Der lange Streit um von der Heydt endet

Wuppertal streicht den Vornamen "Eduard" und erinnert an die ganze Familie. Jetzt kann ein Träger des Kulturpreises 2008 bestimmt werden

Wuppertal. Der "Eduard von der Heydt-Preis" der Stadt Wuppertal wird im Herbst erstmals unter neuem Namen vergeben. Er heißt nun "Von der Heydt-Preis" und soll an die gesamte Elberfelder Bankier- und Kunstsammlerfamilie erinnern.

Es ist das Ende eines langen Streits. Die Stadt und engagierte Bürger hatten zwei Jahre lang um den Titel des Kulturpreises gerungen, der seit 50 Jahren an Menschen verliehen wird, die sich um die Stadt verdient gemacht haben oder aus ihr stammen. Der Vorwurf: Eduard von der Heydt sei Antisemit und Nazi-Helfer gewesen. Schriftsteller wie Elfriede Jelinek und Ralph Giordano und der Intendant Jürgen Flimm hatten die Umbenennung gefordert. Die Stadt verwahrte sich dagegen mit dem Argument, man wolle "die alten Preisträger nicht nachträglich beschädigen". Wegen des Streits wurde der Preis 2008 nicht vergeben.

Der Bankier Eduard von der Heydt, seit 1937 Schweizer Staatsbürger, war Kunstsammler und Mäzen. Während des Dritten Reichs und im Zweiten Weltkrieg liefen über seine Schweizer Konten Finanztransfers für die Spionageabwehr der Wehrmacht. Ein militärgerichtliches Strafverfahren, das die Schweiz auf amerikanischen Druck 1946 gegen ihn eröffnete, wurde ergebnislos eingestellt. Die amerikanische Regierung konfiszierte darauf alle amerikanischen Bankguthaben von der Heydts sowie seine umfangreiche, ans Buffalo Museum of Science ausgeliehene Kunstsammlung. Schweizer Historiker sollen recherchiert haben, dass der Bankier eine enge Freundschaft mit Hermann Göring pflegte. Wuppertal hingegen argumentierte stets, von der Heydt sei ein harmloser Mitläufer gewesen.

Von der Heydt vermachte seine Gemäldesammlung ab 1952 dem Städtischen Museum Wuppertal, das seit 1961 Von der Heydt-Museum heißt. Kritiker fordern schon länger auch für das Museum einen neuen Namen: Es solle nach dem 1933 emigrierten jüdischen Maler Jankel Adler (1895-1949) benannt werden. Das Von der Heydt-Museum verfügt über eine der reichsten internationalen Sammlungen in Deutschland. Schwerpunkte sind das Konvolut Hans von Marées, geschenkt von August von der Heydt und Geheimrat Jung, und Werke von Modersohn-Becker, Spitzweg, Corinth, Munch und Picasso, dazu eine umfassende Expressionisten-Sammlung.

Die Jury will im September den Träger des "Von der Heydt-Preises" benennen.

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