Krimi

Deutscher Krimipreis für Oliver Bottinis neues Werk

Oliver Bottini

Oliver Bottini

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Geehrt mit dem Deutschen Krimipreis: Oliver Bottinis Politthriller „Der Tod in den stillen Winkeln des Lebens“

Auch Berufskritiker können nicht alles sofort lesen. Deshalb hat es eine Weile gedauert, bis Oliver Bottini den Spitzenplatz der Krimibestenliste erobert hat. Dass er den – wieder einmal – verdient, steht aber ganz außer Frage. Gestern nun wurde Bottini mit dem Deutschen Krimipreis des Bochumer Krimiarchivs ausgezeichnet; der internationale Preis ging an John LeCarré für „Das Vermächtnis der Spione“.

Doch muss man sich erst hineinarbeiten Bottinis neues Buch, dessen Titel sich erst später erklärt. Denn das Thema, das alle Episoden und Figuren trägt: die Strukturprobleme kleiner und großer Landwirtschaftsbetriebe, klingt zunächst weder spannend noch prickelnd. Dass es um die deutsche Nach-Wendezeit und um das postrevolutionäre Rumänien geht, birgt allerdings ein gehöriges Potential für Pleiten und krumme Geschäfte, korrupte Politiker und organisiertes Verbrechen, und eben auch für Mord und Totschlag.

Der begeisterte Landwirt Jörg Marthen ist 2005 ins südliche Rumänien ausgewandert, nachdem es nicht gelang, im heimatlichen Mecklenburg seine Existenz zu sichern. Grund und Boden der Familie war in der DDR zwangskollektiviert und nach 1989 an den gerissensten Wendehals verscherbelt worden. Mit dem Jugendfreund Winter betreibt Marthen nun im Banat seinen Betrieb – gegen Konkurrenz aus aller Herren Länder. Er selbst will aber nicht verkaufen – bis seine lebensfrohe Tochter Lisa, 18, bestialisch ermordet wird.

Mit der Aufklärung wird Kommissar Cozma betraut, der wie sein Freund „Cippo“ schon für den Geheimdienst der Diktatur tätig war und deshalb die Zwangspensionierung fürchtet. Verdächtigt wird der harmlose Freund des Mädchens, der ausgerechnet in ihre deutsche Heimat flieht – wo er dem gleichen Killer und seinen Drahtziehern zum Opfer fällt. Denn je mehr Figuren mit ihren Schicksalen, Sehnsüchten und ihrer eigenen Schuld ins Spiel kommen, um so klarer wird: Es geht immer nur um Land und Geld, um Macht und Gewalt.

Bottini hat besonders den rumänischen Teil intensiv recherchiert: also nahe an der Wirklichkeit, die persönlichen Dramen sehr kunstvoll erdacht, und beide Ebenen plausibel miteinander verknüpft. So ist das Buch Reportage, Politthriller und Familienroman zugleich: ein bisschen Wallraff, ein Hauch von le Carré und eine gute Portion vom großen Uwe Johnson – nicht nur wegen des Schauplatzes, fünf Kilometer vor Güstrow, und ein paar Figuren, die direkt aus dessen „Jahrestage“-Zyklus stammen könnten. Sondern auch wegen seiner Erzählkunst, die uns zum Mitwirken einlädt. Denn am Ende gibt es, nach all den Schrecken, für einige Figuren doch noch die Aussicht auf ein spätes Glück im „stillen Winkel des Lebens“ – aber es bleibt uns überlassen, dies auszumalen.

Alles in allem: Einfach großartig!

Oliver Bottini: Der Tod in den stillen Winkeln des Lebens. Dumont, 414 S., 22 Euro

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