ARD-Talk

Marcel Reif bei „Hart aber fair“: Fans sind nur noch Beiwerk

Bei Frank Plasberg wurde über den Kommerz im Fußball gestritten: Sportjournalist Marcel Reif vertrat die Haltung, es gehe zu wenig um die Fans und nur noch um Geld.

Bei Frank Plasberg wurde über den Kommerz im Fußball gestritten: Sportjournalist Marcel Reif vertrat die Haltung, es gehe zu wenig um die Fans und nur noch um Geld.

Foto: imago stock&people / imago/Christian Grube

Berlin  Dass Helene Fischer einmal Streit-Thema bei „Hart aber fair“ sein würde – wer hätte das gedacht? Das Pokalfinale machte es möglich.

Gipfel-Zoff in Sizilien, Raketentest in Nordkorea, Obama in Berlin. Und worüber streitet Deutschland? Über ein paar Minuten Schlagermusik in der Halbzeit eines Fußballspiels.

war der Aufreger des Wochenendes. Diesen Steilpass nahm auch Frank Plasberg auf und stellte am Montagabend bei „Hart aber fair“ die Frage: „Der Fußball und das Geld – macht der Kommerz den Sport kaputt?“ Seine ARD-Runde wurde zur stimmungsvollen Südkurve.

Da saß etwa der Sportreporter Marcel Reif. Er outete sich gleich mal als Fan-Versteher: „Die Bedeutung der Fans nimmt ab. Sie fühlen sich nicht mehr so ernst genommen, sind nur noch Beiwerk.“ Und dafür musste dann eben Helene Fischer mit einem Pfeifkonzert büßen. Die Fans würden die Kommerzialisierung bisher noch verdrängen, ließen sich aber nicht mehr lange für dumm verkaufen, so Reif weiter. Und der Grund: Im Fußball herrsche heute „Kapitalismus pur“. Elf Freunde? Echte Liebe? „Die Zeiten sind vorbei.“ Die Show erdrückt immer mehr den Sport.

Schere zwischen armen und reichen Clubs macht Fußball unfair

Dafür steht in Deutschland vor allem: der FC Bayern München, Bundesliga-Krösus, Hauptprofiteur der TV-Gelder und Dauer-Meister in der Bundesliga. Die Folge: „Immer mehr Langeweile“, wie nicht nur Werder Bremens Ex-Manager Willi Lemke findet. Er klagte, die Schere zwischen armen und reichen Clubs öffne sich immer weiter. Gähnen statt Spannung. Und über die durchorganisierte und wenig emotionale Meister-Feier der Bayern, mit einer Mini-Kamera am Glas für die Pflicht-Weißbierdusche, konnte Kicker-Nostalgiker Lemke nur den Kopf schütteln: „Das ist peinlich.“

Zwar war Bayern-Präsident Uli Hoeneß, mit dem Lemke in den 80er-Jahren eine Intimfeindschaft verband, nicht bei Plasberg - dafür aber Bayerns Ex-Ministerpräsident Edmund Stoiber, bekennender Bayern-Fan und nach eigener Auskunft „seit Kindesbeinen“ mit dem Fußball vertraut.

Stoiber will noch mehr Kommerz

Stoiber, der bei Plasbergs Runde aufdrehte wie in seinen besten Bierzelt-Tagen und quasi nebenbei eine Lobeshymne auf den RB Leipzig anstimmte, litt erkennbar darunter, dass am kommenden Samstag zwar Juventus Turin und Real Madrid im Finale der Champions League stehen, nicht aber seine geliebten Bayern. „Wir müssen uns fragen, ob wir mit denen mithalten wollen oder nicht“, so Stoiber. Wenn ja, dann müsse man sich eben „nach dem Markt richten“, was wohl soviel heißen sollte wie: Noch mehr teure Stars, noch mehr Geld, noch mehr Kommerz.

Eine große Einnahmequelle der Vereine sind die Gelder des Fernsehens. So kassiert die DFL im kommenden Jahr für die Übertragungsrechte der Spiele in der 1. und 2. Bundesliga 1,16 Milliarden Euro. Welcher Club wieviel kassiert, richtet sich nach dem Tabellenplatz. Allein die ARD zahlt für Bilder in der „Sportschau“ und Reportagen im Radio um die 130 Millionen Euro. Das meiste aber kommt vom Bezahlfernsehen.

Über Fußball lässt sich noch immer am schönsten streiten

Edmund Stoiber hätte gern noch mehr Geld: „Ich würde mir wünschen, wenn Pay TV bei uns eine größere Chance bekäme.“ So wie das etwa in England oder Italien, wo Bezahlfernsehen nicht wie in Deutschland für viele als Abzocke gilt, schon lange der Fall ist. Die Gefahr, „dass sich die Leute am Fußball satt sehen“ könnten, habe er früher zwar gesehen, räumte Stoiber ein. Heute aber müsse er sich korrigieren: „Die Leute schauen leidenschaftlich Fußball.“

Fazit: Trump hin, AfD her – über nichts lässt sich in Deutschland so schön und so emotional streiten wie über Fußball. Daran scheinen auch Ablösesummen in obszöner Höhe und omnipräsente Werbung nichts zu ändern. Und man darf sicher sein: Der Fußball wird auch Helene Fischer überstehen.

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