Haben wir schon bald einen neuen Kanzler? Seit Tagen brodelt die Gerüchteküche in Berlin. Friedrich Merz (70) soll abgesetzt werden, der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst (50) seinen Platz einnehmen. Was dran sei an dieser „absurden These“, wollte auch Maybrit Illner am Donnerstagabend von Thorsten Frei wissen, der sich einer klaren Aussage jedoch weitgehend entzog.
Stattdessen betonte der Chef des Bundeskanzleramts mehrfach, dass die Debatte „nirgendwohin führt“ und man sich stattdessen auf die „Schwerpunkte der Herausforderungen, die wir jetzt haben“ konzentrieren solle. So schnell wollte Illner die Sache allerdings nicht auf sich beruhen lassen und hakte immer wieder nach, wobei ihr besonderes Interesse dem Ursprung der Gerüchte sowie den dazugehörigen Dementis aus dem Umfeld des Kanzlers galt.
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Ricarda Lang freut sich „null“ über den CDU-Streit
Währenddessen zeigte sich in den Wortmeldungen ihrer Gäste vor allem eines: die Sorge vor einem möglichen Scheitern der Regierung und dessen kaum absehbaren Folgen. Selbst Oppositionspolitikerin Ricarda Lang räumte ein, sich „null“ über die internen Streitereien der Union freuen zu können, weil darunter auch „das Vertrauen in die Handlungsfähigkeit von Politik als Ganzes“ leide.
Die anfängliche Einigkeit der Runde löste sich beim Hauptthema des Abends jedoch schnell wieder in Luft auf. Im Zentrum der Talkshow standen (wieder einmal) die dringend notwendigen Reformen sowie die Frage, wie diese finanziert werden sollen. Im Verlauf der Diskussion wurde es immer wieder laut in der Runde. Dem aufgebrachten Stimmengewirr konnte auch die Moderatorin keinen Einhalt gebieten, sodass Argumente und Erwiderungen häufig untergingen und der Überblick über die Vielzahl der Themen zunehmend schwerfiel.
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„Maybrit Illner“: Können die Reformen durch Umverteilung finanziert werden?
Die deutlichste Stimme des Abends gehörte der Journalistin Julia Friedrichs, die wiederholt auf grundlegende Verteilungsfragen und die vorherrschende soziale Ungleichheit hinwies. Ihre Einordnung: Deutschland sei mittlerweile ein „Land, in dem Vermögen vor allem durch Geburt verteilt wird“, da große Vermögensbestände vor allem über Erbschaften weitergegeben werden.

Vor diesem Hintergrund kritisierte Friedrichs, dass die Regierung zwar regelmäßig betone, „alle müssten ihren Beitrag leisten“, gleichzeitig aber Erben großer Vermögen über 26 Millionen Euro weiterhin die Möglichkeit der kompletten steuerlichen Verschonung hätten. Dies koste den Staat laut ihren Angaben 8,5 Milliarden Euro.
Eine Vorlage, die Frei direkt nutzte, um das bekannte Argument der Union gegen eine Erhöhung der Erbschaftssteuer zu wiederholen. Diese würde demnach auch das Risiko für kleine und mittlere Unternehmen erhöhen, bei einer Übergabe an die nächste Generation zu verschwinden.

Ricarda Lang zur Erbschaftssteuer: „Das sind offensichtliche Gerechtigkeitslücken“
Der Schutz von mittelständischen Unternehmen sei von großer Bedeutung, betonte auch Ricard Lang, wies jedoch zugleich darauf hin, dass die bestehende soziale Ungleichheit dennoch stärker in den Blick genommen werden müsse. Immerhin sei kaum vermittelbar, warum bei drei geerbten Wohnungen Erbschaftssteuer anfalle, bei 300 Wohnungen im Zweifel jedoch nicht. „Das sind offensichtliche Gerechtigkeitslücken“, argumentierte die Bundestagsabgeordnete, die sich auf die Akzeptanz von Reformen auswirken würden.
Wie diese Reformen konkret aussehen könnten, blieb am Ende der Sendung weiterhin offen. Während die SPD eine Reform der Einkommensteuer anstrebt, um höhere Einkommen stärker zu belasten, lehnt die CDU zusätzliche Belastungen für Spitzenverdiener bislang ab. Dennoch liefert Thorsten Frei zumindest einen kleinen positiven Ausblick: „Wir bewegen uns ohne Zweifel aufeinander zu“, betonte er im Studio.




![Friedrich Merz (CDU) und Bärbel Bas (SPD) im Juni im Bundeskanzleramt. Pressekonferenz [press conference] nach der ?bergabe des Berichts der Altersicherungskommission zur Rentenreform in Berlin](https://img.sparknews.funkemedien.de/413277497/413277497_1790592399_v16_9_1200.jpeg)


