesen beim Zeltfestival Ruhr
Als Kabarett-Duo Tresenlesen sind Jochen Malmsheimer (links) und Frank Goosen nach langer Pause seit 2020 zurück auf den großen Bühnen.© FUNKE Foto Services | Ingo Otto

Im Hinterzimmer des Ahorneck (dem heutigen Absinth) an der Rottstraße traf Goosen sich mit einer Autorengruppe namens „Triebfeder“. Im ehemaligen Fliegenpils in Hamme trat er zusammen mit Jochen Malmsheimer regelmäßig auf.

Täglich (außer Samstag)

Deep im Westen: Jetzt kostenlos anmelden!

Karo, Sarah und Marian bringen Dir am Abend die wichtigsten Bochum-News direkt ins Postfach.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

+++ Abonnieren Sie hier den kostenlosen Kultur-Newsletter aus Bochum! Kultur-Redakteur Sven Westernströer versorgt Sie jeden Donnerstag mit den besten Tipps aus dem Schauspielhaus, dem Musikforum und Co. +++

Die Schließung des Café Ferdinand Ende November verfolgte er mit einigem Schmerz: „Das war eine echte Konstante im Leben vieler Bochumer meiner Generation.“ Erst recht spät entdeckte er durch Hugo Fiege das Haus Fey, das Wirtin Elfriede über Jahrzehnte ebenso resolut wie großherzig führte. Einiges von „Elli“ ist in die Figur der Gisela in „Lovely Rita“ eingeflossen.

Im Intershop bis zum Sonnenaufgang

Und heute? Da sind die typischen Kneipenbesuche weitgehend aus Goosens Leben verschwunden. „Mein letztes Pils hatte ich Anfang Januar, danach gab es einfach keinen Grund mehr.“ Wenn er auf Lesereise durch die Säle der Republik tourt, kehrt er nach den Auftritten allerdings gern noch irgendwo ein.

„Im Vergleich zu den frühen Tresenlesen-Zeiten ist das aber alles harmlos“, sagt er. „Da ging man erst ins Jago oder ins Ferdinand, danach in die Theaterkneipe, weil die bis drei Uhr aufhatte. Und wer dann noch nicht genug hatte, wartete im Intershop auf den Sonnenaufgang.“

Die nächsten Lesetermine

„Lovely Rita“ von Frank Goosen erscheint im Verlag Kiepenheuer & Witsch (256 Seiten, 23 Euro). Die Buchpremiere findet am 25. und 26. Februar jeweils um 19.30 Uhr in den Kammerspielen statt. Beide Termine sind ausverkauft.

Danach geht Frank Goosen mit seinem neuen Roman auf Lesetour. Die nächsten Stationen in der Umgebung: am 5. März in der Kaue (Gelsenkirchen), am 6. März im Stratmanns Theater (Essen), am 28. April im Zakk (Düsseldorf), am 5. Mai im Ebertbad (Oberhausen) sowie am 3. Juni im Bahnhof Langendreer. Alle Termine: frankgoosen.de