Die Kunstbiennale in Venedig– eine der wichtigsten Ausstellungen zeitgenössischer Kunst weltweit – steht vor einem Scherbenhaufen. Wenige Tage vor Beginn trat die internationale Jury im Streit um den Umgang mit Russland und Israel geschlossen zurück. Seit Gründung der Biennale 1895 gab es das noch nie. Die groß geplante Eröffnungsfeier fällt ebenso aus wie die übliche Vergabe der Goldenen Löwen. Preise werden jetzt erst zum Ende der Biennale im November vergeben – und zwar nicht mehr von einer Jury, sondern durch eine Abstimmung unter dem Publikum.
Die 61. Auflage geriet in die Mühlen der Weltpolitik: zunächst, weil inmitten des Ukraine-Kriegs erstmals wieder Kunst aus Russland dabei sein wird, und dann auch noch, weil die Jury vergangene Woche sowohl Russland als auch Israel von der Preisvergabe ausschloss. Zudem wird die Biennale von zwei Todesfällen überschattet: Vergangenes Jahr starb die Kuratorin der Ausstellung, Koyo Kouoh, mit 57 Jahren an Krebs. Im Februar erlag die Installationskünstlerin Henrike Naumann, die Deutschland vertreten sollte, mit erst 41 Jahren ebenfalls einem Krebsleiden. Der deutsche Pavillon wurde trotzdem nach den Ideen Naumanns und der Deutsch-Vietnamesin Sung Tieu gestaltet. Auf dem Biennale-Gelände stehen Pavillons, die von den verschiedenen Nationen genutzt werden. Vor der offiziellen Eröffnung am Samstag nächster Woche darf bereits die Fachwelt hinein.

Russland sieht die erste Teilnahme an der Biennale seit Beginn seines Angriffskriegs als Ende seiner kulturellen Isolation im Westen. Noch 2022 warfen die russischen Künstler in Venedig aus Protest gegen den Krieg hin. 2024 überließ der russische Staat seinen Pavillon aus Zarenzeiten dem Land Bolivien. Im fünften Kriegsjahr ist jede Zurückhaltung gefallen.
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Für die Ukraine und andere Russland-Kritiker ist die Kulturoffensive Teil von Moskaus hybrider Kriegsführung. Tatsächlich meinte der Museumsdirektor der Eremitage in St. Petersburg, Michail Piotrowski, einmal, russische Ausstellungen im Ausland seien eine „Art der Spezialoperation”. So wird der Krieg gegen die Ukraine in Russland offiziell genannt. In Venedig sind nächste Woche auch mehrere Demonstrationen geplant: Am Freitag soll gegen Israel protestiert werden, am Samstag gegen Russland.


