Die umstrittenen „Stadtbild“-Aussagen von Bundeskanzler Friedrich Merz sorgen weiter für Aufruhr – auch in Bochum wächst der Protest. Die Linke Bochum hat den CDU-Bundesvorsitzenden nach eigenen Angaben bereits wegen Verdachts auf Volksverhetzung angezeigt. Außerdem rief die Partei unter dem Motto „Bochums Töchter werden laut – das Stadtbild ist bunt“ zu einer Kundgebung auf. Zu dieser fanden sich am späten Sonntagnachmittag rund 250 Menschen am Bochumer Hauptbahnhof ein.

Der Kanzler steht in der Kritik: „Propagandamuster der NS-Zeit“

Auslöser der Empörung war eine Pressekonferenz vor einigen Tagen. Dort hatte Friedrich Merz im Zusammenhang mit Migration erklärt, man habe „im Stadtbild noch dieses Problem“ – und forderte damit eine härtere Abschiebepraxis. Der Vorstand der Bochumer Linken kritisiert das scharf: „Diese Worte stigmatisieren Menschen, die ‚nicht deutsch aussehen‘, und suggerieren, dass ihre bloße Präsenz ein Problem sei. Die Aussage erinnert an Propagandamuster der NS-Zeit. Das ist rassistisch und gefährlich.“

Auch die Fraktionsvorsitzende der Bochumer Linken, Wiebke Köllner, findet deutliche Worte: „Statt rassistische Ressentiments zu bedienen, sollte er endlich seinen Job machen und Verbesserungen für die Bevölkerung liefern, statt zu spalten.“ Mit der Kundgebung wolle Die Linke Bochum ein klares Zeichen gegen die Normalisierung rassistischer Hetze setzen.

Merz‘ Aussagen treffen auf Widerspruch – nicht nur in Bochum

Als Merz später auf Nachfrage erklärte: „Fragen Sie mal Ihre Töchter, was ich damit gemeint haben könnte“, gab es eine erneute Welle der Kritik. Seine Äußerungen führten zu zahlreichen Protesten in deutschen Städten – auch die geplante Kundgebung bezieht sich auf diese Aussage.

Merz habe „eine rote Linie überschritten und mit einem Schlag 25 Millionen Menschen in Deutschland beleidigt“, ist bei der Kundgebung am Sonntag zu hören. „Politische Brandstiftung“ wird ihm von einer Rednerin vorgeworfen.

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Die Resonanz wird von den Linken unterschiedlich bewertet. Wiebke Köllner zeigte sich sehr zufrieden, „ich hatte mit 100 Teilnehmenden gerechnet“. Ralf Lange, der für die Linke in Rat und Bezirksvertretung Ost sitzt, ist eher ein bisschen enttäuscht. „Vielleicht wären es mehr gewesen, wenn ein breites Bündnis aus Parteien und Gruppen zur Kundgebung aufgerufen hätten.“ Das Ganze sei schon etwas kurzfristig gewesen. „Und dann noch an einem nasskalten Sonntagnachmittag.“

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In Bochum kommt der Widerspruch nicht nur von der Linken. Eine Bochumerin trat nach 17 Jahren aus der CDU aus, und der Bundestagsabgeordnete Max Lucks (Grüne) lud den CDU-Chef nach Bochum ein, um ihm das „Stadtbild“ zu zeigen.