Für Garrelt Duin, Direktor des Regionalverband Ruhr, ist die Extraschicht ein „emotionaler Tag, wie der Feiertag fürs Ruhrgebiet“. Nun muss man im eher bescheidenen Revier mit Superlativen vorsichtig sein und dennoch: Zu keiner anderen Zeit des Jahres wird der rote Faden sichtbarer, der diese nur wegen ihrer gehobenen Bodenschätze zwangsverheiratete Region verbindet.

35 Spielorte in 18 Städten schließen sich am 28. Juni von 18 bis 2 Uhr wieder zur langen Nacht der Industriekultur zusammen. Ehemalige Industrieanlagen – davon allein 13 mit Bergbauvergangenheit – Museen und Kulturstätten bieten dann wieder Musik, Kleinkunst, Comedy, Lichtinstallationen und spektakuläre Aussichten. Die wichtigsten Fragen und Antworten rund um die mittlerweile 24. Ausgabe der Extraschicht.

Welche neuen Spielorte sind dabei?

Mit der Kampfbahn Glückauf als Schalker Traditionsort in Gelsenkirchen und dem Speicher100 als jungem Kreativort im Dortmunder Hafen setzen die Verantwortlichen der Ruhrtourismus GmbH zwei bemerkenswerte neue Ankerpunkte. Fußball-Fans können sich auf einen Legendenabend mit Schalker Spielern der Vizemeister- und Pokalmannschaft von 1971/1972 freuen. Eröffnet wird der Abend dort - natürlich - um 19.04 Uhr mit einem Auftritt des Knappenchors Consolidation. Im Speicher100 hingegen sollen vor allem jüngere Extraschichtbesucher Inspiration finden: Dort legt von 18 bis 1 Uhr das Kollektiv „All The Time“ auf, dazu gibt es verschiedene Live-Acts und eine große Ausstellung regionaler Künstlerinnen und Künstler, die zeitgeistige Malerei, Fotografie und Videokunst präsentieren. Mit dabei als Spielorte sind außerdem auch wieder Hauptbahnhöfe: In Essen treten den gesamten Abend über Live-Musiker auf, darunter die „Family of Joy“-Gospelsingers und Rob Sure mit seinen E-Drums. In Bochum liefern regionale 3x3-Basketballteams einen Vorgeschmack auf die FISU World University Games und spielen ein kleines Turnier.

Was sind die Programm-Highlights?

„Pottfluencer“ Daniel Aßmann tritt auf der Neuen Zeche Westerholt auf.
„Pottfluencer“ Daniel Aßmann tritt auf der Neuen Zeche Westerholt auf.© IMAGO/BREUEL-BILD | IMAGO

Ein Höhepunkt erwartet die Gäste der Neuen Zeche Westerholt zwischen Gelsenkirchen und Herten: 18 Artistinnen und Artisten erwecken die Wände der früheren Schwarz- und Weißkauen in einer eigenes dafür entwickelten Choreografie zum Leben. In den Herner Flottmann-Hallen und im Skulpturenpark verbinden Urbanatix und das Theater Kohlenpott in einer Koproduktion Schauspiel, Tanz und Jonglage. Und wer spektakuläre Illuminationen und Gänsehautmomente sucht, dem sei das Bergbaumuseum Bochum empfohlen: Der frisch renovierte Doppelbock wird nach einjähriger Baustellen-Zwangspause spektakulär beleuchtet. Höhepunkt dort bildet eine musikalische Lasershow, jeweils um 23 und 1 Uhr. Dabei hat sich Laser- und Lichtkunst insgesamt durchgesetzt: „Echtes“ Feuerwerk gibt es nur noch an zwei Standorten, der Zeche Ewald in Herten und am Schacht Rheinpreussen IV in Moers.

Wer sich gerne verzaubern lässt, wird im Bottroper Bernepark fündig: Ein Team des Zirkus Casselly verwandelt das weitläufige Gelände mit einem Mix aus Jonglage, Akrobatik und Hula Hoop in einen nostalgischen Jahrmarkt. Zudem wurde in diesem Jahr das Comedy-Programm deutlich ausgeweitet: Pottfluencer Daniel Aßmann tritt auf der Neuen Zeche Westerholt auf, Dave Davis steht am Rheinpreussen Schacht IV in Moers auf der Bühne.

Wie plane ich meine persönliche Extraschicht?

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Ruhrtourimus-Chef Axel Biermann empfiehlt, sich maximal drei Spielorte vorzunehmen: „Am einfachsten ist es, direkt um 17 Uhr am gewünschten Spielort zu sein und sich von da langsam wieder nach Hause treiben zu lassen.“ Das Programmheft mit allen Veranstaltungen liegt schon jetzt an allen teilnehmenden Spielorten sowie zahlreichen Vorverkaufsstellen aus. Außerdem soll es eine App geben, die den Nutzerinnen am Abend der Extraschicht über ein Ampelsystem mitteilt, wie voll die jeweilige Spielstätte gerade ist. Alle Informationen zu den Veranstaltungen gibt es außerdem auf extraschicht.de.

Wie komme ich am Extraschicht-Abend von A nach B?

Wer ein Extraschicht-Ticket hat, darf am Extraschichttag bis einschließlich 7 Uhr am Folgetag kostenlos Bus und Bahn fahren innerhalb des Verkehrsverbunds Rhein-Ruhr. Neben kostenlosen Shuttlebussen weitet der VRR zur langen Nacht der Industriekultur außerdem seine Zeiten aus und intensiviert auch den U- und S-Bahnverkehr auf einigen Linien. 18.000 Kilometer legen die Fahrerinnen und Fahrer nach Angaben von VRR-Chef Oliver Wittke an dem Abend zurück. Wer die Extraschicht mit Bewegung verbinden möchte: Eigens für die Nacht der Industriekultur wurden 13 Radrouten ausgearbeitet, dazu gibt es viele bewachte Fahrradstellplätze an den Spielorten.

Wie teuer sind die Extraschicht-Tickets und wo bekomme ich sie?

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Tickets kosten 22 Euro, ermäßigt 17 Euro. Besitzer der Ruhrtopcard zahlen bis zum 27. Juni nur elf Euro. An der Abendkasse kostet das Ticket 25 Euro. Wer nur einen Spielort besuchen möchte, zahlt 15 Euro. Tickets gibt es online auf extraschicht.de sowie an allen teilnehmenden Spielorten.