Ist die Selbstbestimmung der Frau die Lösung, um Parallelgesellschaften abzuschaffen? Mit der Frage beschäftigt sich das Theater an der Ruhr am 27. April im Rahmen der Reihe „Parole Transparenz“. Zu Gast ist die türkische Frauenrechtlerin, Anwältin und Autorin Seyran Ateş. Moderiert wird der Abend vom Berliner Schriftsteller Ralph Hammerthaler.

Eine Parallelgesellschaft ist eine Gruppe, die sich von der Mehrheit abgrenzt und ein eigenes Wertesystem befolgt. Der Begriff taucht immer wieder im Rahmen der öffentlichen Integrationsdebatte auf. Für Ateş sind Parallelgesellschaften das größte Problem multikultureller Gemeinschaften. Sie würden durch falsch verstandene Toleranz gestärkt, besonders in fundamentalistischen Glaubensgruppen. Zum Beispiel erhebe der muslimische Mann häufig den Anspruch, über die Sexualität der Frau zu bestimmen.

Kampf gegen Parallelgesellschaften: Sind Frauenrechte die Lösung?

Auch interessant

Laut der Frauenrechtlerin liege daher in der selbstbestimmten weiblichen Sexualität der Dreh- und Angelpunkt von Debatten, ob es nun um Kopftuch, Zwangsheirat, Ehrenmord oder häusliche Gewalt gehe. Mit Nachdruck verweist Ateş auf die Grundlagen allen Zusammenlebens – Verfassung und Menschenrechte. Die darin enthaltenen Regeln seien unteilbar.

Aufgrund ihrer Ansichten wird die Frauenrechtlerin regelmäßig bedroht und angefeindet. Mehrmals zog sie sich aus der Öffentlichkeit und von ihrer Tätigkeit als Anwältin für Straf- und Familienrecht zurück. Im Kampf gegen Parallelgesellschaften schrieb sie mehrere Bücher und gründete außerdem 2017 die Ibn Rushd-Goethe Moschee in Berlin, die sich dem gemeinsamen Gebet von Männern und Frauen öffnet und queere Menschen willkommen heißt.

Lesen Sie auch diese Beiträge aus dem Ressort Kultur & Freizeit

Theater an der Ruhr will Geheimnisse lüften

Mit dem Diskurs über Parallelgesellschaften geht „Parole Transparenz“ in die fünfte Runde. Als Gegenstück zur Serie „Geheimnis“ gibt es am Theater an der Ruhr über die gesamte Saison hinweg Einblicke und Hintergrundinformationen von Experten zu Themen, die sonst eher nicht den Weg in die Öffentlichkeit finden. „Wir sind davon überzeugt, dass eine demokratische Gesellschaft über möglichst alle Informationen verfügen sollte, die sie betreffen. Dass dem nicht so ist – darin liegt die Brisanz“, erklärt das Theater die Idee dahinter.

Zum Diskurs über Parallelgesellschaften lädt das Theater an der Ruhr am Sonntag, 27. April, um 18 Uhr ein. Der Eintritt ist frei.