KULTURFESTIVAL

Ruhrtriennale zeigt „Truck Tracks Ruhr“ auf Zollverein

„Truck Tracks Ruhr“: Revier-Videos in der Trichterhalle der Kohlenmischanlage auf Zollverein.

„Truck Tracks Ruhr“: Revier-Videos in der Trichterhalle der Kohlenmischanlage auf Zollverein.

Foto: Matthias Graben

Essen.   Ruhrtriennale und Urbane Künste zeigen in der Essener Kokerei Zollverein fünf Stunden vom täglichen Tag: die „Truck Tracks Ruhr“-Dokumentation.

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So viel Ruhrgebiets-Realismus auf einen Streich war selten zu sehen in jüngster Zeit: 300 Filmminuten Straßen-Alltag aus Duisburg, Oberhausen, Mülheim, Essen, Bochum, Recklinghausen und Dortmund, mit Einkaufszentren, Müllverbrennung, Freibad, Autowaschanlage, Fußgängerzonen und Industriebrachenwiesen als Kulisse. Davor: Menschen wie du und ich, ganz normale Leute in ihrem täglichen Tag. Zu sehen auf sieben Leinwänden ab heute Mittag in der immer noch staubig-rauen Kohlenmischanlage der Kokerei Zollverein im Norden des Essener Welterbe-Geländes, sechs Wochen lang.

Ursprung dieser überaus stimmigen Videoinstallation sind die „Truck Tracks Ruhr“, jene radikal andere Form von Straßentheater, die das Bühnenkollektiv „Rimini Protokoll“ im Auftrag der Ruhrtriennale und der Urbanen Künste Ruhr entwickelt haben: Gut 40 Menschen fuhren in einem umgebauten Lkw mit einer zehn Meter breiten und fast drei Meter hohen Glasscheibe durch eine Ruhrgebietsstadt und beobachteten an sieben Stationen den Alltag.

Passgenauer Sound

Die Aktion entwickelte sich zu einem ungeahnten Erfolg, die Karten für die augenöffnenden Fahrten ins Vertraut-Allzuvertraute waren äußerst begehrt und ein ausverkaufter Track-Truck der Regelfall. Nach über einem Jahr hatte der Laster schließlich mehr als 10.000 Kilometer zurückgelegt und 5600 Menschen waren auf der Bühne namens „wirkliches Leben“ unterwegs.

Wenn diese Fahrten so etwas wie die Live-Alben der „Truck Tracks“ waren, so ist nun in der Kokerei Zollverein das Studio-Album zu erleben: Wir sehen die sieben Touren exakt so, wie sie das Publikum aus dem Truck gesehen hat, mit Ausnahme einer kurzen Einstellung gleich zu Beginn, die den jeweiligen Laster-Standort zeigt. Dann geht es auf die sieben Stationen-Reise, stimuliert vom passgenauen Sound, den Frank Böhle dazu gebaut hat – mal mystisch brodelnd, mal rhythmisches Tempo aufnehmend. Die Videos, deren Schärfe notwendigerweise eher inhaltlich als durch die Kamera zustande kommt, hat das Dokumentarfilm-Duo Ulrike Franke und Michael Loeken („loekenfranke“) aufgenommen.

Menschen in Massen

Zu jedem der sieben Alben wurden jeweils sieben Autoren(-teams) um Texte gebeten, und mal wurden es Wortmalereien, mal statistisch-psychologische Erkenntnisse über Menschen in Massen.

Die Besucher sind frei, diese Texte per Kopfhörer mit Videos und Sound zu kombinieren, und vor manchen der sieben Videowände sind gleichzeitig auch noch einige andere sichtbar. Die Projektoren für die Videos strahlen aus den Trichtern der ehemaligen Kohlenmischanlage, die schon so manche Kunstinstallation erlebt hat – aber kaum je eine, die so gut hier hergepasst hat.

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