Neu im Kino

Felicitas Woll hat ein Rendezvous am Stacheldraht

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Essen. Felicitas Woll ("Berlin, Berlin") in einer Ost-West-Komödie über zwei Liebendende kurz vor dem Mauerfall, Gerard Butler praktiziert das "Gesetz der Rache" und in "66/67 – Fairplay war gestern” widmen sich sechs Freunde einem sportlichen Endkampf - die Kinostarts der Woche.

Am 9. November stand im Kino der Weltuntergang bevor. Man kann nachvollziehen, dass Warner seine Vereinigungs-Komödie "Liebe Mauer" nicht in die Bugwelle von Roland Emmerichs Untergangs-Szenario "2012" geraten lassen wollte und deshalb nun mit Verspätung ins Kino bringt. Zumal das Zielpublikum gleichen Zuschnitts sein dürfte: Junge Menschen, denen das Jahr 2012 ähnlich fern erscheinen könnte wie das Jahr 1989.

Und genau da, im November '89, setzt Peter Timms Geschichte um die Studentin Franzi (Felicitas Woll) an. Die kommt kurz vor dem Mauerfall zum Studium nach Westberlin und stolpert mit unbekümmerter Ahnungslosigkeit durch diese fremde Welt aus Stacheldraht und Fünf-Pfennig-Schrippen. Als die prallen Einkaufstüten vom ersten 20-Mark-Zwangsumtausch am Grenzübergang platzen, ist der smarte Grenzsoldat Sascha (Maxim Mehmet) mit dem Besen zur Stelle. Von Stund an wechselt man sehnsüchtige Blicke – durchs Fernglas zwischen Saschas Wachturm und Franzis Westwohnung. So geht die heiter-hintergründige Geschichte von den zwei Königskindern, die nicht zusammen kommen können.

Die Zeit der kritisch-politischen Auseinandersetzung, wie sie von Donnersmarck mit „Das Leben der Anderen” lieferte, scheint damit vorerst vorbei. Timms Film lebt vor allem vom frischen Charme seiner Darsteller und der Leichtigkeit der Erzählung, die bei aller Vergnüglichkeit doch nicht ins Banale abdriftet. Und wenn sich die Liebenden kurz vor dem Mauerfall schließlich in einem völlig überdrehten Chaos zwischen Stasi, CIA und Staatsschutz wiederfinden, fühlt man sich gar an das turbulente Treiben eines Billy Wilder („Eins, zwei, drei”) erinnert. Jene zumindest, die sich noch an die Zeit vor '89 erinnern können.

Letzter Spieltag der Saison

Es gab eine Zeit, da war Eintracht Braunschweig nicht einfach ein Fußballverein. Das Team spielte in der Bundesliga, setzte Trends als erster Club mit Trikotwerbung und holte in der Saison 1966/67 den Meistertitel. Aus diesem denkwürdigen Datum destilliert sich auch der erste Teil des Titels "66/67 – Fairplay war gestern", dem Kinodebüt von Carsten Ludwig und Jan-Christoph Glaser. Es ist Mai 2008 und der letzte Spieltag der Saison. Die Eintracht kämpft um den Aufstieg in die neue dritte Liga. Fast unbeteiligt nehmen auch sechs Freunde den sportlichen Endkampf wahr. Dabei sind sie doch seit Jugendzeiten einander verschworen, haben sich „66/67” eintätowiert und jede Menge Fan-Prügeleien bestanden.

Doch die Zeiten ändern sich und stagnierende Lebensentwürfe von gestern zerschellen an den Realitäten von heute. Sechs Protagonisten, schillernd besetzt mit Fabian Hinrichs, Christoph Bach, Maxim Mehmet, Christian Ahlers, Fahri Ögun Yardim und Aurel Manthei, zudem attraktiv flankiert von der großartigen Entdeckung Melika Foroutan, fordern zur Auseinandersetzung mit dem Erwachsenwerden in deutscher Wirklichkeit. Es geht um Selbstfindung und Solidarität, Hoffnungen, Chancen und Enttäuschungen und manchmal sogar um Sport. Die Bilder haben Kraft, die Akteure spielen sensationell, aber die Story kann nicht vermitteln, zu wem man halten sollte und warum. Klar, so ist das Leben. Aber eigentlich sind wir im Kino.

Werbung für Lynchjustiz

Mit den Law-and-Order-Typen des Kinos war es immer schon eine schwierige Sache. Weil weder Recht noch Ordnung so genau in ihr Handlungs-Schema passten. Charles Bronson hat den Typus in den 70ern populär gemacht. Gerard Butler ist in F. Gary Grays Vergeltungs-Thriller "Gesetz der Rache" nun sein extremer Nachfolger. Als Familienvater Clyde Shelton arbeitet er innerhalb des Systems gegen das System – und das mit einer brutalen Kaltblütigkeit, die auf ziemlich wüste Weise Folter-Filmen wie „Saw” nacheifert. Frau und Kind wurden Jahre zuvor von Einbrechern brutal ermordet. Weil die Justiz nicht funktioniert, wie Shelton es erwartet, sondern das „juristisch Machbare” aushandelt, beginnt der Witwer einen blutigen Rachefeldzug gegen den gesamten Justizapparat unter Staatsanwalt Rice (Jamie Foxx).

Als Clint Eastwood 1971 seinen ersten „Dirty Harry” herausbrachte, begrüßte das Publikum einen „Richter Gnadenlos”, weil das Land verunsichert war vom Krieg in Vietnam, der drohenden Niederlage, dem Gefühl der Ohnmacht. Gray verpackt diese Forderung nach einer harten Hand nun in einem extremen Lynchjustiz-Film mit aberwitzigen Wendungen, die gelegentlich so hanebüchen wirken, dass man selbst den unheilvollen Ernst des Werkes für einen Moment ignorieren kann.

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