Es läuft nicht rund in Deutschland, und bei „Maischberger” wird die tiefe Verunsicherung des Landes am Dienstagabend in aller Deutlichkeit auseinandergenommen. Im Fokus der Debatte: die herbstlichen Landtagswahlen, eine schleppende Staatsmodernisierung und die fundamentale Frage, ob Kanzler Friedrich Merz überhaupt noch der richtige Mann an der Spitze ist – oder ob Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) die bessere Alternative wäre.
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„Maischberger“: Das waren die Gäste:
- Karsten Wildberger (CDU), Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung
- Beatrix von Storch (AfD), Bundestagsabgeordnete
- Albrecht von Lucke, Publizist und Journalist
- Oliver Kalkofe, Comedian und Schauspieler
- Sabine Rennefanz, Journalistin und Autorin
- Paul Ronzheimer, stellvertretender „BILD“-Chefredakteur
Die Frustration über die Regierungsarbeit sitzt tief. Comedian Oliver Kalkofe findet drastische Worte für den Zustand: Man habe permanent das „Gefühl, es klappt ja alles gar nicht“. Selbst der Kanzler wirke unzufrieden und laufe „wie die fleischgewordene Frustration“ herum. Es sei wie so oft der völlig falsche Zeitpunkt für eine interne Führungskrise.
Dem pflichtet Journalistin Sabine Rennefanz bei, die die Kanzlerdebatte als „total absurd“ bezeichnet: „Was kann Wüst besser als Merz?“ Dennoch, so verrät „BILD“-Vize Paul Ronzheimer, werden grundlegende Szenarien von wichtigen Quellen in der CDU durchaus heiß diskutiert.
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Kalkofe bei „Maischberger”: „Das F in FDP steht für Frankenstein“
Kalkofe sieht eine „große Unsicherheit“, die sich fatal auf die Bevölkerung übertrage: „Wir erleben auch hier eine zunehmende Verampelung.“ Das Problem bei Merz sei: „Anpacken findet nicht statt, er sagt immer nur, dass er es anpackt.“ Ronzheimer beobachtet zudem, wie nervös das Kanzleramt auf die Spekulationen reagiert habe. Merz fehle schlicht der Unterbau und feste Netzwerke in der eigenen Partei.
Auf die Regierung kommen derweil mit den anstehenden Reformen bei Steuern, Gesundheit und der „sehr sehr ruckeligen“ Rentenreform die womöglich härtesten Einschnitte seit der Agenda 2010 zu – und das direkt vor den Landtagswahlen im Herbst. Ein gefundenes Fressen für die extremen Ränder, wie Ronzheimer urteilt: „Natürlich werden AfD und Linke das aufgreifen“, meint der Journalist.
Für ein politisches Comeback sorgte derweil die FDP. Wolfgang Kubicki wurde zum Parteivorsitzenden gewählt. „Das hat ein klein bisschen was von Horrorfilm“, kommentiert Kalkofe scharf. Man sehe daran, wie leicht Populismus funktioniere: „Das F in FDP steht für Frankenstein.“ Rennefanz zeigte sich ebenfalls skeptisch: Der Auftritt von Kubicki sei eher „zum Abschalten“. Mit ihm komme man zwar verlässlich in die Talkshows, „aber ob man damit in die Parlamente kommt“, bezweifelte sie angesichts der Tatsache, dass die Liberalen im Osten faktisch keine Rolle spielen. Ronzheimer sieht das anders: Der Kubicki-Kurs scheine anzukommen, immerhin liege die FDP in Umfragen erstmals seit 2025 wieder über fünf Prozent.

Digitalisierung stockt genauso wie die Diskussion
Eher schleppend geht der erste Interviewblock mit Bundesminister Karsten Wildberger (CDU) voran. Die nackten Zahlen sprechen gegen ihn, wie die Moderatorin Sandra Maischberger ausführt. Von 220 Digitalvorhaben sind nach einem Jahr gerade einmal 19 umgesetzt. Doch Wildberger versucht sich herauszureden.
Er habe die „absolute Überzeugung, dass wir in der Digitalisierung in Deutschland vorankommen“. Zwar sei er auch frustriert darüber, dass es manchmal nicht schneller gehe, betont aber, dass es Zeit brauche, bis Reformen in der Fläche ankommen: „30 Prozent Reduktion werden wir hinbekommen.“ Na dann.
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AfD schockt bei „Maischberger” mit Plänen für Sachsens Schulen
Besonders hitzig wird es, als die Sprache auf die Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern im September kommt, bei denen die AfD in zwei Bundesländern stärkste Kraft werden könnte. Die AfD agiere als „Antisystempartei“, die den Frust der Menschen kanalisiere, erinnert Rennefanz. Kalkofe betont, die Auseinandersetzung mit der Partei sei mühsam, da sie rein über Emotionen wie Frust und Verzweiflung spiele – das restliche Programm sei den Wählern oft egal.
Wie dieses Programm aussieht, zeigt Beatrix von Storch (AfD) dann auch gleich im Anschlussinterview. Sie verteidigt die Forderung nach der Abschaffung des Schulzwangs im Wahlprogramm für Sachsen-Anhalt: Das derzeitige Schulsystem sei „kein Erfolgsmodell“. Keine Schulpflicht bedeute ja nicht keine Bildungspflicht, betont sie gleichzeitig. Die sieht sie dann bei den Eltern, überprüft vom Staat
Publizist Albrecht von Lucke reagiert darauf entsetzt: „Vorbild ist Orban, man will die Ungarnisierung von Sachsen-Anhalt.“ Hinter alledem stecke ein Kampf gegen staatliche Institutionen. Von Storch legt nach: Auf den Schulhöfen solle „nicht die Regenbogenfahne gehisst werden, sondern die Deutschlandfahne“ und die Nationalhymne gesungen werden, um die „ideologische Propaganda“ dort zu beenden.
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Von Storch „Die Russen wissen sehr genau, dass wir in einiger Zeit Verantwortung haben werden“
Von Lucke, der mehrmals lauter wird und sich regelrecht in Rage redet, warnt eindringlich vor diesem „Deutschtum“ und einer fatalen „Provinzialisierung“. Zwar habe die AfD recht, dass die Leute es satt haben, wie regiert wird, doch ihre Konzepte seien gefährlich. Während die AfD fordere, ausländische Ärzte könnten uns „gestohlen bleiben“, warne die Wirtschaft gewaltig vor dem Fachkräftemangel. „Sehr viele Menschen machen sich Sorgen“, so von Lucke, gut integrierte Menschen würden das Land verlassen.
Doch von Storch zeigt sich davon gewohnt unbeeindruckt, weist die Moderatorin immer wieder auf eine faire Verteilung der Sendezeit hin – worum sie ohnehin sichtlich bemüht ist. Stattdessen rühmt die AfD-Politikerin sogar die „hervorragenden Kontakte“ ihrer Partei nach Russland: „Die Russen wissen sehr genau, dass wir in einiger Zeit Verantwortung haben werden.“ Und die Sendung war dann vielleicht nur ein Vorgeschmack darauf, wie die Auseinandersetzung mit der AfD künftig aussehen könnte.




![Friedrich Merz (CDU) und Bärbel Bas (SPD) im Juni im Bundeskanzleramt. Pressekonferenz [press conference] nach der ?bergabe des Berichts der Altersicherungskommission zur Rentenreform in Berlin](https://img.sparknews.funkemedien.de/413277497/413277497_1790592399_v16_9_1200.jpeg)




