Viel Hitze und wenig Regen – eine Kombination, die derzeit die Pegel entlang des Rheins sinken lässt. Mancherorts herrscht bereits Niedrigwasser. Am Absinken der Wasserstände haben auch die Gewitter der vergangenen Woche nichts ändern können. Für die Schifffahrt bedeutet das Niedrigwasser im schlimmsten Fall Einschränkungen, die vielen Unternehmen, die auf die Binnenschifffahrt angewiesen sind, teuer zu stehen kommen. Wie hoch diese Mehrkosten sein können und wie sich die Rheinpegel nach der Hitzewelle weiterentwickeln.
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Regen bleibt aus: Rheinpegel verharrt auf niedrigem Niveau
Nach den derzeitigen Prognosen werden die Rheinpegel in den nächsten Tagen nahe am „Gleichwertigen Wasserstand“ (GlW) liegen, dessen Unterschreiten mit Niedrigwasser gleichgesetzt werde, erklärt Florian Krekel, Fachbereichsleiter Schifffahrt beim Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA). „Für die ersten Julitage wird ein leichter Anstieg der Wasserstände erwartet.“
Aktuell (Stand: Montag, 13 Uhr) liegt der Rheinpegel in Düsseldorf bei 80 Zentimetern (GIW: 91 Zentimeter), in Duisburg-Ruhrort bei 211 Zentimetern (GIW: 227 Zentimeter), in Wesel bei 154 Zentimetern (GIW: 174 Zentimeter) in Emmerich bei 56 Zentimetern (GIW: 74 Zentimeter).
Längerfristig sei allerdings davon auszugehen, dass die Wasserstände niedrig bleiben. „Besserung scheint vorerst nicht in Sicht.“ Damit sich die Lage auf längere Sicht entspannt, müsste es über einige Tage hinweg regnen, so Krekel. „Ein lokales Gewitter reicht da nicht, so heftig es auch vor Ort aussieht.“ Der Regen müsse zudem über ein größeres Einzugsgebiet verteilt fallen, um den Rheinpegel anzuheben.
Bei niedrigeren Wasserständen können die Binnenschiffe weniger Ladung transportieren, da sie weniger Tiefgang haben dürfen. Dadurch steigen die Transportkosten für Unternehmen, die für ihre Waren mehr Transporte benötigen. So kündigten bereits der Stahlproduzent ThyssenKrupp und der Chemiekonzern Lanxess der RP gegenüber an, Maßnahmen ergreifen zu müssen.
Mehrkosten durch Niedrigwasser: Unternehmen zahlen bis zu 200.000 Euro im Jahr
Doch wie teuer ist das für ein Unternehmen? Robert Lamers, geschäftsführender Gesellschafter von Fortin Mühlenwerke in Düsseldorf, rechnet vor: In den vergangenen Jahren mit vielen Niedrigwasserperioden habe sein Unternehmen Mehrkosten von bis zu 200.000 Euro pro Jahr gehabt.
„Es gibt bei Niedrigwasser einen Kleinwasserzuschlag, den man auf Transporte zahlen muss. Dieser wird fällig, wenn an einem bestimmten Pegel der Wasserstand unter eine gewisse Höhe fällt. Für uns sind die Pegel in Köln und Duisburg-Rheinhausen ausschlaggebend“, sagt Lamers. „Allerdings ist Köln am relevantesten, weil wir in Düsseldorf von Rotterdam aus gesehen, von wo wir unsere Ware bekommen, hinter Duisburg sind.“
Transporteure wie Contargo geben diese Zuschläge öffentlich an. So gibt es vier Stufen mit verschieden hohen Zuschlägen. Stufe 1 beginnt bei einem Pegel von 1,95 Metern und kostet 25 Euro mehr für 20 Tonnen, Stufe 4 geht bis 1,05 Meter und kostet 100 Euro mehr für 20 Tonnen. Fällt der Pegel noch tiefer, unterliegen die Zuschläge einer freien Vereinbarung.
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Niedrigwasser verteuert Frachtraten am Niederrhein und treibt Kosten in die Höhe
Großkunden wie Fortin hätten normale Niedrigwasserperioden in Frachtverträgen abgedeckt, so Lamers. „Wenn wir eine Frachtrate von 7,50 Euro pro Tonne haben, kommt ein Kleinwasserzuschlag von 50 Prozent ab einem gewissen Pegelstand. Dann zahlen wir schon 11,25 Euro für eine Tonne. Bei noch niedrigerem Wasser steigt der Zuschlag auf 100 Prozent“, rechnet Lamers vor. Sobald der sehr niedrige Wasserstand erreicht ist, werde neu verhandelt und die bisherigen Vereinbarungen seien nichtig. „In den vergangenen Jahren haben wir teils bis zu 28 Euro pro Tonne gezahlt.“
Eine Verteuerung, die sich für Lamers und Fortin summiert. „Wenn man davon ausgeht, dass wir jede Woche ein Schiff mit 3000 Tonnen Ladung bekommen, dabei aber 20,50 Euro zusätzlich pro Tonne gezahlt haben, dann sind wir bei 61.000 Euro Mehrkosten pro Woche.“ Allerdings seien diese extremen Niedrigwasserpegel, bei denen eine freie Vereinbarung greift, bisher nicht so oft vorgekommen. 2018 habe es das für zwei Monate im Sommer gegeben.
Im Falle von Fortin, die etwa Haferflocken für den heimischen Markt produzieren, haben die Mehrkosten bisher nicht in großem Umfang Verbraucherpreise erhöht, so Lamers weiter. „Das wäre für ein Päckchen Haferflocken weniger als ein Cent. Aber wir müssen schauen, wie wir als Unternehmen damit umgehen. Wenn wir im Jahr bis zu 200.000 Euro Mehrkosten haben, können wir den Discountern nicht sagen, dass sie für die zwei Monate Niedrigwasser mehr zahlen sollen.“ Bei den Transportkosten könne die Ölindustrie flexibler Preise verändern. „Und so fließen diese Mehrkosten in unsere Kostenstruktur ein.“ Heißt: Man bleibt darauf sitzen.
Keine Alternative zur Binnenschifffahrt: Lastwagen und Güterzüge noch teurer
Grund für die Kleinwasserzuschläge sei die Verteilung der Ladung auf den Schiffen. Wenn ein Frachter, der sonst 3000 Tonnen transportiert, bei Niedrigwasser wegen des Tiefgangs nur noch 600 Tonnen laden kann, müssen Kunden wie Fortin mehr Schiffsladungen buchen.
Ein Lkw-Transport sei übrigens keine Alternative, sagt Lamers. „Wir haben das mal durchgerechnet, aber bei einer Fahrt von Rotterdam nach Düsseldorf liegen wir da immer noch bei bis zu 25 Euro pro Tonne. Da extreme Niedrigwasser, wo wir 28 Euro für die Tonne gezahlt haben, eher selten sind, ist die Binnenschifffahrt trotz Mehrkosten immer noch am günstigsten.“
Ähnlich sehe es bei den Preisen für Eisenbahntransporte aus, so Lamers weiter. „Zudem will ja jeder einen Güterwagen oder einen Lkw, wenn es Niedrigwasser gibt. Man müsste also längerfristig einen Zug mit 120 Wagen mieten, damit man ihn immer zur Verfügung hat.“



