„Es hätte geholfen, wenn du dir den Bericht vorher angeschaut hättest“, kritisiert CDU-Politiker Pascal Reddig Juso-Chef Philipp Türmer, der bei Markus Lanz am Dienstagabend schnell in den Fokus der kleinen Runde gerät.
Im Mittelpunkt der späten Sendung stehen die Vorschläge der Rentenkommission sowie die Frage, wie nicht nur heutige Rentnerinnen und Rentner, sondern auch diejenigen davon profitieren, die noch viele Jahre arbeiten müssen. Während Reddig den Entwurf als große Chance für eine grundlegende Verbesserung des Rentensystems einschätzt, beharrt Türmer auf einem „entscheidenden Konstruktionsfehler“.
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Juso-Chef Türmer bei Markus Lanz: „Wer kürzer lebt, muss länger arbeiten“
Die geplante Kopplung des Renteneintrittsalters an die steigende Lebenserwartung hält er für ungerecht. Seiner Meinung nach sollten Menschen, die früher ins Berufsleben starten oder in körperlich anstrengenden Berufen arbeiten, früher abschlagsfrei in Rente gehen können als Akademiker wie er, die erst später zu arbeiten anfangen und häufig eine bessere Rente erhalten. Dies sei besonders relevant, da Menschen auf dem Bau oder in der Pflege eine geringere Lebenserwartung haben als Menschen in akademischen Berufen. Für sie laute das Motto des Reformentwurfs demnach: „Wer kürzer lebt, muss länger arbeiten“.
Für Reddig beinhaltet Türmers Kritik ein „Grundgefühl”, das viele Menschen nachempfinden können: Wer hart arbeitet, sollte früher in Rente gehen. Genau darauf habe auch die Rente mit 63 abgezielt. Von dieser hätten am Ende jedoch nicht Dachdecker und Maurer profitiert, sondern häufig gut verdienende Angestellte, wie Lanz betont, bevor er sich kurzzeitig in Günther Jauch verwandelt. Immer wieder fordert er von Türmer konkrete Zahlen zur Rente mit 63. Dieser wirkt zunehmend genervt. Irgendwann ruft er: „Ich verteidige nicht die Rente mit 63” und „Ich habe das Gefühl, ich bin heute bei einem Schätzquiz gelandet.“
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„Es hätte geholfen, wenn du dir den Bericht vorher angeschaut hättest“
Dabei ist Türmer nicht der einzige aus seiner Partei, der sich kritisch zu dem Entwurf geäußert hat. Auch Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig sprach sich für die Möglichkeit einer abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren aus, damit Menschen nicht „so lange arbeiten müssen, bis sie krank werden“. An welcher Stelle diese Forderung im Reformpaket stehe, will Lanz von Reddig wissen. Der antwortet knapp: „Selbstverständlich an keiner Stelle“.
Als Türmer zu Schwesigs Verteidigung ansetzt und erneut von Rentenkürzungen für hart arbeitende Menschen bei einem früheren Renteneintritt spricht, reagiert Reddig harsch. „Es hätte geholfen, wenn du dir den Bericht vorher angeschaut hättest“, sagt er. Dort sei vorgesehen, durch eine individuelle Gesundheitsprüfung gezielt zu entscheiden, ob eine Person schon früher abschlagsfrei in Rente gehen könne.
Für Reddig steht die hitzige Debatte um den Reformentwurf sinnbildlich dafür, weshalb es in den letzten Jahren nie zu weitreichenden Reformen gekommen ist: „Wir haben immer einen Vorschlag gehabt, der auf dem Tisch lag und dann haben wir uns von allen Seiten in die ideologischen Schützengräben begeben und haben ihn zerredet”, meint er. Schließlich sei man beim kleinsten gemeinsamen Nenner herausgekommen, den man dann als großen Entwurf verkauft habe. „Das nervt die Leute”, sagt Reddig, der in der Bevölkerung durchaus ein Verlangen nach richtigen Reformen verspürt.
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Sind die Vorschläge der Rentenkommission gar eine positive Überraschung?
Ein zentraler Bestandteil dafür ist in seinen Augen die im Reformentwurf geplante Kapitaldeckung nach schwedischem Vorbild. Diese könne langfristig dazu beitragen, das Rentenniveau deutlich zu erhöhen. Sogar eine Zielgröße von rund 70 Prozent sei „im europäischen Vergleich realistisch” und erreichbar, wenn auch erst gegen „Ende der 40er-Jahre”.
Auch Kerstin Münstermann zeigt sich von den Ergebnissen der Rentenkommission positiv überrascht. „Keiner hätte auf diese Kommission gewettet”, meint die Journalistin der „Rheinischen Post“. Immerhin hat sich die Koalition im Rentenstreit vergangenen Herbst beinahe selbst zerlegt. Dass nun ein Entwurf vorliege, der das ganze System „vom Kopf auf die Füße stellen” will und sowohl Friedrich Merz als auch Bärbel Bas eine „politische Einigkeit” verkünden konnten, sei bemerkenswert.
Kritisch sieht sie allerdings den fehlenden Zeitplan für die nächsten Schritte. Für Reddig steht hingegen fest, man habe „sehr, sehr schnell zu sein”. Die ganze Sommerpause einfach verstreichen zu lassen, kommt für ihn nicht in Frage. Ziel sei ein Kabinettsbeschluss davor und eine Verabschiedung der Rentenreform im Parlament bis Ende Oktober.







