Schon wieder Koalitionsstreit, schon wieder öffentlich ausgetragene Reibereien, schon wieder das Problem, dass in einer Krise nicht Geschlossenheit, sondern Missstimmung sichtbar wird. Markus Lanz setzt am Donnerstagabend genau dort an. Mit Wolfgang Schmidt, dem früheren Kanzleramtschef von Olaf Scholz, Kerstin Münstermann von der „Rheinischen Post“ und dem „Wall Street Journal“-Journalisten Bojan Pancevski geht es um die eskalierte Debatte über Steuerentlastungen und um die jüngsten Recherchen zur Sprengung der Nord-Stream-Pipelines. 

Ausgangspunkt ist der Koalitionsausschuss vom Wochenende. Dort ging es um steigende Energiepreise und die Frage, wie Bürger entlastet werden sollen – und vor allem, wie das finanziert wird.

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Öffentlicher Schlagabtausch: Katherina Reiche gegen Lars Klingbeil

Kerstin Münstermann beschreibt den Eindruck danach so: „Ich hatte schon ein bisschen das Gefühl, das ist ,Ampel reloaded‘.“ Sie erklärt auch, warum: Während Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) Vorschläge wie eine Übergewinnsteuer ins Spiel bringe – „wir müssen endlich was machen“ –, habe Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) dagegengehalten: „Nein, nein, alles nicht gut. Wir müssen die Pendlerpauschale erhöhen.“ Und: „Vom Kanzler hörte man (…) gar nichts.“

Münstermann schildert, dass Reiche nicht an einem Treffen im Finanzministerium teilnahm, sondern stattdessen öffentlich Stellung bezog – mit deutlicher Kritik: Vorschläge des Koalitionspartners seien „teuer, wirkungsschwach und verfassungsrechtlich fragwürdig“. 

Für Münstermann ist das mehr als ein normaler Streit: „Das war eine totale Klatsche.“ Sie ergänzt: „Man hat sich gefragt: Will sie rausgeworfen werden?“ Aus dem Umfeld des Kanzlers sei zu hören gewesen, er sei „nicht nur not amused, sondern befremdet“. Entscheidend sei für sie der Vorgang selbst: „Der Vizekanzler wird öffentlich düpiert – das geht einfach nicht.“

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Warum sagt Jens Spahn Nein? Lanz fragt nach politischem Kalkül

 Von diesem Konflikt führt Lanz die Diskussion zur Frage, warum Positionen so gesetzt werden. Er spricht Jens Spahns Ablehnung von Steuererhöhungen an – obwohl Experten genau das erwarten. Wolfgang Schmidt verweist auf die anstehende Wahl des Fraktionsvorsitzes in der CDU: „In ein paar Wochen ist die Fraktionsvorsitzenden-Wahl.“ 

Seine Einordnung: „Politik ist immer auch Timing.“ Lanz fragt nach: „Das heißt, es könnte sein, dass er danach anders entscheidet?“ Schmidt bleibt offen: „Das weiß ich jetzt nicht, aber (…) wenn sich die Gegebenheiten ändern, muss ich mir überlegen, wo ich das Geld herkriege.“

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Die 1000-Euro-Enttäuschung
Rambo Zambo – Der Merz-Podcast
 

Pancevski über Ermittlungen: „Die deutschen Ermittler haben den Fall gelöst“

Im zweiten Teil der Sendung wechselt das Thema zur Sprengung der Nord-Stream-Pipelines im Jahr 2022. Zu dramatischen Bildern führt Lanz ein: Zunächst sei Russland verdächtigt worden, später auch andere Akteure. 

Bojan Pancevski beschreibt seine Recherche so: Sie beruhe auf drei Ebenen – „ukrainische Quellen“, „deutsche Ermittler“ und „internationale Dienste“. Sein zentraler Punkt: „Die deutschen Ermittler haben den Fall gelöst.“ Es gebe „Haftbefehle gegen mehrere Tatverdächtige“. Er beschreibt die Gruppe als „Mischung aus Zivilisten und Soldaten“. Die Taucher seien ausgewählt worden, weil sie „unter 80 Meter tauchen konnten“. 

Artikel über die Ukraine – für Sie recherchiert

Gaspolitik im Ukrainekrieg: Hat Deutschland anderen Ländern Gas „weggekauft“?

Lanz selbst macht an diesem Abend etwas, das seiner Sendung nicht immer gelingt: Er bleibt präsent, ohne dominant zu werden. Wenn er aus Schmidts Schilderung der geheimen Gasbeschaffung die moralische Frage ableitet, ob Deutschland anderen Ländern Gas „weggekauft“ habe, zwingt er die Runde kurz aus dem politischen Technokratensound heraus. Das funktioniert, weil die Frage nicht bloß Empörung simuliert, sondern den Preis politischer Entscheidungen sichtbar macht. 

Gerade im Rückblick auf die frühen Monate nach dem russischen Angriff auf die Ukraine ist das ein sinnvoller Dreh: Nord Stream, LNG, Abhängigkeit von Russland – das sind hier keine abstrakten Kapitel, sondern konkrete politische Hypotheken. Deutschland bezog vor Kriegsbeginn noch einen sehr großen Teil seines Erdgases aus Russland; die beschädigten Leitungen wurden später zum Symbol genau dieser Abhängigkeit.