Mit nur zwei Gästen konzentriert sich Markus Lanz am Mittwochabend auf die Vereinigten Staaten – und auf die Frage, wie weit sich das politische System dort bereits verändert hat.

Darüber diskutieren die Politologin Cathryn Clüver Ashbrook, USA-Expertin der Bertelsmann Stiftung, und der Investigativjournalist Florian Flade. Es geht um Abschiebungen, Machtverschiebungen, Geheimdienste – und um Angst als politisches Instrument.

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ICE, Geheimdienste und Macht: Warnung vor autoritärem Werkzeug

Ashbrook, die in „Der amerikanische Weckruf“ vor autoritären Dynamiken in westlichen Demokratien warnt, bleibt auch bei Lanz bei dieser Linie. Sie beschreibt die Entwicklung der USA als tiefgreifend. „Diese alte Idee von Gewaltenteilung, die in Amerika ja nicht nur vertikal, sondern auch horizontal ist, wird immer mehr geschliffen“, sagt sie. Markus Lanz greift den Punkt auf und fragt in Bezug auf den US-Präsidenten: „Man fragt sich immer: Warum stoppt ihn keiner?“ 

Ashbrook verweist auf einen „langen Nährboden“ und darauf, dass amerikanische Institutionen lange als schwach wahrgenommen worden seien. Autoritäre Akteure deuteten das als Machtbestätigung.

Konkret wird die Diskussion bei der Arbeit der US-Einwanderungsbehörde ICE. Flade warnt vor der politischen Instrumentalisierung staatlicher Macht. „Diese sehr mächtigen Geheimdienste, die es gibt, haben in demokratischen Staaten eine Berechtigung, weil es aufklären soll. Aber es ist in der Hand von Autoritären ein furchtbares Werkzeug“, sagt er. Nach Angaben der Behörde seien über eine Million Menschen selbst deportiert worden.

Prominente rufen zu Widerstand gegen ICE und Trump-Regierung auf

Katy Perry
US-Sängerin Katy Perry hat die rabiaten Einsätze der US-Einwanderungsbehörde ICE auf den Straßen des Landes verurteilt und ihre Landsleute zum Widerstand aufgerufen. Auf Instagram fordert die US-Sängerin in einer Nachricht an ihre mehr als 200 Millionen Follower, Protestschreiben an US-Senatoren zu schicken oder bei ihnen anzurufen, um einen Finanzierungsstopp für ICE zu erwirken. Dazu postete Perry konkrete Handreichungen wie eine Vorlage für Beschwerdeschreiben. Das Ziel: Budgetmittel für die Migrationsbehörde sollen vom US-Parlament blockiert werden. © Gene J. Puskar/AP/dpa | Gene J. Puskar
83rd Golden Globe Awards - Arrivals
Marvel-Star Mark Ruffalo trug bei den Golden Globes einen Button mit der Aufschrift „be good“, in Erinnerung an die durch einen ICE-Beamten erschossene Renee Good aus Minneapolis. Ruffalo äußert sich auf roten Teppichen und in den sozialen Medien immer wieder zu den Einsätzen der Einwanderungsbehörde.© AFP | MICHAEL TRAN
96th Oscars, Academy Awards
Sängerin Billie Eilish positioniert sich über ihre Posts, zum Beispiel bei Instagram, kritisch zu verschiedenen Themen. Darunter ist auch Trumps Politik. Die von Eilish geteilten Videos zeigen verängstigte Menschen, darunter Kinder, die um ihre Zukunft und Sicherheit fürchten. © picture alliance / Photoshot | picture alliance / Photoshot
Pedro Pascal
Schauspieler Pedro Pascal hatte zuletzt zum Streik aufgerufen. Er bezeichnete die US-Regierung und ICE als Lügner.© Annette Riedl/dpa | Annette Riedl
Queer Eye
„Queer Eye“-Star Jonathan Van Ness (2.v.r.) teilte in den sozialen Medien ebenfalls kritische Beiträge zur aktuellen US-Politik. © Netflix
Amtseinführung von Zohran Mamdani
Cynthia Nixon, vor allem bekannt aus der Serie „Sex and the City“, warf der US-Verteidigungsministerin Kristi Noem nach der Erschießung von Alex Pretti in einem Instagram-Post vor, Lügen über den Toten zu verbreiten. Sie verlas zudem eine Stellungnahme der Eltern des ermordeten Pretti. Die Tötung Prettis nannte sie eine „kaltblütige Hinrichtung“.© ddp/INSTAR
Autor Stephen King fand auf der Online-Plattform X vier eindeutige Worte: „Alex Pretti wurde ermordet.“
Autor Stephen King fand auf der Online-Plattform X vier eindeutige Worte: „Alex Pretti wurde ermordet.“© Chris Pizzello/Invision/AP/dpa
2026 Sundance Film Festival - "The Invite" Premiere
Auf dem Sundance Film Festival nannte Schauspieler Edward Norton, hier mit Shauna Robertson, die ICE-Beamten die „Gestapo“. Genau sagte er: „Heutzutage lautet die Frage: Was tun wir gegen die massenhaften Erschießungen amerikanischer Bürger durch die Gestapo?“© Getty Images | Dia Dipasupil
83rd Annual Golden Globe Awards - Red Carpet Arrivals
„Wo zur Hölle ist unser Supreme Court?“, schrieb Schauspielerin Amanda Seyfried unter einem Post in den sozialen Medien. Seyfried teilte in der Vergangenheit mehrere Beiträge, die das Wüten der ICE-Agenten in der Bevölkerung anprangerte. © IMAGO/Cover-Images | IMAGO
Jamie Lee Curtis
Schauspielerin Jamie Lee Curtis beteiligt sich ebenfalls mit zahlreichen Reposts an der Debatte um die Lage in den USA. Darunter ein Video, wie Menschen gegen die abscheulichen der Taten von ICE im verschneiten Chicago auf die Straße gehen. © DPA Images | Richard Shotwell
Musiker Macklemore teilte Videos von den Protesten in Minnesota, wo kürzlich zwei Menschen durch ICE-Agenten erschossen wurden.
Musiker Macklemore teilte Videos von den Protesten in Minnesota, wo kürzlich zwei Menschen durch ICE-Agenten erschossen wurden. © Nadja Schütze | Nadja Schütze

Zugang verweigert – Kinder in Texas rufen: „Lasst uns raus“

Um den Vorwurf fehlender Kontrolle zu illustrieren, zeigt Markus Lanz Videoaufnahmen aus Texas. Sie stammen von dem Einwanderungsanwalt Eric Lee, der vor einem Gebäude steht, zu dem selbst Kongressabgeordneten der Zutritt verwehrt worden sei. Aus dem Inneren sind Kinderstimmen zu hören, die rufen: „Lasst uns raus.“ Über dem Gelände kreisen Drohnen, durch Löcher in der Wand sind Hunderte Menschen zu sehen. 

Ashbrook ordnet die Bilder politisch ein. „Was muss ein Kongressabgeordneter dürfen? Er muss Zugang haben“, sagt sie. Dass dieser Zugang verweigert werde, zeige: „Hier gibt es keine Kontrollkapazitäten mehr.“

Auch wirtschaftliche Machtverschiebungen kommen zur Sprache. Ashbrook kritisiert die Konzentration von Einfluss bei wenigen Konzernen. „Der Aktienmarkt wird genau von zehn Unternehmen reguliert“, sagt sie. Das Wachstum durch Künstliche Intelligenz liege bei 2,2 Prozent – getragen von vier oder fünf Firmen. „Wir haben eine wahnsinnige Ermächtigung gesehen dieser Männer.“ Wenn diese KI-Blase platze, werde das „Scheinbild offensichtlich“.

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Stephen Miller: Architekt der Abschiebungspolitik

Besonders scharf fällt Ashbrooks Analyse zur politischen Strategie der Trump-Administration aus. Sie verweist auf Stephen Miller, einen langjährigen Vertrauten Trumps und zentralen Architekten der US-Migrationspolitik. Miller war bereits in Trumps erster Amtszeit maßgeblich an Abschiebungsprogrammen und restriktiven Asylregelungen beteiligt und gilt als einer der einflussreichsten Berater im Hintergrund. 

Ashbrook nennt ihn „extrem ideologisch geprägt“ und spricht von „weiß-nationalen Ideologien“. Er sei das Sprachrohr der Regierung, „wenn es darum geht, auf den Gegner einzuschlagen“.

News aus den USA

Wenn Angst politisches Handeln lähmt

Lanz konfrontiert die beiden mit einem Widerspruch: „Ich kenne Amerikaner als sehr zugewandte, empathische Menschen.“ Ashbrook verweist auf die gesellschaftlichen Folgen der Politik. In über 1000 Fällen seien Familien nicht wieder zusammengeführt worden. Die Stimmung kippe. „Wir sehen, wie es immer lauter wird.“ Innerhalb eines Monats habe sich die Zustimmung zu Trump um 20 Prozentpunkte verschlechtert.

Zum Ende der Sendung liefert Ashbrook eine Definition, die wie ein Fazit wirkt: „Eine Autokratie ist, wenn die Angst, Widerstand zu leisten, persönlich betroffen macht und abhält, sich zu engagieren.“ Amerika habe das „nie in der Geschichte mit sich machen lassen“. Die Begründung für Trumps Handeln sei schlicht: „Weil er Angst hat.“

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