This is not a church – das ist keine Kirche. Jedenfalls nicht mehr im üblichen Sinne. Die internationale Kulturbiennale Manifesta, die bei ihrer 16. Ausgabe erstmals im Ruhrgebiet gastiert, widmet sich diesmal leerstehenden Kirchengebäuden: ehemaligen Gotteshäusern, die verlassen, entweiht und zum Teil bereits umfunktioniert worden sind.

Ein Schicksal, mit dem sich Gemeinden zunehmend auseinandersetzen werden müssen. Im Laufe der nächsten zehn Jahre wird aller Voraussicht nach die Hälfte aller Kirchen geschlossen sein. Was für manchen ein Problem darstellt, das sehen die Macher:innen der Manifesta 16 Ruhr als Chance: Vom 21. Juni bis zum 4. Oktober machen sie aus verlassenen Kirchen Kreativquartiere. Ihr Versprechen: 15 Wochen Kultur direkt in der Nachbarschaft. Und das bei freiem Eintritt.

Große Eröffnungsparty

Am Samstag, 20. Juni, von 19 bis 23 Uhr (Einlass: 18 Uhr), findet auf dem Welterbe Zollverein (Ehrenhof) die große Eröffnungsfeier statt. Eintritt frei, jeder ist willkommen. Der Abend vereint eine Vielzahl künstlerischer Stimmen aus dem Ruhrgebiet und ganz Europa, unter anderem:

» Performance von Dúo Barber-Palacios: Präsentation einer großen Glockenkomposition als Hommage an die Kirchtürme im Ruhrgebiet

» Gespräch mit Dr. Frank Dudda, Vorsitzender Verbandsversammlung RVR und des Manifesta-Aufsichtsrates
» Einführung durch Manifesta-Direktorin Hedwig Fijen
» Eröffnung durch NRW-Kulturministerin Ina Brandes
» Begrüßung durch Bärbel Bergerhoff-Wodopia, Vorstandsmitglied der RAG-Stiftung» „Glück Auf“ mit dem Ruhrkohle-Chor

» Live-Radio-Kollaboration: Cute Community Circuit featuring Başak Merev
» DJ-Sets Oda Haliti (Prishtina) und Kessler (Rotterdam)
» Foodtrucks und Bars

Zwölf Kirchen im Ruhrgebiet, bereit für ein neues Kapitel

Die Manifesta 16 Ruhr erstreckt sich über das gesamte Ruhrgebiet. Hauptveranstaltungsorte sind zwölf Kirchen in Duisburg, Essen, Gelsenkirchen und Bochum. Die meisten sind Nachkriegskirchen, erbaut in Jahren des Wiederaufbaus und danach – und entsprechend markant in ihrer Architektur. Allen ist gemein, dass es sich um sogenannte „Pantoffelkirchen“ handelt(e). Kirchen, die inmitten von Wohngebieten erbaut wurden und lange wichtige soziale Treffpunkte waren.

Diesen Gedanken greifen die rund 100 Künstler:innen der Manifesta 16 Ruhr auf, um die Menschen vor Ort zurück in die Kirchen zu holen – für Ausstellungen, Workshops, Performances. Auch langfristig: So mancher Impuls ist darauf ausgerichtet, die Häuser über die Manifesta hinaus zu bespielen. Da es hierfür auch die Initiative der Menschen aus dem Umfeld braucht, sind sie vielerorts eingeladen, Ideen einzubringen.

Ein Veranstaltungsort der Manifesta 16 Ruhr: Die ehemalige Kirche St. Anna in Gelsenkirchen wird zur Hatay Engin Music Hall. Daneben warten elf weitere Hauptstandorte - allesamt ehemalige „Pantoffelkirchen“.
Ein Veranstaltungsort der Manifesta 16 Ruhr: Die ehemalige Kirche St. Anna in Gelsenkirchen wird zur Hatay Engin Music Hall. Daneben warten elf weitere Hauptstandorte - allesamt ehemalige „Pantoffelkirchen“.© Manifesta Ruhr | Claudia Dreysse

Um diese Kirchen geht’s:

Duisburg
Kulturkirche Liebfrauen, König-Heinrich-Platz 3

Essen
St. Gertrud, Rottstraße 3 | Markuskirche, Danziger Straße 6 | St. Marien, Meersternweg 10

Gelsenkirchen
St. Bonifatius - Ferdane Satır Tea Garden, Cranger Straße 338 | Thomaskirche , Hava Güleç Living Room Surkampstraße 33 | St. Anna - St. Anna – Hatay Engin Music Hall, Kapellenstraße 6 | St. Josef, Ückendorfer Straße 124

Bochum
Christ-König, Steinring 34 | Gethsemane-Kirche, Amtsstraße 4a | St. Anna, Normannenstraße 8 | St. Ludgerus, Kaltehardtstraße 98

Workshop zur Manifesta 16 Ruhr
Das ist keine Kirche - jedenfalls nicht mehr im ursprünglichen Sinne. Künstler:innen erarbeiten Idee für künftige Nutzungen. Die Menschen vor Ort sind eingeladen, ihre Sichtweisen und Wünsche einzubringen. © Manifesta Ruhr | Charlotte Ernst

Arbeiten von über 100 Künstler:innen im Hauptprogramm

Das Programm zeigt, wie unterschiedlich diese neuen Nutzungen aussehen können. In der Bochumer St.-Ludgerus-Kirche wird das Kirchenschiff zum Basketballplatz: Wer den Korb verfehlt, bringt die Orgel zum Klingen. In Essen wird ein Beichtstuhl zur digitalen Privacy Booth, alte Kirchenbänke wachsen zu Skulpturen oder Aussichtsplattformen. In Gelsenkirchen verwandelt sich St. Bonifatius in den Ferdane Satır Tea Garden mit Kräuterspirale und Hochbeeten.

Andere Arbeiten holen die Geschichte des Ruhrgebiets in die Kirchen zurück. Es geht um Bergbau, Migration, Arbeit, Nachbarschaft und Erinnerung, aber auch um Musik, Spiel, Popkultur und gemeinsames Zusammensein und Zuhören. Fotografien türkischer Bergleute, textile Erzählungen, Klanginstallationen, Filme, Workshops und Performances machen deutlich: Die Manifesta 16 Ruhr versteht die einstigen Kirchen als offene Orte, an denen Stadtgesellschaft wieder zusammenkommen kann. Das volle Programm finden Interessierte unter diesem Link.

Manifesta Ruhr
Umfangreich, vielfältig, auf Nachhaltigkeit anlegt - das ist das Programm der Manifesta 16 Ruhr. © Manifesta Ruhr | Manifesta Ruhr

Plus: Weitere Aktionen und Spielorte im 16+-Programm

Daneben bekommt die Manifesta 16 Ruhr ein starkes Plus aus der Region. Im ergänzenden 16+-Programm zeigen lokale Künstler:innen, Initiativen und Kollektive, welche Ideen direkt vor Ort entstehen. 217 Projekte wurden eingereicht, 145 davon aus dem Ruhrgebiet. Eine Jury wählte 16 Beiträge aus, die das Programm rund um die zwölf Hauptorte erweitern.

Auch hier geht es darum, Kirchenräume neu zu denken. In Bottrop wird St. Franziskus unter dem Titel „auf.atmen“ zu einem sich wandelnden Kulturraum, bei dem Profis und Laien neue Kunstwerke erschaffen. In Oberhausen lädt die „go(o)d kitchen“ zum gemeinsamen Kochen und Bauen in die sogenannten Tafelkirche ein. In Dortmund entsteht mit „This is not a bar“ eine soziale Skulptur aus gespendeten Möbeln, Erinnerungen und Gesprächen. Und in Marl macht „Sinsen vernetzt“ mithilfe verschiedener Formate Demokratie im Alltag erfahrbar. Wobei das alles nur ein Auszug ist: Weitere 16+-Standorte finden sich in Herne, Mülheim an der Ruhr, Essen, Bochum, Gelsenkirchen und Duisburg. Es gibt in den kommenden 15 Wochen viel zu entdecken und zu erleben.

Alle Infos zur Manifesta 16 Ruhr

Zeit und Orte
Die Manifesta findet vom 21. Juni bis 4. Oktober
statt. Die Hauptveranstaltungsorte befinden sich in Duisburg, Essen,
Gelsenkirchen und Bochum. Darüber hinaus präsentiert das Manifesta 16+
Programm regionale Projekte in Bochum, Bottrop, Dortmund, Duisburg, Essen,
Gelsenkirchen, Herne, Marl, Mülheim an der Ruhr und Oberhausen.

Öffnungszeiten
Mo.: geschlossen (außer: 22. Juni, 11 bis 18 Uhr). Di. – Do.
11 bis 18 Uhr. Fr. und Sa. 11 bis 19 Uhr. So. 11 bis 18 Uhr.

Eintrittskarten
Der Eintritt zur Manifesta 16 Ruhr ist frei und für alle
offen.

Veranstaltungen
Eröffnungsevent: 20. Juni 2026. Ein umfangreiches Programm
mit Workshops, Ausstellungen, Performances, Filmvorführungen,
Podiumsdiskussionen, Familientagen, Live-Shows, Kooperationen mit regionalen
Institutionen und vielem mehr findet während des Biennale-Zeitraums statt.

Geführte Spaziergänge („Walks“)
Im Rahmen des Vermittlungsprogramms sind Gäste eingeladen,
Fragen zu stellen und miteinander ins Gespräch zu kommen. Die Manifesta 16 Ruhr
bietet Open Walks für Einzelpersonen und Group Walks an. Infos hierzu wie auch zu
Aktivitäten für Schulen und Familien finden Sie hier.

Barrierefreiheit
Alle Veranstaltungsorte sind über Rampen stufenlos
zugänglich, die meisten Hauptveranstaltungsorte rollstuhlgerecht. In einigen
Kirchengebäuden kann die Barrierefreiheit aufgrund der historischen Architektur
eingeschränkt sein. Assistenzhunde sind willkommen.

Info- und Merchandise-Points
Liebfrauenkirche, Duisburg (König-Heinrich-Platz 3)
St. Gertrud, Essen (Pferdemarkt 3)
St. Bonifatius, Gelsenkirchen (Cranger Straße 338)
Christ König, Bochum (Steinring 34).
Geöffnet fr. und sa. 11-19 Uhr und so. 11-18 Uhr (mo.-do.
geschlossen).

Anreise & Mobilität
Die Biennale lädt dazu ein, die Region entlang von Kanälen,
ehemaligen Bahntrassen und durch verschiedene Stadtviertel zu entdecken. Das
weitläufige Radwegenetz verbindet viele Veranstaltungsorte. In Essen,
Gelsenkirchen und Bochum können Gruppen ehemaliger Kirchengebäude bequem mit
dem Fahrrad erkundet werden. Verbunden sind sie über die Erzbahntrasse – eine
ehemalige Güterbahnstrecke, die heute einer der schönsten Radwege der Region
ist. Hier geht es zur interaktiven Karte.