BIBEL

Kinofilm „Maria Magdalena“ ist bedauerlich leblos inszeniert

Im Bad mit Jesus: Maria Magdalena (Rooney Mara) mit Joaquin Phoenix.

Foto: © Universal Pictures International Germany GmbH

Im Bad mit Jesus: Maria Magdalena (Rooney Mara) mit Joaquin Phoenix.

ESSEN.   Enttäuschend regungslos: Rooney Mara spielt in „Maria Magdalena“ die Titelheldin, Joaquin Phoenix ist Jesus. Der Film kann aber kaum überzeugen.

Ganz am Ende des Bibelfilms „Maria Magdalena“ erscheint eine Texttafel auf der Leinwand. Auf ihr wird noch einmal das jahrhundertealte Gerücht thematisiert, bei der Weggefährtin Jesu habe es sich um eine Sünderin und Prostituierte gehandelt.

Mal ganz davon abgesehen, dass selbst der Vatikan seit Langem schon von dieser frauenfeindlichen Deutung Abstand genommen hat, so ist bereits der gesamte zurückliegende Film derart ausgerichtet, dass an der Ehrbarkeit dieser Frau kaum gezweifelt werden kann. Zumal Regisseur Garth Davis („Lion“) sie in Gestalt der Schauspielerin Rooney Mara so brav und zurückhaltend inszeniert, dass von ihrer anfänglich selbstbewussten Haltung schon bald kaum etwas zu spüren ist.

Joaquin Phoenix in der Rolle des Jesus

Denn daheim ist die Tochter einer Fischerfamilie fast noch ein Rebell, als sie sich weigert, einen für sie bestimmten Bräutigam zu heiraten. Als die Eltern sie daraufhin einem Exorzismus unterziehen lassen, hat auch das bloß zur Folge, dass die Entfremdung zum Elternhaus nur noch größer geworden ist. Maria schließt sich dem Prediger Jesus (Joaquin Phoenix) und dessen durchweg männlichen Jüngern an. Seine Vision einer gerechten und freien Gesellschaft fasziniert sie, dafür lässt sie alles hinter sich und macht sich mit der Gruppe auf zum Passahfest in Jerusalem.

Manchmal funktioniert es ja, wenn man Schauspieler gegen den Strich besetzt, hier jedoch weniger. Rooney Maras edles Porzellangesicht zeigt kaum Regungen und will so gar nicht passen zu den Strapazen des Marschierens in staubiger Landschaft. Sie mag in der Verehrung von Jesus aufgehen, bleibt aber derart auf Distanz, dass von einer möglichen Beziehung beider schlicht keine Rede sein kann. Da gewinnt der Jesus eines Joaquin Phoenix schon eher starke Konturen. Allein von der körperlichen Gestalt her ist das kein klassischer, feingliedriger Christus, eher schon ein gelegentlich aufbrausender Mann, der sich von Einsamkeit umfangen fühlt, seit er um sein Schicksal weiß.

Bedauerlich leblos inszeniert

Der Film aber heißt „Maria Magdalena“, doch da ist schauspielerisch fast nur Passivität zu erwarten, wo da doch eigentlich eine Leidenschaft vorhanden sein sollte, zumindest im Hinblick auf die Weltsicht und die Taten Jesu. Aber damit passt sie gut in eine bedauerlich leblose Inszenierung, in der selbst die letztendliche Kreuzigung nur kurz und mit spitzen Fingern angegangen wird.

Aber gerade, wenn man durch salbungsvolle Dialoge vor sich hindämmern möchte, reißt einen ausgerechnet Judas Ischariot (Tahar Rahim) aus dem Phlegma. Der wirbelt förmlich durch die Bilder, ist die bei weitem lebendigste Figur des Films und verrät Jesus augenscheinlich nur, weil diesem Idealisten einfach alles zu langsam geht. Ein wenig von der unbändigen Kraft dieses Jünglings hätte man auch dem Regisseur gewünscht.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik