Na, hat da ein Psychologe mitgeschrieben? Der jüngste Stationsbericht des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr jedenfalls fängt zur Abwechslung mal mit Musterbeispielen an. Die Stationen in Xanten und Wanne-Eickel (offiziell jetzt Herne-Wanne-Eickel-Hauptbahnhof) sind Top-Stationen.
Und mit der RB32 kann man von Wanne-Eickel in acht Minuten auch die dritte schöne Station, Essen Zollverein-Nord, erreichen. Die haben sich seit dem Vorjahresbericht deutlich gesteigert. Zumindest im Falle Wanne-Eickel sollte man womöglich ergänzen: Der ist noch dabei, da werden gerade erst die letzten Pflastersteine gelegt und Lampen angestöpselt.
Eine weitere Viertelstunde mit der gleichen Linie und schon ist man am unteren Ende der Skala, so die Bahnhofstester des VRR. Denn der Oberhausener Hauptbahnhof ist neben den Stationen Essen-West und Hattingen-Mitte am unteren Ende der Skala zu finden, sagt der VRR.

Wobei der Oberhausener Hauptbahnhof komischerweise „nur“ in der zweitschlechtesten Kategorie rangiert. Womöglich hat man ihn mit dem traditionell abgehängten Bahnhof Sterkrade verwechselt? Aber nein, der VRR, dem besonders die stark genutzten Stationen wichtig sind, betont in Bezug auf Oberhausen: „Müll, Verschmutzungen, Geruchsbelästigungen, Graffiti und Schäden führten zu schlechten Bewertungen – eine negative Entwicklung, die für den Hauptbahnhof einer Großstadt nicht hinnehmbar ist“, urteilt der VRR.
„Die Defizite an diesen Stationen – von fehlender Aufenthaltsqualität bis hin zu strukturellen Schwachstellen – verdeutlichen, wo kurzfristig gehandelt werden muss. Insbesondere Müll, Verschmutzungen, Geruchsbelästigungen, Graffiti und weitere Schäden führten dazu, dass die drei Haltepunkte schlecht abschnitten“, erklärt der VRR seine Bewertungskriterien.
Barrierefreiheit, Licht und Sauberkeit: Diese Bahnhöfe fallen durch
Und damit werden auch die Bewertungskriterien der VRR-Tester deutlich. Sie richten ihr besonderes Augenmerk auf Barrierefreiheit, intakte Beleuchtung und Sauberkeit. Und da weisen Oberhausen und Essen-West recht lange und düstere Fußgängertunnel auf.
Diese Bahnsteige sind zumindest in Oberhausen etwas angejahrt. Und Hattingen-Mitte ist ein vor knapp 40 Jahren angelegter, unterirdischer Gleistunnel, der wohl nie richtig sexy werden wird. Aber Müll, Gestank, Graffiti haben der Station den zweifelhaften Superlativ „allerschlechteste Station im VRR“ verpasst.

Besonders wichtig ist dem VRR, dass wenigstens die verkehrsstarken Stationen fit sind. Da fällt die VRR-Bilanz positiv aus. „Mehr als drei Viertel aller Fahrgäste nutzen Stationen, die von den VRR-Profitester:innen positiv bewertet wurden. Dies sind in der Regel besonders viel frequentierte Großbahnhöfe“, so der VRR.
VRR-Vorstandssprecher Oliver Wittke betont: „Die Qualität der Stationen ist für unsere Fahrgäste ein entscheidender Faktor. Die Zahlen zeigen sehr klar: Dort, wo in den vergangenen Jahren konsequent investiert wurde, kommen diese Verbesserungen auch bei den Menschen an.“
Qualität der Bahnhöfe verschlechtert sich deutlich
Jetzt, so eine der Kernforderungen des VRR, müssen auch die kleineren und mittleren Stationen in den Fokus genommen werden. Denn die Gesamtbilanz der Bahnhofstester ist eher negativ. Die Qualität der Stationen ist ziemlich exakt auf das Niveau von 2021 zurückgefallen. Gegenüber dem Top-Jahr 2023 beispielsweise hat sich die Zahl der Stationen mit der Note „ausgezeichnet“ von 44 auf 25 fast halbiert.
Die Zahl der als „ordentlich“ eingestuften Bahnhöfe bleibt mit 126 Stationen in etwa auf dem Niveau der letzten Jahre. Die Note „verbesserungswürdig“ gab es für 122 Stationen (Vorjahr 130). 15 Stationen bescheinigt der VRR einen Zustand, der „nicht tolerierbar“ ist. Das ist ein neuer Rekord (2024: elf Stationen, 2021 sieben).
Die schlimmsten Bahnhöfe in der Region sind nach Meinung der Tester zudem Oberhausen-Sterkrade (wie erwähnt), Essen Dellwig-Ost, Essen Borbeck-Süd, Essen Frohnhausen, Bottrop-Boy, Duisburg-Trompet (da sieht es aus wie immer), Essen Kray-Süd (wird bald stillgelegt) und Essen-Hügel, dessen nicht barrierefreie Idylle ihm bei der Bewertung Jahr um Jahr zum Verhängnis wird.
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Durchgefallen sind zudem die Mönchengladbacher Stationen Lürrip und Rheindahlen sowie Jüchen. Was auffällt: Bis auf Hattingen-Mitte liegen alle richtig miesen Bahnhöfe im Rheinland.
Auch Haan-Gruiten, Abzweigbahnhof der Strecken von Wuppertal nach Düsseldorf oder Köln, steht auf der Liste der miesen Bahnhöfe. Just vor wenigen Tagen jedoch hat der VRR bekannt gegeben, dass diese Station für gut 12 Millionen Euro aufgehübscht wird. 5,5 Millionen steuert der VRR aus Landesmitteln bei. Damit werden Bahnsteige saniert, Barrierefreiheit ermöglicht und mehr Licht und Lautsprecher installiert.
Deutsche Bahn modernisiert Bahnhöfe in NRW im Rahmen von "MOF 3"
Dies geschieht im Rahmen der so genannten „MOF 3“ – das ist die dritte Modernisierungsoffensive von Bahn, Land und Bund. Davon haben jüngst unter anderem Geldern und Wanne-Eickel profitiert. Und zum Trost für die miesen Stationen: Auch Oberhausen Hbf, Essen-West und Duisburg-Trompet stehen auf der Liste, ebenso die Bahnhöfe Friedrichstadt und Völklinger Straße in Düsseldorf.
Ebenfalls ein Novum: Acht Stationen konnten gar nicht bewertet werden, weil dort keine Züge fuhren, so zwischen Bottrop, Oberhausen und Duisburg-Ruhrort. Auf der Krisen-Linie S6 fielen die Bahnhöfe Kettwig-Stausee und Hösel aus der Wertung. Wer wetten möchte: Wenn der Vandalismus nicht zuschlägt, ist die frisch sanierte Station Hösel ein sicherer Kandidat für eine Top-Platzierung im Stationsbericht 2026.




