Ausstellung

Pink Floyd bringen „The Wall“ zurück ins Dortmunder U

Wie einst in der Westfalenhalle: Pink-Floyd-Drummer Nick Mason vor den Kulissen zu „The Wall“. 1981 war er zuletzt damit in Dortmund.

Foto: Bernd Thissen / dpa

Wie einst in der Westfalenhalle: Pink-Floyd-Drummer Nick Mason vor den Kulissen zu „The Wall“. 1981 war er zuletzt damit in Dortmund.

Dortmund.  Die Dortmunder Schau „Their Mortal Remains“ reist durch die Band-Geschichte von Pink Floyd. Das raubt nicht nur Fans der Rock-Ikonen den Atem.

Pink Floyd, das war ja niemals nur eine Band. Es ist vielmehr ein ganz eigenes Universum aus Musik, Klangeffekten, Cover-Artwork, Animationen, gigantischen Bühnenaufbauten, bewusstseinserweiternder Lichterorgie und geistig-seelischen Grenzerfahrungen. Ein endlos zu erkundendes Terrain für Klangästheten und Technikverliebte. All diesen Aspekten und vielen mehr wird nun „The Pink Floyd Exhibition: Their Mortal Remains“ im Dortmunder U so gerecht, wie man nur kann. Gestern wurde die beeindruckende Multimedia-Schau in Anwesenheit des Pink-Floyd-Drummers Nick Mason (74) eröffnet, nachdem sie schon in London und Rom geweilt hat.

„Die Ausstellung lässt uns cleverer aussehen, als wir wirklich sind. Hier wirkt es fast so, als hätten wir alles von vornherein geplant“, stellte Drummer Nick Mason fest, der zurzeit selbst noch mit seiner „Saucerful Of Secrets“ tourt.

1981 spielten Pink Floyd auf "Wall"-Tour in der Westfalenhalle

London, Rom, Dortmund, das ist ein Dreiklang, den man sich in der ehemaligen Bierstadt gern anhört – und tatsächlich haben Briten Pink Floyd im Lauf ihrer Geschichte mehrfach kurze Station in Dortmund gemacht, etwa 1977. Und 1981 spielten sie auf der „The Wall“-Tour in der Westfalenhalle, ein Rock-Meilenstein fürs Ruhrgebiet, leider nicht mehr als eine kleine Wegmarke für Nick Mason: „Ehrlich gesagt erinnere ich mich nicht an viel. Wir hingen hauptsächlich in der Hotelbar herum oder standen auf der Bühne.“

Macht ja nichts, dafür erinnern sich einige Dortmunder umso lebhafter an die damaligen Rockgiganten, die Frau des Filmemachers Adolf Winkelmann begleitete die Band seinerzeit. Und Oberbürgermeister Ullrich Sierau, der damals sogar als Stagehand in der Westfalenhalle arbeitete, ärgert sich bis heute: Er war in Burma, als Pink Floyd in seine Stadt kam.

Genügend Platz für die Rock-Größen

Im Dortmunder U hat der Leiter Edwin Jacobs die komplette sechste Ebene geräumt, um den Rock-Größen genügend Platz zu schaffen. Und den brauchen sie. Denn „Their Mortal Remains“ ist eine Multimediaschau auf Weltniveau, wie man es von einer Band, die technisch stets zu den Pionieren gehörte, auch erwarten darf. Mit extra von Sennheiser für die Schau entwickelten Kopfhörern führt ein Funk-Audioguide durch die Schau, so dass man stets an der richtigen Station die entsprechenden Infos hören kann. Und so wandelt man chronologisch durch die Geschichte von Pink Floyd, von den Anfangstagen mit Syd Barrett bis zum jüngsten Werk „The Endless River“ – wobei Anfang und chronologisches Ende bei weitem nicht die interessantesten Punkte auf dem Weg sind.

Obwohl Pink Floyd schon 1967 mit „The Piper At The Gates Of Dawn“ der Durchbruch gelungen war, fiebert man als Besucher doch eher jener Sektion entgegen, die sich dem 1973er-Album „The Dark Side Of The Moon“ widmet und seinem legendären Cover der Artworker Hipgnosis. Es zeigt das legendäre Prisma, in dem sich ein Lichtstrahl in den Farben des Regenbogens bricht. Genau dieses Artwork ist mitten in der Ausstellung in einer zum Greifen realistischen 3D-Animation zu sehen, bei der sich das Prisma vor einem bewegten Sternenhimmel dreht.

Atemberaubende Bühnenaufbauten zu „The Wall“

Ein weiteres Mal den Atem dürfte es vielen Besuchern rauben, wenn sie jenen Raum betreten, in dem die Bühnenaufbauten zu „The Wall“ zu sehen sind: So gewaltig ist die Wand, so groß die aufblasbaren Bühnenfiguren – allen Voran der „Teacher“ mit den aufgerissenen Augen, der allerdings nicht so mit auf der Original-Tour gewesen ist, sondern von der „The Wall“-Tour stammt, mit der Roger Waters 2010 begann.

Fragt man Drummer Nick Mason, was sein liebstes Ausstellungsstück ist, fällt ihm die Entscheidung schwer, aber: „Wahrscheinlich ist es das Mischpult, mit dem man ,Money’ von ,The Dark Side Of The Moon’ remixen kann. Weil man da sieht, wie die Dinge funktionieren.“

Das Beste zum Schluss

Für viele andere dürfte das Beste allerdings ganz zum Schluss kommen. Denn wenn man sich satt gesehen hat, gibt’s noch etwas Außergewöhnliches auf die Ohren: Im Performance-Bereich läuft ein Konzertfilm, zwar nur auf einer normalen Leinwand, dafür aber im 360-Grad-Surround-Mix. Besser dürfte man ein Live-Erlebnis von Pink Floyd wohl selbst im unwahrscheinlichen Falle einer Wiedervereinigung der Band nicht mehr zu hören bekommen.

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