Unten der Platz der Deutschen Einheit, oben das Denkmal für die Gastarbeiter. Und Gastarbeiterinnen, das ist den Machern wichtig. Lange brütete ein Beirat in Dortmund über mehr als 100 Entwürfen für ein Monument, nun entschieden sich Jury und Stadtrat gleich für zwei Kunstwerke: Direkt gegenüber dem Hauptbahnhof sollen „Arbayt“ und „Mosaik der Kulturen“ schon bald an die Geschichte der Gastarbeiter erinnern. Damit bekommt Dortmund als erste Stadt im Ruhrgebiet ein Gastarbeiter-Denkmal.

Adresse Katharinenstraße, das ist ein bislang recht leerer Platz im Herzen der Stadt. Links die Bibliothek, rechts das Fußballmuseum, geradeaus eine monströse Treppe hinauf: Hier wird das „sogenannte Gastarbeiter*innen-Denkmal“ stehen, wie es Bürger und Beirat am liebsten nennen. Die Entscheidung in Dortmund fiel nach vielen Bürgergesprächen, Erzählcafés und Jurysitzungen, nach einer Idee eines Gastarbeiterkindes dritter Generation, Dominik De Marco.

Geschichte der Gastarbeiter neu erzählt

Die Idee dahinter: die Stadt- und auch die deutsche Geschichte auch unter diesem Aspekt weiterzuerzählen. Von Menschen, die Teil der deutschen Historie sind, auch der des Wiederaufbaus. Davon, wie sie auch ihr Herkunftsland unterstützten, wie es vermissten. Wie sie eine neue Heimat fanden und in der alten Urlaub machten. Viele dieser „Gastarbeiter“ und ihrer Nachkommen mögen den Begriff nicht und wissen doch keinen anderen. „Der Gedanke, sie seien nur hergekommen, um wieder zu gehen, ist nicht genug“, sagt Ayse Kalmaz, von der Stadt Dortmund mit dem Beteiligungsprozess für das Denkmal beauftragt.

„Arbayt“ von der Braunschweigerin Esra Oezen ist eine Bodeninstallation aus verschiedenen Wörtern, die für das Leben der ersten Generation der Gastarbeiter stehen. Dabei werden deutsche Begriffe in türkischer, italienischer, portugiesischer, arabischer, serbokroatischer, griechischer oder spanischer Lautschrift auf in den Boden eingelassene Steine geschrieben. „Mosaik der Identitäten“ des Berliner Künstlers Raimund Schucht ist nach Angaben der Stadt „eine Skulpturengruppe mit farbenfrohen Turmformen, traditionellen Mustern und Materialien aus den Herkunftsländern“.

„Arbayt“ soll sich entlang der Katharinenstraße erstrecken

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Für die Künstlerin zeigt „Arbayt“, wie sich die Menschen der für sie fremd klingenden deutschen Sprache angenähert und sich diese angeeignet haben. „Das Kunstwerk soll sich entlang der Katharinenstraße erstrecken. Es bildet den Boden, der uns alle trägt“, heißt es unter anderem in der Begründung der Jury.

So sieht einer der beiden Siegerentwürfe aus: „Arbayt“ von Esra Oezen nähert sich der Gastarbeitergeschichte vor allem über die Sprache an.
So sieht einer der beiden Siegerentwürfe aus: „Arbayt“ von Esra Oezen nähert sich der Gastarbeitergeschichte vor allem über die Sprache an.© Stadt Dortmund | Roland Gorecki

Für Kunstwerke stehen rund 200.000 Euro zur Verfügung

Das sind die Entwürfe für das Gastarbeiterdenkmal in Dortmund

Mit Bronzestühlen wollen die Berliner Maria Vill und David Mannstein die Menschen in der Dortmunder Innenstadt einladen, miteinander ins Gespräch zu kommen.
Mit Bronzestühlen wollen die Berliner Maria Vill und David Mannstein die Menschen in der Dortmunder Innenstadt einladen, miteinander ins Gespräch zu kommen.© Stadt Dortmund | Roland Gorecki
„Arbayt - Denkmal für Gastarbeiter*innen“ heißt dieser Entwurf der Braunschweigerin Esra Oezen. Sie möchte damit kein „erhabenes Denkmal“ schaffen sondern eines, das zur Auseinandersetzung einlädt. Dabei spielt es vor allem mit Sprachen verschiedener Herkunftsländer.
„Arbayt - Denkmal für Gastarbeiter*innen“ heißt dieser Entwurf der Braunschweigerin Esra Oezen. Sie möchte damit kein „erhabenes Denkmal“ schaffen sondern eines, das zur Auseinandersetzung einlädt. Dabei spielt es vor allem mit Sprachen verschiedener Herkunftsländer.© Stadt Dortmund | Roland Gorecki
Mit „The Source. Ein Brunnen“, hat der Düsseldorfer Friedrich Ludmann seine Vision eines Gastarbeiterdenkmals überschrieben. Der Brunnen bzw. das Bassin von „The Source“ besteht aus einem modellartigen Zechenförderturm, der  dem Doppelbockturm der Zeche Gneise-
nau in Dortmund-Derne nachempfunden ist. Der Rahmen des Brunnens bietet Sitzgelegenheiten.
Mit „The Source. Ein Brunnen“, hat der Düsseldorfer Friedrich Ludmann seine Vision eines Gastarbeiterdenkmals überschrieben. Der Brunnen bzw. das Bassin von „The Source“ besteht aus einem modellartigen Zechenförderturm, der dem Doppelbockturm der Zeche Gneise- nau in Dortmund-Derne nachempfunden ist. Der Rahmen des Brunnens bietet Sitzgelegenheiten.© Stadt Dortmund | Roland Gorecki
„Gast“ heißt dieses Werk von Burak Güller aus Wuppertal: „Der Entwurf wurde bewusst so gewählt, dass er sich von traditionellen Denkmälern abhebt und zu einem lebendigen Ort der Begegnung und des Austauschs wird“, schreibt der Künstler zu seiner Idee.
„Gast“ heißt dieses Werk von Burak Güller aus Wuppertal: „Der Entwurf wurde bewusst so gewählt, dass er sich von traditionellen Denkmälern abhebt und zu einem lebendigen Ort der Begegnung und des Austauschs wird“, schreibt der Künstler zu seiner Idee.© Stadt Dortmund | Roland Gorecki
„Leuchtturm-Denkmal für Gastarbeiter*innen“ hat Maria Fernandez aus Aldenhoven ihren Entwurf genannt. Das Kunstwerk soll „eine Hommage und ein Ausdruck der Dankbarkeit“ allen Gastarbeiterinnen und Gastarbeitern gegenüber sein.
„Leuchtturm-Denkmal für Gastarbeiter*innen“ hat Maria Fernandez aus Aldenhoven ihren Entwurf genannt. Das Kunstwerk soll „eine Hommage und ein Ausdruck der Dankbarkeit“ allen Gastarbeiterinnen und Gastarbeitern gegenüber sein.© Stadt Dortmund | Roland Gorecki
„Es kamen Menschen!“, haben die Berliner Maria Vill und David Mannstein ihren Entwurf genannt. Insgesamt 15 unterschiedliche und aus Bronze gegossene Stühle sollen dazu einladen, miteinander ins Gespräch zu kommen. Mit Hilfe eines QR-Codes gelangt man direkt zu einer Website, auf der unterschiedliche Gastarbeiterschicksale erzählt werden.
„Es kamen Menschen!“, haben die Berliner Maria Vill und David Mannstein ihren Entwurf genannt. Insgesamt 15 unterschiedliche und aus Bronze gegossene Stühle sollen dazu einladen, miteinander ins Gespräch zu kommen. Mit Hilfe eines QR-Codes gelangt man direkt zu einer Website, auf der unterschiedliche Gastarbeiterschicksale erzählt werden.© Stadt Dortmund | Roland Gorecki
„Mosaik der Identitäten“ heißt dieser bunte Entwurf des Berliner Künstlers Raimund Schucht. Mit dem Ensemble soll ein „positives und vielfältiges Bild von Migration und kultureller Vielfalt“ gezeigt werden, schreibt Schucht.
„Mosaik der Identitäten“ heißt dieser bunte Entwurf des Berliner Künstlers Raimund Schucht. Mit dem Ensemble soll ein „positives und vielfältiges Bild von Migration und kultureller Vielfalt“ gezeigt werden, schreibt Schucht.© Stadt Dortmund | Roland Gorecki
„Das große Tor - Die Reise der Gastarbeiter*innen“, hat Marbod Fritsch aus Bregenz seine Hommage genannt. Das Werk soll durch seine Größe und Symbolkraft Aufmerksamkeit wecken und eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart schlagen.
„Das große Tor - Die Reise der Gastarbeiter*innen“, hat Marbod Fritsch aus Bregenz seine Hommage genannt. Das Werk soll durch seine Größe und Symbolkraft Aufmerksamkeit wecken und eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart schlagen.© Stadt Dortmund | Roland Gorecki
„Zusammen wachsen und hinein hören“, dafür soll diese Idee von Rahel Seitz aus Egeisbach und Franz Schrock aus Kempten stehen. Ausgehend von dem Max Frisch-Zitat „Man hat Arbeitskräfte gerufen und es kamen 
Menschen“ soll in der Dortmunder Innenstadt ein Gewächshaus mit Pflanzen entstehen, die typisch für die Herkunftsländer sind.
„Zusammen wachsen und hinein hören“, dafür soll diese Idee von Rahel Seitz aus Egeisbach und Franz Schrock aus Kempten stehen. Ausgehend von dem Max Frisch-Zitat „Man hat Arbeitskräfte gerufen und es kamen Menschen“ soll in der Dortmunder Innenstadt ein Gewächshaus mit Pflanzen entstehen, die typisch für die Herkunftsländer sind.© Stadt Dortmund | Roland Gorecki

Weil beide gut zusammenpassten, das eine „leise“, das andere „laut“, wurde entschieden, auch eine zweite Arbeit zu verwirklichen. „Mosaik der Identitäten“ ist ein knallbunter Entwurf des Berliner Künstlers Raimund Schucht. „Das Skulpturen-Ensemble soll ein positives und vielfältiges Bild von Migration, kultureller Vielfalt und der Dynamik des Kulturmixes von Dortmund zeigen“, heißt es seitens der Stadt. Das Werk zeige Zitate, Muster und Materialien aus den Ursprungsländern der Migrantinnen und Migranten. „Die Kombination macht‘s“, sagt Ayse Kalmaz.

Bei der Gestaltung des Denkmals wurden Familien mit Gastarbeiter-Biografie in den Prozess einbezogen. Im Beirat saßen Frauen und Männer aus unterschiedlichen Herkunftsländern und aus verschiedenen Gastarbeiter-Generationen. Sie wollen ihre Zuwanderungsgeschichte neu erzählen, die Debatte über das Denkmal auch weiter führen; es soll nicht statisch sein. Lesen Sie hier einige ihrer Geschichten:

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Für die bauliche Umsetzung einschließlich der Honorare für die Künstler stehen bis zu 200.000 Euro zur Verfügung. Mit dem Aufbau der Werke soll noch in diesem Jahr begonnen werden.