Und schon wieder ist es teurer geworden: Das Sommersemester steht vor der Tür und damit auch tausende Studierende, die ihr Elternhaus verlassen und nach einem WG-Zimmer in der Nähe ihrer Uni oder Hochschule suchen. Doch dafür müssen sie tief in die Tasche greifen: Die Warmmiete liegt zum Semesterstart im NRW-Schnitt bei stolzen 485 Euro im Monat – fast sechs Prozent mehr als im Vorjahr. Das zeigen aktuelle Zahlen des Moses Mendelssohn Instituts (MMI) und des Online-Portals „WG-Gesucht“. Doch welche Stadt belegt den Spitzenplatz? Und wo sind die Mieten noch einigermaßen bezahlbar?

Das MMI hat alle 89 deutschen Hochschulstandorte mit über 5000 Studierenden ausgewertet. Das Ergebnis: Mehr als 83 Prozent der Studierenden sind in Städten eingeschrieben, in denen die durchschnittlichen WG-Mieten über dem Betrag liegen, der im Bafög für die Wohnkosten vorgesehen ist. Aktuell liegt diese Wohnkostenpauschale bei 380 Euro. Die realen Wohnkosten liegen in den meisten NRW-Städten über diesem Wert.

Kosten für WG-Zimmer steigen: Köln rutscht auf Platz zwei

Zum Wintersemester 2025/26 hat sich Köln noch den ersten Platz geteilt. In der Domstadt ist es zwar erneut teurer geworden, jedoch reicht es mit durchschnittlich 620 Euro jetzt nur noch für Platz zwei in NRW. Dafür liegt Düsseldorf jetzt alleine auf dem Spitzenplatz. Hier sind die Kosten für ein WG-Zimmer seit vergangenem Herbst von 600 auf 630 Euro gestiegen. Damit liegt die Landeshauptstadt knapp 150 Euro über dem NRW-Schnitt und ist fast so teuer wie Hamburg oder Berlin (650 Euro). Zum Vergleich: Zum Sommersemester 2022 haben in Düsseldorf noch 460 Euro gereicht.

So teuer sind Niederrhein und Ruhrgebiet

Auch in Münster und Bonn zahlen Studierende mit 500 beziehungsweise 510 Euro überdurchschnittlich viel. Am Niederrhein und im Ruhrgebiet ist es dafür etwas günstiger. Ein durchschnittliches WG-Zimmer in Mönchengladbach schlägt laut MMI mit etwa 440 Euro im Monat zu Buche. In Essen bewegen sich die Zahlen auf einem ähnlichen Niveau. Und nebenan in Duisburg sind es noch mal zehn Euro weniger. In Dortmund müssen Studierende im Schnitt 425 Euro Warmmiete zahlen.

Der Bafög-Höchstsatz liegt aktuell bei 992 Euro. Darin ist die Pauschale von 380 Euro für die monatlichen Wohnkosten bereits enthalten. Mit dieser Pauschale kommen Studierende in den meisten Universitätsstädten in NRW aber nicht aus, kritisiert das Institut. In Düsseldorf liegt die Durchschnittsmiete zum Beispiel schon 250 Euro über dieser Pauschale.

„Wir sehen auf unserer Plattform, dass sich die Nachfrage auf die noch vergleichsweise günstigen WG-Zimmer extrem bündelt. Viele dieser Angebote sind oft schon am selben Tag vergeben – für Studierende wird die Wohnungssuche damit immer mehr zum Wettlauf“, sagt Annegret Mülbaier von „WG-Gesucht“ über die Konsequenzen. „Gleichzeitig beobachten wir, dass viele flexibler suchen und stärker Kompromisse bei Lage oder Größe eingehen müssen, um passende Angebote zu finden.“

Wo ein WG-Zimmer günstiger geworden ist

Doch nicht überall ist es teurer geworden: Hier und da gibt es auch ein paar Ausreißer. In Bochum hat ein WG-Zimmer im vergangenen Herbst noch etwa 404 Euro gekostet, jetzt sind es laut Institut nur noch 385 Euro – 100 Euro weniger als im Landesdurchschnitt.

WG-Zimmer: Das ist die günstigste NRW-Stadt

Und auch in Siegen sind die Preise gefallen: Zum Sommersemester 2025 wurden noch durchschnittlich 369 Euro im Monat fällig, im Herbst waren es dann 350 Euro, jetzt sind es noch mal 20 Euro weniger: 330 Euro Warmmiete für ein WG-Zimmer. Damit ist Siegen die günstigste Universitätsstadt in ganz NRW.

„Die aktuelle Entwicklung ist auf den ersten Blick eine Stabilisierung, tatsächlich verschärft sich die Situation aber für viele Wohnungssuchende“, kommentiert MMI-Projektleiter Dr. Stefan Brauckmann die neuen Zahlen. „Vor allem im unteren Preissegment wird der Spielraum kleiner. Das betrifft nicht nur Studierende, sondern auch Auszubildende und andere Menschen mit begrenztem Wohnkostenbudget.“

Über 10.000 Angebote ausgewertet

Für die Analyse hat das Moses-Mendelssohn-Instituts (MMI) mehr als 10.000 Angebote auf dem Portal „WG-Gesucht“ an allen 89 deutschen Hochschulstandorten mit mindestens 5000 Studierenden ausgewertet. Berücksichtigt wurden Wohngemeinschaften mit zwei bis drei Personen, in denen ein Zimmer frei war. Nicht berücksichtigt wurden Tauschangebote, befristete Angebote oder Neugründungen. Die Angebotspreise enthalten in der Regel sämtliche Kosten, also auch Strom, Internet und Nebenkosten.

Energiekosten sorgen für Unsicherheit

Ein weiterer Unsicherheitsfaktor sei die Entwicklung der Energiepreise. „Bei Wohngemeinschaften und in Wohnheimzimmern machen die Nebenkosten einen vergleichsweise großen Anteil aus. Sollten die Energiepreise aufgrund der aktuellen Weltlage weiter steigen, kann sich der derzeitige moderate Preistrend schnell wieder beschleunigen“, fürchtet Brauckmann

Zur Entlastung des Marktes sei aus Sicht des MMI vor allem eine Ausweitung der Wohnheimplätze erforderlich. „Am Ende entscheidet das verfügbare Angebot darüber, ob sich die Lage entspannt oder der Druck weiter zunimmt.“