Sie waren zu neunt, schwer bewaffnet und sie hatten vor, einen großen Raubüberfall in Bochum zu begehen. Das Ziel: ein Geld- und Werttransportunternehmen in der Revierstadt. Dort wollten die Männer, die laut Landeskriminalamt (LKA) Nordrhein-Westfalen als  „hochgefährlich und extrem gewalttätig“ einzuschätzen sind, mehrere Geldtransporter auf einmal ausrauben. Doch im letzten Moment wurde die Bande in den Morgenstunden des 27. Februar durch Einsatzkräfte aus Nordrhein-Westfalen, Frankreich und Belgien geschnappt.

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Die Bande habe sich mit mehreren hochmotorisierten Fahrzeugen auf den Weg nach Bochum gemacht, berichtet das LKA. Dort seien sie jedoch von den Einsatzkräften überrascht und an ihrem Vorhaben gehindert worden. Zuvor hatten die Behörden durch intensive Ermittlungen Hinweise auf den geplanten Coup erhalten.

Von Bochum bis nach Belgien geflüchtet, dann wurden die Männer festgenommen

In Bochum wurden die Männer allerdings nicht festgenommen. „Das hatte letztlich einsatztaktische Gründe“, sagt Julius Sterzel von der Zentral- und Ansprechstelle für die Verfolgung Organisierter Straftaten (ZeOS NRW) dieser Redaktion. „Man hat sich erst für eine Verdrängung der Verdächtigen entschieden. Die Festnahme konnte später erfolgen.“ Laut LKA sei die Gruppe daraufhin nach Belgien geflüchtet, eine Verfolgungsjagd begann. Hinter der deutsch-belgischen Grenze seien die neun Männer durch die Beteiligung belgischer Sicherheitsbehörden dann festgenommen worden.

Staatsanwalt Julius Sterzel von der Zentral- und Ansprechstelle für die Verfolgung Organisierter Straftaten.
Staatsanwalt Julius Sterzel von der Zentral- und Ansprechstelle für die Verfolgung Organisierter Straftaten.© dpa | Christoph Reichwein

„Die Verdächtigen sind sehr, sehr professionell vorgegangen, da steckte ein hohes Maß an krimineller Energie dahinter“, erklärt Julius Sterzel. „Sie haben diesen Raubüberfall lange vorbereitet, hatten sich Fahrzeuge beschafft, Fluchtmöglichkeiten ausgekundschaftet.“

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Auch „Ausbrecherkönig“ Ferrara unter den Festgenommenen, die nach Bochum wollten

Unter den Festgenommenen ist auch der bekannte „Ausbrecherkönig“ Antonio Ferrara, wie es aus Sicherheitskreisen hieß. Frankreichs Innenminister Bruno Retailleau gab seine Festnahme bekannt. er französisch-italienische Kriminelle Ferrara wurde nach Angaben der belgischen Nachrichtenagentur Belga im Juli 2022 aus einem französischen Gefängnis entlassen, nachdem er dort seine Strafe verbüßt hatte.

Ferrara war 2003 spektakulär aus einem Gefängnis bei Paris entkommen. Ein mit Kalaschnikows bewaffnetes Befreiungskommando stürmte damals die Haftanstalt in Fresnes und sprengte das Gefängnistor auf. Verletzt wurde bei der filmreifen Aktion niemand. Ferrara wurde allerdings vier Monate später wieder festgenommen.

Gefängnis in Fresnes
Das Gefängnis von Fresnes (Archivaufnahme): Aus dieser Haftanstalt war Antonio Ferrara im Jahr 2003 entkommen, nachdem ein schwer bewaffnetes Befreiungskommando das Tor aufgesprengt hatte.© DPA Images | Sebastian Kunigkeit

Er war zuvor schon 1998 aus der Haft geflohen. Er erwartete dort ein Gerichtsverfahren wegen mehrerer Raubüberfälle und eines Mordversuchs. Erst vier Jahre später konnte er damals wieder gefasst werden. 2010 wurde er in Paris zu zwölf Jahren Haft verurteilt. Zu seinen Spezialitäten zählt das Aufsprengen von Geldtransportern.

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Geldtransporter sollten in Bochum ausgeraubt werden

Und warum ausgerechnet Bochum? Der Gruppe aus dem Ausland ging es darum, ein Geldtransportunternehmen dann auszurauben, wenn es mit mehreren Fahrzeugen gleichzeitig losfährt, um die gestohlene Summe zu erhöhen. Es ging um Millionen. Organisierte Banden schielen auf Geldtransporter, weil diese meist sehr viel mehr Bargeld transportieren, als etwa in einer Bank liegt. Ob es aber Zufall war, dass der Blick auf ein Unternehmen in Bochum fiel oder dahinter Methode steckte, dazu wollte das LKA aus ermittlungstaktischen Gründen keine Angaben machen.

Der erfolgreiche Einsatz unterstreiche die Bedeutung der internationalen Zusammenarbeit im Kampf gegen die organisierte Kriminalität, teilt das LKA mit. Die Ermittlungen laufen. In das Verfahren sind Einsatzkräfte aus Nordrhein-Westfalen, Frankreich und Belgien eingebunden. In diesem Zusammenhang gab es am Donnerstag auch eine Hausdurchsuchung in Hagen. Diese stehe „im Zusammenhang mit einem der Tatverdächtigen“, erklärt ein LKA-Sprecher. Eine mögliche Auslieferung der Beschuldigten nach Deutschland werde derzeit geprüft. (mit dpa)