Vielleicht kann man schon diesen Sommer in einem Joseph-Beuys-Shirt genießen oder im Herbst seinen Kaffee aus einer Tasse schlürfen, auf der steht: „Jeder Mensch ist ein Künstler“. Das sind die vielleicht eingängigsten, aber nicht die wichtigsten Folgen eines Rechtekaufs, den die Stiftung Museum Schloss Moyland nun vermelden konnte.
Für 3,25 Millionen Euro aus Landesmitteln gehen vielfältige Nutzungs- und Verwertungsrechte der Kunstwerke und des Nachlasses von Joseph Beuys an die Stiftung Museum Schloss Moyland über. Die 1990 gegründete Stiftung besitzt mit über 6000 Exponaten womöglich die größte und wichtigste Beuys-Sammlung des Frühwerks des niederrheinischen Künstlers und Düsseldorfer Kunstprofessors.

Indes: Bei jeder Nutzung musste sie die Künstlererben, vertreten durch den Joseph-Beuys-Estate, um Erlaubnis fragen. Ein ständiger Zankapfel, wie sich in den folgenden Jahren zeigte. Immer wieder mussten wegen Einsprüchen der Erben kurzfristig Ausstellungen abgesagt und Kataloge eingestampft werden.
Vor vier Jahren noch stoppte Eva Beuys, Witwe des 1986 verstorbenen Künstlers, einen Bildband mit Beuys-Fotografien der Wuppertaler Fotografin Ute Klophaus. 2010 ließ sie gerichtlich Fotos einer Beuys-Kunstaktion aus einer Ausstellung entfernen. Bis zum Bundesgerichtshof stritten sie um Ausstellungsrechte.
Es war also ein langes und zähes Ringen um die Vertragsgestaltung, das nun zu einem glücklichen Ende kam. Der Vertrag gilt als nicht weniger als ein Meilenstein für die Kunstgeschichte, ermöglicht er es doch erstmals, den Schatz der Stiftung Schloss Moyland endlich zu heben und ans Tageslicht zu holen.

Der Rechtsnachfolger des Künstlers ist der „Joseph-Beuys-Estate“ als Erbengemeinschaft. Dieser ließ verlauten: „Die nun geschlossene Vereinbarung ist Ausdruck unseres Vertrauens darauf, dass das Museum die fruchtbare Zusammenarbeit zwischen dem Joseph-Beuys-Estate und der Stiftung Museum Schloss Moyland im Sinne des Künstlers weiter fortschreiben wird.“
Beuys-Sammlung Schloss Moyland: Werke erstmals umfassend nutzbar
Glücksgefühle auch bei der künstlerischen Leiterin des Museums Schloss Moyland, Antje-Britt Mählmann: „Unser Team hier schwebt über allen Wolken. Die Vereinbarung ist ein Befreiungsschlag für unsere Beuys-Sammlung. Sie ist eine der besten und größten der Welt, aber war bislang weitgehend geheim.“ Nun könne man sie erschließen, einen Online-Katalog der Werke des bedeutendsten niederrheinischen Künstlers anlegen. Es gebe bereits jetzt etliche Forschungsanfragen.
Die Stiftung Museum Schloss Moyland könne nun unter anderem Vervielfältigungen der Werke herstellen, Abbildungen in Büchern veröffentlichen, Bild- und Tonträger produzieren sowie Merchandise-Artikel für den Shop erstellen. Auch die Nutzung für Marketing- und Werbezwecke sowie für Webseiten und Social Media ist künftig zulässig.

Das Museum Schloss Moyland wird nun auch als Leihgeber fungieren können. Im Herbst 2027 sei eine erste größere Ausstellung mit Moyländer Beständen in den Hamburger Deichtorhallen geplant, so Antje-Britt Mählmann. Ebenso sei man in Gesprächen mit Ausstellungsmachern in den Niederlanden. Auch auf der nächsten Biennale in Venedig werde die Beuys-Sammlung mit Arbeiten vertreten sein.
Ina Brandes, Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes: „Wir sind Eva Beuys und dem Beuys Estate sehr dankbar für diese faire Vereinbarung, die wir alle gut tragen können“, so die CDU-Politikerin. Museum und Wissenschaft würden durch die neu erworbenen Rechte deutlich vorangebracht.
Moyland-Sammlung geht auf Reisen: Kooperationen mit Deichtorhallen und Biennale geplant
Eine Position, die auch der Landrat des Kreises Kleve, Christoph Gerwers, unterstrich: „Das ist ein starkes Zeichen der Wertschätzung. Es zeigt, dass Schloss Moyland nicht nur ein Ort des Bewahrens ist, sondern es macht Moyland zu einem der wichtigsten Standorte in Sachen Beuys, und den Kreis Kleve überregional bekannt.“
Der Bürgermeister von Bedburg-Hau, Stephan Reinders, betonte: „Das Museum Schloss Moyland bringt hier die Menschen zusammen, lokal wie international. Joseph Beuys hat Kunst immer auch als ein ‚Miteinander gestalten‘ begriffen, genau das wird durch die Nutzungsrechte wieder möglich. Das ist ein guter Tag für Bedburg-Hau. Es ist schließlich unsere Kunst, die hier gezeigt wird. Beuys war schließlich Niederrheiner.“ Wäre vielleicht ja auch ein Forschungsthema: Wie sehr sich Joseph Beuys als Niederrheiner verstanden und gefühlt hat und wie sehr als Künstler von Weltrang, der er am Ende war.



