Theater

„Ommas Taubensuppe“ taugt nur bedingt fürs Theater

Die Huren, denen die Omma ihre Taubensuppe kochte: Jens Kipper, Mario Lopatta und Andreas Beck (v.li.)

Die Huren, denen die Omma ihre Taubensuppe kochte: Jens Kipper, Mario Lopatta und Andreas Beck (v.li.)

Foto: Birgit Hupfeld

Dortmund.   Gerburg Jahnke dramatisiert mit Anna Basener deren Roman „Als die Omma den Huren noch Taubensuppe kochte“ nicht allzu heiß fürs Theater Dortmund

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Taubensuppe und Samtkragen, Omma Änne und ihre ewige „Eve“-Zigaretten – es scheint, als hätten die wichtigsten Zutaten aus Anna Baseners Romankomödie „Als die Omma den Huren noch Taubensuppe kochte“, die 2017 erschien, auch den Weg auf die Bühne des Dortmunder Schauspiels gefunden. Und doch merkt man spätestens hier, dass der Roman um eine Bordellwirtschafterin aus dem Pott auf Besuch bei ihrer Enkelin in Kreuzberg nicht unwesentlich von seinen Figuren und Episoden am Rande lebt – vor allem aber vom Kontrast zwischen dem Ruhrslang der Titelheldin und dem eloquent-ironischen Hochdeutsch ihrer Enkelin Bianca, zwischen der leicht angestaubten, aber in jeder Hinsicht sehr bodennahen und handfesten Revierwelt und dem abgehobenen Berlin der Pseudo-Hipster.

Songs von Tommy Finke und Anke Zillich als Omma

Gerburg Jahnke hat ihre Dramatisierung des Romans, deren zweistündige Uraufführung am Samstagabend mit freundlichem Beifall gefeiert wurde, irgendwo zwischen grellflachem Volkstheater und Musik-Revue angesiedelt. Die von Tommy Finke komponierten Songs treten öfters als allzu retardierendes Moment auf die Bremse – und sind dann wieder als Reflexionsraum unverzichtbar, vor allem, wenn es darum geht, den doppelten Boden der Prostitution auszuleuchten („Wir sind alle nur Marionetten / von Kapitalismus und Patriarchat“).

BvB-Unterhose und „Prosetschko“-Allergie

Aus dem eher breit und gemächlich dahinfließenden Strom der Boulevardklamotte ragen die Bettabenteuer-Reportage im Fußballjargon (samt Jens Kippers Borussia-Dortmund-Unterhose) und die überwiegend männliche Besetzung der Huren-Rollen ebenso heraus wie Mario Lopattas Gesang als Theo und Anke Zillichs lustvolle Belebung von Omma Änne als Revier-Original, dessen Samtkragen-Kultur nicht nur mit „Prosetschko“ auf Kriegsfuß steht. Allerdings dürfte es gar nicht so leicht fallen, sich mit der Bühnen die Wartezeit auf die Kinopremiere für die Verfilmung des Stoffs durch den Dortmunder Kult-Regisseur Adolf Winkelmann („Jede Menge Kohle“, „Junges Licht“) zu vertreiben: Schließlich sind die „Omma“-Aufführungen bis Ende März schon ausverkauft.

Weitere Termine: 3. und 14. April, 4. und 5. Mai, 1. und 29. Juni. Karten (12-33 Euro: 0231 50 27 222)

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