Knapp sechs Wochen Krieg, 13.000 Attacken auf den Iran – und am Ende ist von Regimewechsel keine Rede mehr. Donald Trump wollte Stärke demonstrieren. Nun wird über eine zweiwöchige Waffenruhe und Bedingungen für weitere Verhandlungen gesprochen.
Markus Lanz zieht die Zuschauer direkt in die Weltpolitik, als er die für zwei Wochen angesetzte Waffenruhe im Iran-Krieg in seiner Sendung am Mittwochabend analysiert. Kurz vor Ablauf von Trumps Ultimatum einigten sich USA und Iran darauf, die Straße von Hormus freizugeben – strategisch entscheidend für den Ölfluss aus dem Persischen Golf.
Seine Gäste führt er dabei früh selbstironisch ein: als Experten „unter Kompetenzverdacht“, gemeint sind Annett Meiritz vom „Handelsblatt“ und Daniel Gerlach von dem Nahost-Magazin „zenith“.
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Iran-Waffenruhe: „Fensteröffnung“ mit vielen offenen Fragen
Annett Meiritz nennt die Vereinbarung „eine Fensteröffnung in Richtung Verhandlungen“. Gleichzeitig warnt sie: „Ich würde auch vor der kompletten Entwarnung warnen.“ Gerlach setzt einen ähnlich nüchternen Ton: Aus seiner Sicht ist der Krieg gerade nicht beendet, sondern allenfalls vertagt.
„Sie sagten, ich habe nie wirklich daran geglaubt, dass er das umsetzt. Aber die Welt steht trotzdem schlechter da“, sagt Lanz zu Meiritz und bezieht sich damit auf ein Posting von Donald Trump, in dem dieser droht, „eine ganze Zivilisation auszulöschen“. Die Drohung fällt kurz vor der Einigung auf die Waffenruhe – und steht damit im scharfen Kontrast zu der diplomatischen Entwicklung, die wenig später folgt.
Meiritz bestätigt die „planlose Nichtstrategie“ Trumps, die der Krieg entblößt habe – und verweist darauf, dass selbst massive militärische Angriffe das iranische Regime nicht ins Wanken gebracht hätten.
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Ursachen des Kriegs: „Hybris“, „Ungeduld“ und „Fehlkalkulation“
Meiritz nennt Trumps Worte „genozidal“, wie Demokraten sie bewerten. Auf die Frage nach Trumps Motiven antwortet Meiritz knapp: „Hybris: Selbstüberschätzung.“ Sie ergänzt: „Er wollte nur auf das hören, was er hören wollte.“
„Es war eine Fehlkalkulation.“ Lanz hakt nach, fragt nach Einfluss aus dem Umfeld. Meiritz bleibt bei der Verantwortung: „Er ist der amerikanische Präsident.“ Zugleich beschreibt sie, wie eng der Entscheidungszirkel geworden ist: Trump höre aktuell nur noch auf „fünf bis sechs Menschen“.
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Trump wusste vom Deal? „Dann gehe ich davon aus…“
Daniel Gerlach bringt eine These ein, die den Abend verschiebt. „Es spricht aus meiner Sicht viel dafür, dass Trump schon wusste, dass es einen Deal gibt.“ Und: „Wenn ich diese Information vorher hatte, dann gehe ich mal davon aus, dass auch andere diese Information hatten.“ Er beruft sich auf eine Quelle aus der Golfregion, die ihn angerufen habe: „Die Iraner haben einer Vereinbarung zugestimmt, die für die Amerikaner machbar ist.“
Gerlachs Schlussfolgerung lautet entsprechend nicht, dass Trump den Deal gemacht hat, sondern dass er die letzte Eskalation womöglich politisch inszeniert habe: „Ich muss nochmal richtig auf den Tisch hauen.“ Lanz reagiert direkt: „Das heißt ja, alle unfassbaren Nachrichten wurden vor dem Hintergrund geschrieben, dass es eine Vereinbarung gibt.“
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USA und Iran: „Pyrrhussieg“ und Vertrauensverlust
Gerlach spricht von einem „Pyrrhussieg“ der USA. Militärisch sei viel erreicht worden, politisch aber Vertrauen verloren gegangen. „Es könnte sein, dass die Amerikaner morgen wieder angreifen“, sagt er. Und: Es gebe einen „fatalen Vertrauensverlust“.
Vor allem in der Golfregion wachse die Skepsis gegenüber der Verlässlichkeit der USA als Schutzmacht. Auch die Lage im Iran selbst sei stabiler, als es die Rhetorik nahelege. Von einem tatsächlichen „Regime Change“ könne keine Rede sein.

Annett Meiritz: „Was hat dieser Mann noch zu verlieren?“
„Was hat dieser Mann noch zu verlieren?“, fragt Meiritz. Sie zählt mögliche Folgen auf: „Er kann seine Partei in den Abgrund stürzen“, so die Expertin. „Er kann die Welt in Destabilisierung stürzen. Aber er selbst? Er wurde zweimal zum Präsidenten gewählt.“
Trotz sinkender Umfragewerte stünden weiterhin rund 80 Prozent der Republikaner hinter Trump. Auch deshalb, so Meiritz, sei nicht davon auszugehen, dass mit seiner Amtszeit auch der politische Einfluss endet; im Gegenteil verweist sie auf JD Vance als wichtigen Hoffnungsträger für die MAGA-Basis.
Am Ende bleibt weniger die Frage, ob dieser Krieg beendet ist – sondern, was diese zwei Wochen überhaupt bedeuten. Eine Waffenruhe, die keine ist. Drohungen, die möglicherweise Teil einer Strategie sind. Und ein politisches System in Washington, das enger geworden ist.









