Nach dem schweren Bahnunfall vom Samstagmittag (23. Mai) in der Düsseldorfer City hat sich die Rheinbahn nun erstmals zur möglichen Unfallursache geäußert. Die bisherigen Untersuchungen haben dabei ergeben, dass es sich wohl um einen technischen Defekt handelte, der zum Crash geführt hat. Bei dem Unfall verletzten sich 28 Personen, fünf davon schwer.

Gegen 11.30 Uhr waren am Samstagmittag – ausgerechnet am vom Verkehr her ohnehin überlasteten Japan-Tag – zwei Straßenbahnen der Rheinbahn an der Kreuzung Berliner Allee/Graf-Adolf-Straße frontal zusammengerauscht. Die zwei Bahnen der Linie 709 hatten sich zuvor aus entgegengesetzten Richtungen der Kreuzung Berliner Allee/Graf-Adolf-Straße genähert. Eine der beiden Bahnen fuhr daraufhin planmäßig in Richtung Neuss geradeaus weiter, während die entgegenkommende Bahn in Richtung Hauptbahnhof plötzlich nach links auf die Berliner Allee abbog.

Straßenbahn-Unfall in Düsseldorf: Eine der Bahnen bog plötzlich nach links ab

Die Rheinbahn schreibt dazu in einer Pressemitteilung vom Mittwochmorgen (27. Mai): „Nach aktuellem Stand der technischen Auswertungen zeigte das Fahrsignal die Freigabe für die Geradeausfahrt. Gleichzeitig befand sich die betroffene Weiche in abweichender Stellung.“ Dieses Weichensignal sei aber nach bisherigen Erkenntnissen nicht angezeigt gewesen. „Wie es zu dieser Situation kommen konnte und warum die vorhandenen Sicherungsmechanismen in diesem Fall nicht ausreichend gegriffen haben, ist Gegenstand der laufenden technischen und betrieblichen Untersuchungen“, so die Rheinbahn weiter.

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Laut Rheinbahn war die fehlerhafte Weichenstellung nach links also nicht angezeigt worden. „Die bisherigen Erkenntnisse aus früheren Unfällen zeigen aus Sicht der Rheinbahn, dass komplexe Betriebssituationen, technische Auffälligkeiten und menschliche Faktoren zusammenwirken können“, sagt Rheinbahn-Vorständin Annette Grabbe. Deshalb verfolge ihr Unternehmen „bewusst einen systemischen Ansatz“ bei der weiteren Aufarbeitung. „Für uns geht es nicht darum, vorschnell einfache Erklärungen zu liefern. Wir müssen verstehen, warum vorhandene Sicherheitsbarrieren in dieser Situation nicht ausreichend gegriffen haben. Unser Anspruch ist klar: Das Gesamtsystem muss so robust sein, dass einzelne Fehler oder technische Störungen nicht zu schweren Unfällen führen.“

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Die bereits bestehenden Sicherheitsanalysen und Maßnahmen sollen bei der Rheinbahn nun „in einer erweiterten bereichsübergreifenden Sicherheitssteuerung zusammengeführt und weiter vertieft“ werden, heißt es in der Mitteilung weiter. Grabbe: „Ein solcher Unfall darf nicht passieren. Deshalb untersuchen wir weiter sehr genau, wie es zu diesem Ereignis kommen konnte und welche zusätzlichen Konsequenzen daraus folgen müssen.“ Die genaue technische und betriebliche Ursache werde gemeinsam mit den zuständigen Fachstellen und Behörden untersucht. Dazu gehöre „insbesondere die Auswertung von Fahrzeugdaten, Weichensteuerung und Signaltechnik sowie die Befragung des Fahrers“.

Sicherheit ist kein Zustand, sondern ein lernender Prozess. Deshalb werden wir die bisherigen Maßnahmen konsequent weiterentwickeln, ihre Wirksamkeit überprüfen und zusätzliche externe Expertise einbeziehen.

Annette Grabbe, Rheinbahn-Vorständin

Die Kreuzung war am Samstag nach dem Crash wegen Bergungsarbeiten bis zum Nachmittag gesperrt, eine der verunglückten Bahnen musste zunächst wieder eingegleist werden. Die Linien 701, 705, 706, 708, 709, SB50, 780, 782 und 785 wurden umgeleitet. Bis die Rheinbahn wieder nach Fahrplan fahren konnte, dauerte es bis in den späten Samstagabend.

Schwerer Rheinbahn-Unfall in der City: 28 Personen wurden beim Crash zum Teil schwer verletzt.
Schwerer Rheinbahn-Unfall in der City: 28 Personen wurden beim Crash zum Teil schwer verletzt.© NRZ | Christopher Damm

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In den vergangenen Monaten haben sich die Unfälle mit Rheinbeteiligung in Düsseldorf gehäuft. Anfang des Jahres waren es sogar so viele, dass dem Verkehrsunternehmen zwischenzeitlich die Fahrzeuge fehlten. Der spektakulärste Unfall ereignete sich Ende November letzten Jahres in Holthausen, als dort eine Bahn, bestehend aus zwei Waggons, entgleist war. Damals gab es 13 Verletzte.

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Laut Rheinbahn soll nun eine bereits Ende des vergangenen Jahres eingerichtete „Taskforce zur Aufarbeitung von Entgleisungen und Unfällen“ nach dem aktuellen Unfall zu einer erweiterten bereichsübergreifenden Taskforce „Sicherheitssteuerung“ weiterentwickelt werden. Ziel sei es, „Erkenntnisse schneller zusammenzuführen, Maßnahmen konsequent nachzuhalten, Risiken frühzeitig sichtbar zu machen und zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen schneller in die Umsetzung zu bringen“. Vorständin Grabbe betont: „Sicherheit ist kein Zustand, sondern ein lernender Prozess. Deshalb werden wir die bisherigen Maßnahmen konsequent weiterentwickeln, ihre Wirksamkeit überprüfen und zusätzliche externe Expertise einbeziehen.“