Das Bochumer Zentrum für Stadtgeschichte ist zwar riesig, aber doch eher unscheinbar. An diesem sonnigen Frühsommertag spiegelt sich der wolkenlose Himmel in der gläsernen Front. So verschwimmt das Stadtarchiv förmlich mit seiner Umgebung – harsche Kanten verschwinden im ewigen Himmelblau. Gut getarnt, könnte man sagen. Damit hat das Gebäude eine Gemeinsamkeit mit dem Aston Martin V12 Vanquish, den James Bond in „Stirb an einem anderen Tag“ fährt. Auf Knopfdruck lässt eine adaptive Tarnung das gute Stück unsichtbar werden.
Der Vergleich mit dem wohl berühmtesten Geheimagenten der Welt mag im ersten Moment ein bisschen weit hergeholt sein. Wer allerdings in den nächsten Wochen einen Fuß ins Stadtarchiv setzt, merkt schnell, dass 007 näher ist als gedacht. „Liebesgrüße aus Wattenscheid“ heißt die kleine aber feine Sonderausstellung im Foyer und hier ist der Name Programm. Der Bond-Club-Wattenscheid hat eine Schau zusammengestellt, die die enge Verbundenheit zwischen James Bond und Bochum-Wattenscheid zeigt.
James Bond: Versehentlich in Wattenscheid geboren
Der beste Beweis dafür liegt in einer der zahlreichen Vitrinen. Es ist die Replika von einem Ausweis, der Sean Connerys Version des Spions gehörte. Rechts ist fein säuberlich ein Bild des jungen Sean Connerys in seiner Paraderolle zu sehen, schwarz-weiß versteht sich. Rechts stehen die Ausweis-typischen Infos – auch der Geburtsort. In dem Fall ist es Wattenscheid. Einen Auftritt hatte das gute Stück im Film „Liebesgrüße aus Moskau“.
Doch warum erblickte James Bond am 11. November 1920 ausgerechnet in Wattenscheid das Licht der Welt? Damals war der heutige Ortsteil übrigens noch ein eigener Ort und noch nicht eingemeindet. „Man muss die Historie von Deutschland beachten, wenn man diese Frage beantworten möchte“, weiß Bond-Club-Vorsitzender Tobias Schwesig, der ebenfalls durch und durch Wattenscheider ist. „1920 war das Ruhrgebiet Angelpunkt der Stahlindustrie und Rüstungsindustrie.“ Außerdem gab es nach dem Ersten Weltkrieg noch eine alliierte Besetzung hier in der Region. Und zu der gehörte, laut James-Bond-Biograf John Pearson, selbst enger Mitarbeiter von Bond-Erfinder Ian Fleming, auch der Vater des berühmten Agenten. Andrew Bonds Mission: die Zerschlagung des Krupp-Konzerns. Seine Schweizer Frau Monique wollte ihren gemeinsamen Sohn eigentlich in Großbritannien zur Welt bringen, aber ein Eisenbahner-Streik kam dazwischen, und so wurde Baby James am 11. November 1920 quasi versehentlich Deutscher. Vier Jahre lebte die Familie laut Pearson noch im Ruhrgebiet, bevor es nach Ägypten ging
Bond-Club-Wattenscheid: Einige 100 Exponate im Fundus
Allein die Tatsache, dass James Bond seine vier frühsten Lebensjahre in Wattenscheid verbrachte, löst im Stadtteil regelmäßig einen neuen Hype rund um den Geheimagenten aus. 2020, zum 100. Geburtstag des Spions, gab es verschiedene Aktionen in der ganzen Stadt: Großplakate und Zeitungsanzeigen mit Geburtstagsglückwünschen, eine Postkarten-Edition, eine Homepage und Bond-Bier. Seit diesem Geburtstagsjahr gab es auch den Bond-Club-Wattenscheid.
„Mittlerweile haben wir einige 100 Exponate in unserem Fundus“, erklärt Schwesig, der seitdem er den Film „Goldfinger“ gesehen hat, von 007 gefesselt ist. Zu den Highlights der neuen Ausstellung gehören – neben eben jener Ausweis-Replika – unter anderem auch eine Replika von Oddjobs berühmten Hut. Der Zylinder von Goldfingers-Handlanger hat Stahlklingen in seiner Krempe verbaut, mit denen er zielsicher seine Opfer ausschalten kann. Wem das noch nicht gruselig genug ist, der muss sich im Foyer nur einmal umdrehen und schon starrt Safin‘s schneeweiße Maske Besucherinnen und Besucher aus einer Vitrine heraus an. Hinter ihr versteckte sich in den ersten Sequenzen des Films „Keine Zeit zu sterben“-Schauspieler Rami Malek.
Auch ein Geheimagent steht auf Fast Food
Aber natürlich gibt es auch viele Ausstellungsstücke, die an James Bonds Verbindung zu Wattenscheid erinnern. Hinter der schaurigen Maske mit den blutroten Lippen hängen Karikaturen von Oli Hilbring. Eine zeigt James Bond samt dem berühmten Aston Martin DB5 neben dem großen goldenen „M“ einer bekannten Fastfood-Kette. Autofahrerinnen und Autofahrer, die schon mal auf Höhe der Ausfahrt „BO-Dückerweg“ in einem der berühmten A40-Staus standen, werden dieses goldene „M“ kennen.
An der Wand gegenüber, direkt hinter Oddjobs Hut hängt ein handgemaltes Plakat, das Timothy Dalton in „Lizenz zum Töten“ zeigt. „Das stammt aus dem Fundus des Stadtarchivs. Es hing in einem Bochumer Kino“, weiß Schwesig. In der kleinen Ausstellung, die mit viel Liebe auf die Beine gestellt wurde, findet sich also nicht nur englische Eleganz und ein Hauch des Mysteriums, das James Bond umgibt, sondern auch jede Menge Lokalkolorit.
Öffnungszeiten der Ausstellung
Zu sehen ist „Liebesgrüße aus Wattenscheid“ im Foyer des Bochumer Stadtarchivs noch bis Ende Juli. Der Eintritt ist frei. Besucherinnen und Besucher können die Ausstellung von Di-Fr 10-18 Uhr sowie am Sa+So 11-17 Uhr sehen.