Dieser Text erschien zuerst im August 2025.
Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Jugendtrainer eines Bochumer Fußballvereins, der Kinder sexuell missbraucht haben soll. Der Club ist darum bemüht, die Vorfälle aufzuarbeiten und bietet Betroffenen psychologische Hilfe an. Das Ganze wirft aber auch die Frage auf, was Eltern tun sollten, wenn sie den Verdacht haben, dass das eigene Kind sexuelle Übergriffe oder Gewalt erlebt haben könnte? Die Bochumer Kinder- und Jugendpsychotherapeutin Anja Riepelmeyer (40), die in der Kinder- und Jugendklinik im St.-Josef-Hospital arbeitet und früher als Erzieherin gearbeitet hat, gibt Antworten.

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Hinweis der Redaktion: Dieser Text ist im August 2025 erstmals veröffentlicht worden, damals im Kontext mit dem Verdacht auf sexuelle Übergriffe in einer Bochumer Kita. Wegen des aktuellen Vorfalls um den beschuldigten Fußballtrainer haben wird ihn neu aufbereitet.
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Was sind Anzeichen dafür, dass Kinder sexuelle Übergriffe erlebt haben?
Es gebe nicht das eine Anzeichen, das auf Gewalt oder sexuelle Übergriffe hindeutet, erklärt Riepelmeyer. Stattdessen gebe es ein breites Bild von Auffälligkeiten wie zum Beispiel, dass sich das Verhalten des Kindes verändert. Es könne bedrückter wirken, gereizt sein oder aggressiv. Auch Entwicklungsrückschritte würden darauf hindeuten, dass etwas nicht stimmt.
Aber es könne auch in die andere Richtung gehen. „Die Kinder wirken dann über angepasst. Man hat das Gefühl, es läuft zu perfekt, das Kind hält sich an alle Regeln, läuft unter dem Radar“, erklärt Riepelmeyer.
Zudem: „Wenn ich solche Veränderungen bemerke, muss das nicht immer in zeitlicher Nähe zu dem Vorfall liegen, diese können auch zeitverzögert auftreten“, erklärt sie. Die Kinderpsychologin rät den Eltern generell, immer ein offenes Ohr und das Kind im Blick zu haben – so gibt es die Chance, frühzeitig zu erkennen. Dabei sollten Eltern auch auf ihre Intuition hören.
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Wie spreche ich mein Kind an, wenn ich einen Verdacht habe?
Riepelmeyer empfiehlt den Eltern, offene Fragen zu stellen – und keine Suggestivfragen. Statt einen konkreten Verdacht zu äußern, sollten Mütter und Väter Dinge fragen wie: „Wie geht es dir? Was ist los mit dir? Ich merke, du bist traurig – hast du eine Idee, woran das liegen könnte?“ Wenn das Kind dann etwas äußert wie: „Ich gehe nicht gerne zu XY, deswegen bin ich traurig“, sollten die Eltern nachhaken – aber behutsam und beispielsweise fragen: „Warum gehst du nicht gerne zu XY?“. Die Eltern sollten wiederholen, was die Kinder gesagt haben, verbalisieren, ohne das Kind zu verhören.

Wie sollten Eltern vorgehen, wenn das Kind sich ihnen öffnet?
Äußert das Kind einen konkreten Verdacht, solle man es trösten, in den Arm nehmen und bestärken, dass es gut ist, dass es sich geöffnet hat und man gemeinsam eine Lösung findet, so die Kinderpsychologin. Sie empfiehlt, in Ich-Botschaften zu sprechen und beispielsweise zu sagen: „Ich verstehe, dass dir das nicht gefällt. Das würde mir auch nicht gefallen.“
Wie sollten sich die Eltern dann verhalten?
Besteht ein gutes Vertrauensverhältnis, sollten Eltern das Gespräch suchen. Auch gibt es in Bochum verschiedene Beratungsstellen, an die betroffene Eltern sich wenden können (siehe Infobox). „Im Zweifel lieber einmal mehr anrufen, wenn man unsicher ist“, sagt Riepelmeyer – schließlich gehe es um das Kindeswohl. „Wenn festgestellt wird, dass nichts vorgefallen ist, ist das umso schöner“, sagt die Kinder- und Jugendpsychotherapeutin.
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Was können Eltern präventiv tun?
„Es ist total wichtig, dass es in der Familie eine gute Gesprächskultur gibt, in der alle offen über alles sprechen und es keine Verurteilungen gibt, wenn man seine Meinung sagt“, so Riepelmeyer. Eltern sollen ihren Kindern klarmachen, dass jeder Grenzen hat, die man äußern darf und die respektiert werden müssen. Als Beispiel nennt die Kinder- und Jugendpsychotherapeutin das Küsschen, das Kinder früher der Oma oder dem Onkel geben sollten – ob sie wollten oder nicht. Eltern sollten vorleben, dass Kinder das nicht müssen. Gleichzeitig gebe es viele Kinderbücher, die Eltern präventiv mit ihren Kindern lesen können. Sie gibt diese Buchtipps für verschiedene Altersgruppen:
- „Das große und das kleine NEIN“ von Dorothee Wolters und Gisela Braun
- „Mein Körper gehört mir! (Starke Kinder, glückliche Eltern): Sensibilisiere dein Kind für das Thema Missbrauch“ – ein Sachbuch für Kinder ab 5 Jahren
- „Ich geh doch nicht mit Jedem mit! (Starke Kinder, glückliche Eltern“) – ein Präventionsbuch zum Vorlesen für Kinder ab drei Jahren
- „So passiert mir nichts! (Starke Kinder, glückliche Eltern): Geschichten, die Kinder stark machen“ – ein Sachbuch über Mut und Selbstbewusstsein für Kinder ab drei Jahren
Beratungsstellen
In Bochum gibt es verschiedene Beratungsstellen, an die sich Eltern wenden können. Darunter die Kinderschutzambulanz „Neue Wege“ der Caritas an der Alexandrinenstraße 9. Sie betreut Kinder und Jugendliche, die Opfer von Misshandlung, Vernachlässigung, sexuellem Missbrauch sind oder vergewaltigt wurden. Kontakt: 0234 503669; neuewege@caritas-bochum.de oder www.neuewege-caritas-bochum.de.
Hilfe bei sexualisierter Gewalt in Kindertagesstätten, Schulen, religiösen Kontexten, in Sportvereinen oder in der Familie bietet auch die Beratungsstelle der Diakonie in Bochum. Termine können unter 0234 9133-391 oder vertraulich über diese Website vereinbart werden: beratung.diakonie.de.
Zudem verweist die Stadt Bochum auf eine Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche. Weitere Informationen dazu gibt es hier: www.bochum.de/Jugendamt/Dienstleistungen-und-Infos/Beratungsstelle-fuer-Eltern-Kinder-und-Jugendliche









