Pasquale Hinrichs kommt aus Greensboro in den USA, seit acht Monaten lebt sie in Bochum. Die 19-Jährige verbringt nach der Schule ein Jahr bei Verwandten in Deutschland. Sie wurde in Deutschland geboren, in den USA aufgewachsen und wurde zweisprachig erzogen. In der Bochumer WAZ-Redaktion macht sie ein Praktikum. Vieles, was gebürtige Bochumerinnen und Bochumer in ihrem Alltag regungslos hinnehmen, erstaunt die junge Frau. Ihr Blick auf unsere Stadt:
Verkehr: In Bochum fahre ich Bahn – in den USA Auto

In Bochum komme ich mit Bus und Bahn praktisch überall hin. Von meinem neuen Zuhause in Altenbochum fährt alle fünf Minuten eine Bahn zum Hauptbahnhof. In einigen Fällen ist es sogar günstiger mit der Bahn oder dem Bus zu fahren als mit dem Auto. Kürzere Wege gehe ich zu Fuß oder fahre mit dem Fahrrad.
Ostküste der USA
Greensboro ist eine mittelgroße Stadt in North Carolina an der Ostküste der USA. Dort leben etwa 300.000 Einwohnern, allerdings auf einer Fläche, die etwa doppelt so groß wie Bochum ist.
In meiner amerikanischen Heimatstadt Greensboro ist das ganz anders. Die Stadt ist fürs Fahren mit den Auto ausgelegt. Es fahren zwar auch Busse, aber die werden kaum genutzt. An den großen Straßen von Greensboro gibt es genügend Parkplätze. Dafür fehlt ab und an ein Fußweg. Radwege? Fehlanzeige! In Bochum bin ich umweltfreundlicher und günstiger unterwegs, in Greensboro komme ich dafür schneller an mein Ziel.
Corona-Pandemie: Strenge Regeln in Bochum – „Freiheit“ in den USA

Auch im Umgang mit der Corona-Pandemie habe ich große Unterschiede beobachtet. Die Maskenpflicht – die habe ich in Amerika auch erlebt. Doch ansonsten? In Greensboro dürfen Arbeitgeber, Restaurants oder Clubs keinen Impf- oder Testnachweis verlangen. Das würde man als Verletzung der Privatsphäre und der Freiheit ansehen.
In Bochum dagegen musste ich, als ich vor einigen Monaten zum ersten Mal in einem Restaurant essen wollte, meinen amerikanischen Impf-Nachweis zeigen. Damals hatte ich nur eine handschriftlich ausgefüllte Karte, die mir bei der Impfung in den USA gegeben wurde. Die Angestellten warfen mir einen fragenden Blick zu. Bis ich den digitalen Nachweis bekam, musste ich mich jedes Mal erklären.
Müll: In den USA gibt’s zu jedem Einkauf die Plastiktüte – in Bochum Stoffbeutel

Wenn ich in den USA einkaufen gehe, bekomme ich für alle paar Produkte eine Plastiktüte. Der Einkaufswagen ist voll mit Plastik. In Deutschland wird hingegen erwartet, dass man einen eigenen Stoffbeutel dabei hat. Als ich die ersten Male einkaufen war, musste ich nachher gucken, wie ich meine Lebensmittel nach Hause bekomme.

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Dass in den USA mehr Müll produziert wird, sieht man auch an den Mülltonnen. Die sind in Greensboro nämlich deutlich größer. Und getrennt wird der Müll auch nicht. Wir haben zwei Tonnen – Restmüll und „Recycling“ – aber viele bezweifeln, dass der Müll am Ende nicht doch zusammengeworfen wird. Pfandflaschen gibt es in Greensboro gar nicht. Die ersten paar Tage musste ich andauernd nachfragen, in welche Tonne ich meinen Müll entsorgen sollte.
Studium: In den USA bezahle ich 14.000 Dollar pro Semester – in Bochum 300 Euro
Während die Semestergebühren in Deutschland bei gut 300 Euro liegen, muss ich in Amerika zwischen 10.000 und 20.000 Dollar für staatliche Universitäten, rund 35.000 für private Universitäten bezahlen. Wenn sich die Studierenden das nicht leisten können, stehen ihnen staatliche Darlehen zur Verfügung. Das Resultat: Viele Menschen müssen ihr ganzes Leben lang ihre Schulden vom Studium abarbeiten.
Nach meinem Jahr in Deutschland werde auch ich studieren. Ich möchte gerne Journalismus an einer Universität in North Carolina studieren. Ich habe das Privileg, dass meine Eltern für mein Studium bezahlen können. Für andere ist die Finanzierung viel schwieriger.
Mir fällt auf, dass sich Bochumer Studentinnen und Studenten eher mit ihrer Stadt als mit der Universität verbunden fühlen. Anstatt Partys auf dem Campus, verbringen RUB Studenten und Studentinnen eher ihre Freizeit am Bermudadreieck, im Club oder im Studentenwohnheim. In den USA ist das ganz anders. Wer studiert, der zieht auf dem Campus der Uni und verbringt fast seine komplette Zeit dort.







