Abschiedsrunde an der Ruhr. Ein letztes Feuerwerk will Ivo van Hove zünden, dann verlässt er turnusgemäß den Intendanten-Thron bei der Ruhrtriennale. Die Eröffnungspremiere trägt seine Handschrift: Wieder ist es ein Abend mit Songs aus der Feder eines großen Pop-Komponisten. Diesmal dem, den sie das „Chamäleon des Pop“ nannten: David Bowie. Und erneut setzt Van Hove auf einen zugkräftigen Interpreten-Namen, der Publikum locken soll. Eher überraschend fiel bei der Pressekonferenz der Name Daniel Donskoy.
Angesichts der Vorgänger in der Sparte (Sandra Hüller und Lars Eidinger darf man getrost zur Champions League deutscher Mimen zählen) setzt Van Hove mit Donskoy eher auf einen smarten Paradiesvogel. Populär bei den Zuschauern von RTL wurde der Allrounder in der ulkigen Priester-Serie „Sankt Maik“, deren Folgen-Titel etwa „Schnittchen oder Flittchen“ hießen. Der Grimmepreis zeichnete Donskoys Talk über jüdisches Leben in Deutschland aus: „Freitagnacht Jews“. Auf ProSieben wurde der in London im Fach Schauspiel und Musical Ausgebildete dagegen als „Maulwurf“ in „The Masked Singer“ gefeiert.
Ruhrtriennale 2026 setzt auf David Bowie-Abend mit Daniel Donskoy
Auch interessant
„Einen der größten und visionärsten Künstler unserer Zeit“, nennt der Triennale-Intendant David Bowie und verneigt sich mit dem Abend „Rebel Rebel“ (ab 20.8.) vor einem Weggefährten: In Bowies Musical-Uraufführung „Lazarus“ führte Van Hove einst Regie; Bowies Mitstreiter der letzten Jahre Henry Hey übernimmt die musikalische Leitung.

Die Ruhrtriennale will international sein. Das kostspielige, zentral vom Land NRW getragene Festival demonstriert diesen Ehrgeiz auch 2026 in Zahlen. Der Jahrgang ruft 600 Künstler aus 43 Ländern ins Revier. Treu bleibt der Intendant indes der Konzentration auf wenige Spielorte (Jahrhunderthalle Bochum, Maschinenhalle Zweckel, Landschaftspark Duisburg, Pact Zollverein), was einmal mehr schmerzlich daran erinnert, wie etwa unter Johan Simons Orte von Dinslaken bis Marl teuer theaterfähig gemacht wurden, an denen man sich nie wieder blicken ließ. Oder wie Gerard Mortier bis ins ferne Hamm-Heessen die Netze auswarf. Geschichte.
Wer kommt noch zur letzten Saison Van Hoves (67), ehe ihn mit Lydia Steier (48) die nächste Generation ablöst? Große Namen, darunter durchaus vertraute. Stammgast Anne Teresa De Keersmaeker (ab 29.8.) kreist mit einem Abend zwischen Tanz und Chanson um den großen Jacques Brel. Opernstar Joyce DiDonato geht mit „Emily“ (ab 21.8.) auf Spurensuche nach der großen Schriftstellerin Emily Dickinson. Hermann Hesses „Siddhartha“ wird von Regisseurin Lisaboa Houbrechts zum spirituellen Musiktheater erweckt (ab 10.9.). Die Uraufführung „Stahlgipfel“ (ab 25.9.) verspricht Musiktheater „über Arbeit, Erinnerung und Solidarität“. Und mit „Europa“ (ab 28.8.) kündigt Regisseur Krzysztof Warlikowski an, eine „Tragödie von heute“ zu erzählen.

Ereignischarakter freilich hat die Einladung der Performance-Päpstin Marina Abramović . Mit „Balkan Erotic Epic“ (ab 3.9.) wird ihr bisher monumentalstes Werk angekündigt. Die Biografie der fast 80-Jährigen fließt ein; „in fieberhaften, von Urkraft getriebenen Ritualen winden sich Körper am Boden, entblößen sich dem Himmel oder erwecken die Erde“. Es warten 13 Szenen aus „Performance, Tanz und traditionellen Kehlgesang“.

Die Sparte Tanz führt in „RI TE“ (ab 22.8.) die Choreografin Marlene Monteiro Freitas und den Flamencotänzer Israel Galván zusammen, das Opera Ballet Vlaanderen ist mit den Choreografien „Landless & OPUS“ (ab 4.9.) vertreten. „AS WE ARE“ verspricht (ab 16.9.) „Widerstand und Menschlichkeit“ in Gestalt zeitgenössischen Tanzes aus Afrika.
Das Konzertangebot reicht von einem Abend im Zeichen des großen John Cage über „Ingoma! – Der Rhythmus der Revolution“ aus Ruanda bis zum bulgarischen Frauenchor Le Mystère und vergessenen Kompositions-Schätzen des 20. Jahrhunderts, die bei „Erased Music“ vom Chorwerk Ruhr unter Florian Helgath gehoben werden.
Lesen Sie auch
Die Öffnung der Ruhrtriennale auch für ein anderes Publikum zählte zu den Zielen Ivo Van Hoves. Sie zeigt sich im neuen Jahrgang nicht nur durch kostenlose Konzerte und Aktionen, sondern auch in kindgerechten Theaterangeboten. Dazu gehören mit „Waste Me – Wirf mich weg“ ein Stück über die Wegwerfgesellschaft und mit „UNIVERS“ eine Planetenreise für ganz kleine Zuschauer. Eltern, die Lust auf Theater, aber kein Kindermädchen haben, greift die Triennale ebenfalls unter die Arme: Zu ausgewählten Nachmittagsvorstellungen am „Happy Sunday“ werden Kinder von 6 bis 11 Jahren kreativ bespaßt, mit „Musik, Tanz und Spiel“.
Ruhrtriennale 2026. Die Karten
Die Ruhrtriennale geht in diesem Jahr vom 20. August bis 20. September
Karten für alle Veranstaltungen ab sofort. Wer bis zum 31. Mai seine Karten kauft, erhält 10 % Rabatt. Der Ticketshop ist online erreichbar unter www.ruhrtriennale.de; telefonisch unter 0221 280 210 (Montag bis Freitag 10 bis 18 Uhr, Samstag 10 bis 16 Uhr, Sonntag 12 bis 16 Uhr). Die Abendkasse an den Spielorten öffnet jeweils 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn.





