KONZERT

Hochklassiges Verdi-Requiem im Dortmunder Konzerthaus

Agil und präzise leitete Andrés Orozco-Estrada

Agil und präzise leitete Andrés Orozco-Estrada

Foto: MARTIN SIGMUND

Dortmund.   Erst ergriffene Stille, dann begeisterter Jubel beim Verdi-Requiem: Das Publikum im Dortmunder Konzerthaus erlebte am Sonntag große Musikkunst.

Giuseppe Verdi mag kein glühender Katholik gewesen sein, doch die Skepsis gegenüber der Institution Kirche und sein privater Glaube waren zweierlei. Früh wurde er mit dem Tod seiner ersten Frau und beider Kinder konfrontiert, 1873 mit dem schmerzlichen Verlust eines Bruders im Geiste, des Dichters Alessandro Manzoni. Ihm zu Ehren schrieb Verdi das Requiem, ein Werk geprägt von Erschütterung und Dramatik, aber auch von trostvoller Lyrik.

Bis heute hat diese Totenmesse nichts von ihrer Sogkraft verloren, sie ist berührend, und bisweilen attackiert uns ihre archaische Kraft. So war es jedenfalls am Sonntag zu erleben im nahezu ausverkauften Dortmunder Konzerthaus.

Höchste Sensibilität

Mit dem famosen MDR Rundfunkchor, der im „Requiem aeternam“ und „Dies irae“ naturalistische Körperlichkeit erreicht, dann wieder in höchster Sensibilität agiert oder das „Sanctus“ mit bravouröser Leichtigkeit interpretiert.

Ebenso flexibel und nuancenreich spielt das hr-Sinfonieorchester unter der so agilen wie präzisen Leitung von Andrés Orozco-Estrada, wenn auch zu Beginn die Dynamik noch übersteuert wirkt. Doch das farbreiche Glühen der Streicher, die zarten Holzbläserlinien und die markanten Signale von Blech und Schlagwerk sind eine Wucht.

Gespielt mit Emphase, ohne gekünstelte Inbrunst

Hinzu gesellt sich ein exquisites Ensemble. Erika Grimaldis Sopran blüht und verzaubert, in den dramatischen Phasen wird er getragen von vulkanischer Energie. Und ihre Farbpracht in der Mittellage schmiegt sich bestens an den kräftigen Mezzo Violeta Urmanas. Der Tenor Saimir Pirgu wiederum changiert gekonnt zwischen fahler Zerbrechlichkeit und glänzend gesetzten Höhen. Kihwan Sim (Bass) steuert Nobles bei, lässt aber ein wenig Schwärze vermissen.

Außerordentlich aber gelingen allen die großen melodischen Bögen, singen und spielen alle mit großer Emphase, ganz ohne gekünstelte Inbrunst. Am Ende ergriffene Stille, dann Jubel.

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