Als die erste Extraschicht im Jahr 2001 über die Bühne ging, war die Mission klar: Einstige „verbotene Orte“ für alle zu öffnen und zu zeigen, wie die einstigen Kathedralen der Kohle- und Stahlindustrie neu genutzt werden können. Viele Zechen standen noch am Anfang ihrer Entwicklung, mancherorts wurde das Grubengold sogar noch aus der Erde geholt. Die Industriekultur steckte noch in den Kinderschuhen. Heute haben viele Standorte von Zeche Zollverein bis Landschaftspark Duisburg diese Außenwerbung kaum noch nötig, sind als Orte des Strukturwandels längst über die Grenzen des Reviers etabliert.
So wundert es nicht, dass sich die „lange Nacht der Industriekultur“ bei ihrer 24. Auflage am 27. Juni noch weiter für neue Spielstätten öffnet. Mit der Galerie Ruttkowsky in Bochum, dem Quartier rund um die Heilig-Kreuz-Kirche in Gelsenkirchen und dem Campus Duisburg kommen nun drei neue Spielorte hinzu, die mit Industrie nur wenig zu tun haben. Axel Biermann, Chef der veranstaltenden Ruhrtourismus GmbH, will die Extraschicht weiterentwickeln, ohne ihre DNA zu verändern: „Das Ruhrgebiet präsentiert sich als das, was es längst ist: eine kreative Region mit Geschichte, Herz und viel Atmosphäre.“ Und auch Garrelt Duin, Direktor des Regionalverbands Ruhr, will das Festival zwar weiterentwickeln, hält die Klammer der Industriegeschichte aber für zwingend: „Identität ist keine Folklore“, antwortet er auf die Frage, warum das Ruhrgebiet gut daran tut, seine Zechen bei der Extraschicht ins Rampenlicht zu rücken.
Zukunft braucht Herkunft, das sei von Beginn an der Leitfaden für das Festival, bei dem es in diesem Jahr wieder 40 Orte in 18 Städten zu entdecken gibt. Wir haben einige Höhepunkte abseits der großen und bekannten Spielorte zusammengestellt, die sich in diesem Jahr besonders lohnen:
Shuttlebus verbindet Spielorte
Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) setzt am 27. Juni wieder 150 Shuttlebusse ein, die die Extraschicht-Besucher im 15- bis 30-Minutentakt zu den Spielorten bringen. Das Extraschichtticket berechtigt darüber hinaus zur freien Fahrt im gesamten VRR-Gebiet und in Teilen des Münster- und Ruhr-Lippe-Lands, ganztägig bis um 7 Uhr am 28. Juni.
Theater Oberhausen
Das erst vor Kurzem mit dem Deutschen Theaterpreis ausgezeichnete Haus gewährt einen Einblick hinter seine Kulissen: Von 18.30 bis 22 Uhr gibt es Führungen durch Kostümfundus und die Maskenabteilung, dazu zeigt das Ensemble einige Ausschnitte der aktuellen Spielzeit. Da das Theater aktuell umgebaut wird, werden die Performances des Urban-Arts-Ensembles sowie Konzerte der Theaterband im pink-gelben Containerdorf gezeigt. Dazu werden Fassaden- und Technikshows Akzente setzen.
Auch interessant
Hauptbahnhöfe Essen und Bochum
Im Bochumer Hauptbahnhof öffnet sich zur Extraschicht mit „Spotlight NRW“ eine Newcomer-Bühne für Musikerinnen und Musiker aus NRW: Von 17 bis 21 Uhr gibt es dort etwa Pop mit dem Bochumer Singer-Songwriter KES oder Alternativ-Indie mit „The Glitch Youth“. In Essen geht es etwas experimenteller zu: Bei „Bahnhof Beats“ verwandeln Nachwuchstalente Geräusche von Zügen und Bahnhofshalle in Pop- und Indiesounds.
Lesen Sie auch
Berne-Park Bottrop
Die Abenteuer von Jules Verne stehen im Mittelpunkt des Programms im Berne-Park Bottrop, in dem das Abacus-Theater ein Steampunk-Szenario aus Artistik, Lichtinstallationen und Walking Acts erschafft. Außerdem erwarten die Besucher eine Feuershow und ein Feuerzirkus.
Zechenbahnhof Mooskamp, Dortmund
Der Zechenbahnhof wird zur Bühne für Weltmusik und gibt einen Ausblick auf die Internationale Gartenausstellung im nächsten Jahr: Mit historischen Straßenbahn-Oldtimern geht es in unmittelbarer Nähe zur Kokerei Hansa über den neu illuminierten Brückenzug, der direkt in den Zukunftsgarten der IGA führt, Vorgeschmack auf 2027 inklusive.
Campus Duisburg
Von 18 bis 1 Uhr öffnen sich die Labore und bieten Wissenschaft zum Anfassen, dazu treten die UDE-Bigbandits auf. Informieren können sich die Besucher etwa auf den Gebieten der KI, Robotik und Wasserstoff, Experimente sollen zeigen, wie Forschung Zukunft gestalten kann. Dazu gibt es jeweils um 19.30 und 22.30 Uhr einen Science-Slam, bei dem Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihre Arbeit verständlich und unterhaltsam erklären.
Theater an der Ruhr, Mülheim
Das Theater an der Ruhr ist wieder mit in die Spielstätten der Extraschicht aufgenommen, zwischen 18.15 und 23.15 Uhr gibt es fortlaufend Theaterführungen, dazu kommen eine Fotoausstellung im Foyer und Lichtspiele bis 2 Uhr nachts.
LWL-Museum Zeche Hannover, Bochum
Wer Comedy mag, ist bei der Extraschicht hier besonders gut aufgehoben: Helmut Sanftenschneider, René Steinberg und Kevin O‘Neil präsentieren dort jeweils um 19 und 20.30 Uhr ihre Show, dazu stehen Walking Acts, Steampunk-Lesungen und eine Feuershow auf dem Programm.
Karten für die Extraschichte kosten 22€, für Inhaber der Ruhr-Topcard 11€. Das gesamte Programm und Tickets gibt es auf www.extraschicht.de







