Er gilt als einer der wichtigsten deutschen Gegenwartskünstler, leitete viele Jahre die renommierte Düsseldorfer Kunstakademie und sorgte mit seinen Skulpturen im öffentlichen Raum auch im hohen Alter immer wieder für kontroverse Diskussionen: Markus Lüpertz. Am Samstag wird der Maler und Bildhauer 85 Jahre alt.   

Geboren wurde Lüpertz am 25. April 1941 in Liberec im heutigen Tschechien. Als er Kind war, floh die Familie nach Rheydt im Rheinland, wo Lüpertz mit 15 eine Lehre als Maler für Etiketten von Weinflaschen begann. Wegen „mangelnden Talents“ wurde er entlassen und begann eine Lehre als Gebrauchsgrafiker, die aber wegen der Pleite des Ausbildungsbetriebs ebenfalls ohne Abschluss blieb.   

Von 1956 bis 1961 besuchte Lüpertz die Werkkunstschule Krefeld. Anschließend ging er nach West-Berlin, um sich dem Militärdienst zu entziehen und sich als freier Künstler zu etablieren. Dort wohnte er mit anderen angehenden Künstlern in einer Wohnung in Schöneberg, wie er kürzlich in einem Podiumsgespräch in Hilden erzählte. Im noch vom Krieg ausgebombten Dach hätten sie sich Ateliers eingerichtet, im Winter sei es bitterkalt gewesen. „Wir haben da oben die Pinsel aus dem Eis geschlagen.“   

Zum Aufwärmen gingen die jungen Künstler oft in das nahe Lokal „Pusztastube“, wo Lüpertz nach seiner Erzählung irgendwann so hohe Schulden hatte, dass er zum Kellnern verpflichtet wurde. Dort entstand auch die Idee zur Galerie „Großgörschen 35“. Eine Gruppe von Künstlern um Lüpertz mietete in der Schöneberger Großgörschenstraße Räume für Ausstellungen an, was die etablierten Galerien den jungen Malern damals noch verwehrten. Die Resonanz war gut – und sogar die Presse berichtete. Vier Jahre später stellte Lüpertz erstmals beim Galeristen Michael Werner aus, der zuvor schon Georg Baselitz eine erste Bühne geboten hatte. Im selben Jahr, 1968, nahm Werner Lüpertz und seine Frau Jule wegen des dort lukrativeren Kunstmarkts mit nach Köln.

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Eine eigene Ikonographie aus Schneckenhäusern, Eicheln und Stahlhelmen

Eigentlich sei Werner damals hauptsächlich an seiner Frau interessiert gewesen, sagte Lüpertz vor einigen Jahren in einem Interview für ein Oral-History-Projekt am Frankfurter Städel-Museum. Tatsächlich ließ sie sich wenig später von Lüpertz scheiden und heiratete Werner – der damit zum Stiefvater für die beiden gemeinsamen Kinder wurde. Sein Galerist blieb Werner trotzdem – bis heute. Lüpertz heiratete später seine zweite Frau Dunja, mit der er drei weitere Kinder bekam, und mit der er bis heute zusammenlebt.  

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In seinen großformatigen Werken setzte Lüpertz sich anfangs vor allem mit der deutschen Geschichte auseinander. Mit seinen Schneckenhäusern, Eicheln, Stahlhelmen, Uniformen und Ähren erschuf er eine eigene Ikonografie. Ab Mitte der Achtziger beschäftigte er sich vermehrt mit antiken Themen, etwa in der Serie „Männer ohne Frauen. Parsifal“ oder „Studien zum Vater Rhein“. 

1976 wurde Lüpertz Professor an der Kunstakademie Karlsruhe und wechselte zehn Jahre später nach Düsseldorf. Dort wurde er kurze Zeit später zum Rektor berufen und blieb es bis zu seinem Ruhestand 2009. Der Führungsstil von Lüpertz, der sich stets mit Spitzbart, Anzug und elegantem Spazierstock zeigt, galt als konservativ und autoritär. Er selbst blickt hingegen mit Stolz auf diese Zeit zurück. „Ich hatte das nötige Selbstbewusstsein, ausschließlich große und bedeutende Künstlerinnen und Künstler zu berufen“, sagte er im vergangenen Jahr der Zeitung „Die Welt“.

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Für Aufregung sorgte Lüpertz seit der Jahrtausendwende immer wieder mit seinen monumentalen Skulpturen, etwa mit dem vom damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) für das Kanzleramt in Auftrag gegebenen Werk „Philosophin“. Die Aufstellung der Brunnenfigur „Aphrodite“ in der Augsburger Altstadt wurde sogar durch ein Bürgervotum verhindert, eine Mozart-Skulptur in Salzburg fiel dem Anschlag eines rechtskonservativen Aktivisten zum Opfer. Für einen mehrjährigen Rechtsstreit sorgte zuletzt ein 13 Meter hohes Fenster für die Marktkirche Hannover, das Schröder dem Gotteshaus schenken wollte. Nach einem Vergleich konnte es schließlich 2023 eingeweiht werden.

Lüpertz hat Wohnsitze in Düsseldorf, Karlsruhe und in der italienischen Toskana, zudem besaß er bis 2016 ein großes Atelier im brandenburgischen Teltow. Im Dezember 2015 brachen Unbekannte dort ein und stahlen rund 30 Zeichnungen, Aquarelle, Grafiken und Skulpturen – die rund sieben Wochen später bis auf ein Werk wieder vor seiner Tür standen. Lüpertz zog daraufhin in das 20 Kilometer entfernte, noch ländlichere Märkisch Wilmersdorf. Den Titel „Malerfürst“, der in den Medien kursiert, lehnt Lüpertz übrigens ab. „Ich bin kein Malerfürst“, sagte er den Forschenden des Städel-Museums. „An welchem Hof denn? Ich bin ein Meister.“ afp