Zusammenfassung

  • Die Shortlist für den Literaturpreis Ruhr 2025 besteht ausschließlich aus Autorinnen, die mit ihren Werken Geschichten aus dem Ruhrgebiet und darüber hinaus erzählen.
  • Fünf herausragende Bücher, darunter Çiğdem Akyols „Geliebte Mutter“ und Annika Büsings „Wir kommen zurecht“, konkurrieren um den mit 15.000 Euro dotierten Hauptpreis.
  • Die Gewinnerin wird am 10. September 2025 im Lehmbruck Museum in Duisburg bekannt gegeben.

Das gab‘s noch nie: Auf der gerade veröffentlichten Shortlist für den Literaturpreis Ruhr stehen ausschließlich Autorinnen. Fünf aktuelle Bücher gehen in das Rennen um den mit 15.000 Euro dotierten Hauptpreis. Nominiert sind Çiğdem Akyol für „Geliebte Mutter“, Ines Habich-Milović für „Dein Vater hat die Taschen voller Kirschen“, Mascha Unterlehberg für „Wenn wir lächeln“, Annika Büsing für „Wir kommen zurecht“ und Judith Kuckart für „Die Welt zwischen den Nachrichten“.

In der Jury des Hauptpreises sitzen in diesem Jahr Christa Becker-Lettow vom Regionalverband Ruhr, Cathrin Brackmann, Literaturexpertin bei WDR 4, Autor und Kabarettist Frank Goosen, Literaturwissenschaftler Peter Goßens sowie Buchhändler Patrick Musial.

Der Literaturpreis Ruhr gilt als wichtigste ideelle und materielle Auszeichnung für Schriftstellerinnen und Schriftsteller, die im Ruhrgebiet leben sowie für Autorinnen und Autoren von außerhalb, die über die Region schreiben. Er wird seit 1986 jährlich vom Regionalverband Ruhr vergeben und vom Literaturbüro Ruhr organisiert. 55 literarische Werke aus unterschiedlichen Genres standen auf der Leseliste der Jury. Wer den Hauptpreis gewinnt, wird während der Gala am 10. September im Lehmbruck Museum in Duisburg bekannt gegeben. Die Nominierten und die Kurzbegründung der Jury:

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1. Çiğdem Akyol: „Geliebte Mutter“

„Furchtlos und sprachlich virtuos erzählt Çiğdem Akyol in ihrem Debüt von einer Familie zwischen Istanbul und Herne in Almanya, von enttäuschten Hoffnungen, Gewalt – und der großen Sehnsucht nach Freiheit“, lobt die Jury das Werk der in Herne geborenen Autorin Akyol. Darin fürchtet ihre Protagonistin Meryem, ihre geliebte Mutter könnte den Vater nach vielen Jahren unglücklicher Zwangsehe mit Benzin übergießen und anzünden.

Steidl-Verlag, 240 Seiten, ISBN 978-3-96999-402-3, 24 Euro

2. Annika Büsing: „Wir kommen zurecht“

„Wieder ist Annika Büsing ein herausragender Coming-of-Age-Roman gelungen; diesmal gewährt sie Einblicke in eine verschlossene Teenagerseele. Ein leises Buch, das noch lange nachhallt“, schreibt die Jury. Nah an den Protagonisten erzählt sie von einer fast normalen Familie, die von der psychischen Erkrankung der Mutter beinahe erdrückt wird, und vom achtzehnjährigen Sohn Philipp, der sich entscheiden muss, unsichtbar zu bleiben oder für sich selbst einzustehen. Die Bochumer Autorin wurde bereits im Jahr 2022 für ihr Debüt „Nordstadt“ mit dem Literaturpreis Ruhr ausgezeichnet.

Steidl-Verlag, 288 Seiten, ISBN 978-3-96999-454-2, 24 Euro

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3. Ines Habich-Milović: „Dein Vater hat die Taschen voller Kirschen“

Die Jury schreibt in ihrer Kurzbegründung: „Ines Habich-Milovic ist mit ihrem ersten Roman eine figurensatte Familiengeschichte gelungen, die zwischen Montenegro und dem Ruhrpott Funken schlägt. Ein interkultureller Parforceritt durch die Jahrzehnte, von den Stufen einer orthodoxen Kirche in Montenegro über die Clubs in Bochum in den Achtzigern und Neunzigern hinein in eine europäische Kleinfamilie der Jetztzeit. Das ist plastisch und präzise erzählt, ebenso emotional wie unterhaltsam.“

Rowohlt, 304 Seiten, ISBN: 978-3-7371-0212-4, 24 Euro

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4. Judith Kuckart: „Die Welt zwischen den Nachrichten“

Judith Kuckart ist Schriftstellerin, Regisseurin, Tänzerin und Choreografin. Und so ist ihr Buch „Die Welt zwischen den Nachrichten“ weit mehr als ein autofiktionaler Roman. Die Jury schreibt: „Es ist eine zarte und gleichzeitig kraftvolle Einladung zu einem poetischen Tanz durch ein „normales“ Leben entlang des großen Weltgeschehens seit den 1960er Jahren – ein Schweben durch die Geschichte, das unweigerlich die eigenen Erinnerungen weckt.“ Kuckart, die in Schwelm aufgewachsen ist und heute in Berlin wurde schon im Jahr 2009 mit dem Literaturpreis Ruhr ausgezeichnet.

DuMont, 192 Seiten, ISBN: 978-3-8321-6846-9, 24 Euro

5. Mascha Unterlehberg: „Wenn wir lächeln“

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In ihrem Debütroman erzählt die Mülheimerin die Geschichte von Anto und Jara: Zwei Mädchen aus unterschiedlichen Milieus, die eine intensive Freundschaft verbindet. Ihre Nächte sind geprägt von rebellischer Euphorie, Alkohol, krimineller Energie – und dem Gefühl, unverwundbar zu sein. Dann verschwindet Anto nach einer Gewalttat, und alles wird neu verhandelt. „In knappen Sätzen beschreibt Mascha Unterlehberg mitreißend das Erwachsenwerden zwischen Wut, Schwesternschaft und Sehnsucht“, schreibt die Jury in ihrer Kurzbegründung.

DuMont, 256 Seiten, ISBN: 978-3-7558-1080-3, 23 Euro